Alle Jahre wieder – eine Betrachtung

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Wissen wir eigentlich, was wir da so alljährlich an Weihnachten singen? Machen wir uns Gedanken über den Liedtext oder trällern wir nur eifrig nach, was alle trällern? Hier einige kritische Anmerkungen zu dem altbekannten Weihnachtslied:

1. Alle Jahre wieder
kommt das Christuskind
auf die Erde nieder,
wo wir Menschen sind.

Das kann man so oder so verstehen. Egal wie man’s nimmt, es ist beides falsch: Aus historischer Sicht kam Jesus Christus bisher nur einmal in diese Welt hinein und wurde Fleisch, danach die Kreuzigung, Auferstehung und seine Himmelfahrt. Seitdem sitzt er zur Rechten Gottes, bis er wiederkommt. Versteht man die erste Strophe im übertragenen Sinn, bleibt es immer noch falsch. Stattdessen tröstet Jesus seine Jünger: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Weltzeit!“ (Mt 28:20) Es wäre ja traurig, wenn Jesus nach Weihnachten wieder ginge, um erst ein Jahr später wieder „auf die Erde nieder“ zu kommen.

2. Kehrt mit seinem Segen
ein in jedes Haus,
geht auf allen Wegen
mit uns ein und aus.

Nein, tut er nicht. Die Seligpreisungen gelten nur den Christen, nicht „jedes Haus“. Die Strophe lehrt Allversöhnung. Stattdessen wollen die meisten doch gar nicht, dass Jesus in ihr Haus einkehrt. Nicht in ihr Haus, und schon gar nicht in ihr Herz. Und so bleibt es bei dem Bibelvers: „Wer an den Sohn glaubt, der hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.“ (Jh 3:36) Auch dann, wenn er trotz seines Unglaubens „alle Jahre wieder“ die zweite Strophe mitsingt.

3. Ist auch mir zur Seite
still und unerkannt,
daß es treu mich leite
an der lieben Hand.

„Mir zur Seite“ mag bei dem Christen ja noch zutreffen. Aber wer? Wer ist „es“? Das niedliche „Christuskind“ – oder der Sohn Gottes, der Auferstandene, der Allmächtige? Natürlich wäre den meisten ein kleines, harmloses Baby sehr viel lieber als der König der Könige. Am besten dann noch „still und unerkannt“, dass „es“ uns bloß nicht stört…

Der kleine Beitrag hier soll vor allem Denkanstoß sein. Sie können sich gerne Ihre Meinung selbst bilden, aus Ihrer ganz eigenen Perspektive. Aber bitte, singen Sie Jahr für Jahr nicht einfach so drauf los. Hinterfragen Sie die Liedtexte, ob es sich wirklich so verhält. Betrachten Sie selbst: „O Tannenbaum“. Ob er uns hören kann, der Baum?