7.012.701 Leistungsbezieher

Armut

Laut dem neuesten Monatsbericht der Bundesagentur für Arbeit (BA), Seite 50, waren im Mai 2013 offiziell 2.936.912 Menschen arbeitslos. Endlich kann man wieder jubeln, denn trotz meteorologischer Umschreibungen der wirtschaftlichen Lage und tatsächlichen Wettererscheinungen wie Regen und Kälte, haben es die Bundesagentur für Arbeit und ihre Statistiker geschafft, die propagierte Arbeitslosenzahl unter die “magische” Drei-Millionen-Grenze zu drücken. Der Frühjahrsaufschwung lässt zwar genauso auf sich warten wie das Frühjahr selbst, weswegen die Auftragslage(!) wetterbedingt(!) schwierig ist, doch alles in allem ist der Arbeitsmarkt robust. Na also …

Die ganz offizielle Zahl der Leistungsbezieher stagniert (seit Jahren mindestens ebenso robust) allerdings weiter bei sieben Millionen – nachzulesen in den Berichten der BA. So auch im Mai. 842.487 Menschen erhielten im Mai Arbeitslosengeld I (April 2013: 960.899), 4.463.796 mussten mit Hartz IV (ALG II) überleben (April 2013: 4.452.112), und 1.706.418 Menschen erhielten Sozial Geld (April 2013: 1.700.808). Das sind zusammen 7.012.701 Leistungsempfänger (April 2013: 7.113.819) – 62 Prozent mehr als im Dezember 2004! Selbst diese Zahl zeigt jedoch noch nicht das wahre Ausmaß, denn hinzukommen noch die Bezieher von Wohngeld, von Kinderzuschlag, von Grundsicherung im Alter oder von Sozialhilfe nach SGB XII. Ganz abgesehen davon, dass im BA-Bericht ständig von Untererfassung, Schätzung und Hochrechnungen gefußnotet wird.

Weitere 3.897.702 Menschen waren laut BA-Bericht im Mai “unterbeschäftigt” (April 2013: 3.988.520), und 879.584 nahmen an sogenannten Maßnahmen aktiver Arbeitsmarktpolitik teil (April 2013: 868.031) – fließen also nicht in die offizielle Jubel-Arbeitslosenzahl ein. Den Millionen von Arbeitslosen standen laut BA im Mai mal gerade 437.000 Arbeitsstellen gegenüber (4.000 weniger als im April), über deren Qualität sich zudem in vielen Fällen sicherlich trefflich streiten lässt.

BA-Chef Weise freut sich derweil über eine Entspannung bei den Finanzen seines Hauses. Dank der relativ niedrigen Arbeitslosigkeit rechnet er für dieses Jahr nur noch mit einem Defizit(!) von läppischen 850 Millionen Euro. Gleichzeitig verzeichnet die BA aber höhere Pro-Kopf-Ausgaben für Arbeitslosengeld-I-Empfänger, was darauf schließen lässt, dass mehr besser bezahlte und/oder höher qualifizierte Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verlieren. Was aber ganz sicher nichts damit zu tun hat, dass reguläre Beschäftigungsverhältnisse durch billigere verdrängt werden. Weise geht übrigens davon aus, dass dieser “Trend” sich bis zum Jahresende fortsetzen wird.

Was nicht unbedingt darauf hindeutet, dass Weise den “Experten” zustimmt, die für die zweite Jahreshälfte hoffnungsvoll mit einem Anziehen der Konjunktur rechnen. Die Miesmacher stellen dagegen fest, dass bei vielen Unternehmen “die Begeisterung für Investitionen” aufgrund der tiefen “Verunsicherung” einfach nicht da ist. Schuld daran dürfte wohl eher die “gedämpfte” Auftragslage sein. Dementsprechend ihre Prognosen für den Arbeitsmarkt. Die Hoffnungsvollsten dieser Miesmacher gehen von einer Stagnation aus. Falls es doch schlimmer kommt, kann Herr Weise mit ein paar Euro mehr für seine Kreativen in der Statistik-Abteilung ja gegensteuern.

– Klaus Wallmann sen., randzone-online.de // Bild: ©SXC/xbauerx