Die 4 Phasen des Burnout-Syndroms

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Dieses Syndrom ist gekennzeichnet durch längere körperliche Erschöpfung, chronisches emotionales Ausgelaugtsein und die Enttäuschung darüber, dass die Arbeit nicht mehr die Erwartungen des Helfenkönnens erfüllt, die man in sie gesetzt hat. Es werden vier typische Phasen in der Entwicklung dieses Syndroms beschrieben.

1. Phase: Anfangsenthusiasmus. Zu Beginn seiner Tätigkeit geht der Helfer mit viel Enthusiasmus an seine Helferaufgabe heran. Er hat einerseits den ehrlichen Willen, anderen zu helfen, andererseits aber möchte er auch Erfolg haben und viel ändern und bewirken. Die Motivation des Helfers ist also zweigeteilt. Sie ist einerseits auf den anderen gerichtet, der seiner Hilfe bedarf, andererseits aber auch auf das eigene Ich, das sich durch erfolgreiches Helfen erhöhen möchte. Die Ambitionen sind in der Regel sehr hoch gesteckt. Ein gläubiger Sozialarbeiter formulierte es so: »Ich wollte den Leuten nicht nur helfen, ihre praktischen Probleme zu lösen, sondern auch ihren Charakter verändern.« Eine Helferin in einem Lebenshilfezentrum sagte: »Ich wollte, dass sich die anderen unter meinem Einfluss bekehren und völlig andere Menschen werden.«

2. Phase: Stagnation. Die Erfahrung der Stagnation ist unter diesen Umständen unvermeidlich. Die Arbeit verliert ihren anfänglichen Reiz; der Helfer stößt überall an die Grenzen seines Wirkens. Er merkt zunehmend, dass es im Umgang mit schwierigen Menschen gilt, kleine Brötchen zu backen. Er zieht sich immer mehr zurück und kümmert sich vermehrt um seine eigenen Belange. Freizeit, Partnerschaft, Familie, Hausbau etc. treten in den Vordergrund. Auch die Bezahlung rückt jetzt stärker ins Blickfeld. Und da die meisten helfenden Berufe ohnehin unterbezahlt sind, wird sie zu einem weiteren Anlass für Unzufriedenheit.

3. Phase: Frustration. Wenn diese Entwicklung nicht rechtzeitig abgewendet werden kann, dann steigert sich die erste Desillusionierung zur grundsätzlichen und bitteren Enttäuschung. Der Helfer empfindet seine Arbeit zunehmend als sinnlos. Er hat den Eindruck, dass all seine Bemühungen fruchtlos sind und er nichts erreicht. Er geht seinen Klienten möglichst aus dem Weg und klagt oft über seine Frustration. Manche werden zynisch. Sie schützen sich gegen die Erschöpfung und Enttäuschung dadurch, dass sie die Klienten »dehumanisieren«. Diese werden dann zu »Fällen« abgestempelt, und man redet nur noch vom »Herzinfarkt auf Zimmer 106«.

4. Phase: Apathie. Wenn die Frustration des Helfers schließlich chronisch wird, tritt er in das Stadium der Apathie ein. Er hält dann nur noch aus finanziellen Gründen an seiner Arbeit fest, tut aber auch nur noch das, was unbedingt nötig ist, um die Stelle zu behalten. Er macht also gewissermaßen »Dienst nach Vorschrift«.

– Quelle: Antholzer, Trauern & Trösten, S.109-111 // Bild: Pixabay