Kategorie-Archiv: Kreatives

Der Prozess von Jesus Christus

»Was geht hier vor? Kein gewaltiger Kampf wird geführt; keine erschütternden Antworten werden gegeben; keine geheimnisvolle Größe bricht durch, welche die Gegner bezwänge oder auf ihr Verhalten wirklich Einfluss hätte und wäre es nur so, dass sie aus der Fassung kämen. Der Prozess geht genau den beabsichtigten Gang, erzielt das vorgesehene Ergebnis und Jesus kämpft nicht. Er beweist nicht. Er widerlegt nicht. Er greift nicht an. Er lässt dem Geschehen freien Lauf. Sein Schweigen macht, dass geschieht, was geschehen soll.«

– Romano Guardini

Jeden Sonntag Gottesdienst

»Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott, dem Vater, ist der: die Waisen und Witwen in ihrer Trübsal besuchen und sich selbst von der Welt unbefleckt halten.«

„Eine Witwe sagt mir einmal: Ich kann es nicht mehr hören, wenn man mir als Witwe nach dem Gottesdienst »einen schönen Sonntag« wünscht, aber mich doch keiner besucht.“

– Pastor Lothar Leese, Remscheid

Domenico Feti – Ecce Homo

Domenico Feti Ecce Homo

Im Jahre 1719 wurde Graf Zinzendorf auf die sogenannte Kavaliersreise geschickt. Sein Vormund, ein alter Generalfeldzeugmeister, hatte es schriftlich so formuliert: »Der Junge braucht Bewegung, dass ihm die frommen (pietistischen) Flausen aus dem Kopf getrieben werden«. Auf der Anreise nach Holland besuchte er in Düsseldorf eine Gemäldegalerie. Ein italienischer Meister, Domenico Feti, hatte ein Bild dort hängen, das ihn besonders fesselte. Es stellt den dornengekrönten Christus, den Gekreuzigten dar.

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Mengenlehre

Fische

Ein Pfarrer predigt: »Und Jesus Christus speiste 5 Menschen mit 5 000 Broten und 2 000 Fischen!« – Einen Sonntag später korrigiert er seine Falschmeldung: »Jesus Christus speiste 5 000 Menschen mit 5 Broten und 2 Fischen!« Er schaut in die Versammlung und meint zu einem aufmerksamen Jungen: »Das hättest Du wohl nicht geschafft, was?« – Darauf der Angesprochene: »Doch, mit dem Rest vom letzten Sonntag!«

Zwei Pastoren auf dem Rückweg

Mercedes

Zwei Pastoren fuhren von einer Tagung im Auto nach Hause. Vom Autofahren hatten sie unterschiedliche Vorstellungen. Nach einiger Zeit meinte der Jüngere: »Lass mich ans Steuer, dann sind wir schneller zu Hause!« – Darauf der Ältere bedächtig: »Daheim, aber nicht zu Hause!«

Unverständlich

»Sie fürchten die allerleichtesten Dinge, sie sehen sie voraus, sie ahnen sie. Und derselbe Mensch, der so viele Tage und Nächte hinbringt in Wut und Verzweiflung über den Verlust eines Amtes, über irgendeine eingebildete Beleidigung seiner Ehre – er ist der gleiche, der ohne Unruhe und Erregung weiß, dass er durch den Tod alles verlieren wird.«

– Blaise Pascal

Spruch auf dem Grabstein

»Noch eine kleine Zeit, dann ist´s gewonnen,
dann ist der ganze Streit in nichts zerronnen.
Dann darf ich laben mich an Lebensbächen
und ewig, ewiglich mit Jesus sprechen.«

– Sören Kierkegaards selbstgewählte Grabinschrift

Zum Hochzeitstag – ein Gedicht

Hochzeitstag

Da unser Hochzeitstag nahte, hatte ich als guter Ehemann selbstverständlich ein kleines Geschenk für Gitti besorgt. Ich war sicher, dass sie sich riesig über die neuen Geschirrtücher freuen würde. Aber das war längst nicht alles. Um meine Zuneigung und Bewunderung noch besser ausdrücken zu können, hatte ich folgendes Lied extra für sie geschrieben:

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Zum Thema Ehe

Ehe-Paar

»Wie geht es Ihrer Tochter?« – »Danke! Ausgezeichnet. Sie hat einen wunderbaren Mann. Er sorgt mit für den Haushalt, hilft das Geschirr spülen und kümmert sich um die Kinder.« – »Und wie geht es Ihrem Sohn?« – »Ach, mein Sohn! Ja, der hat so ein Pech mit seiner Frau. Er muß mit für den Haushalt sorgen, muß beim Geschirrspülen helfen und sich auch noch um die Kinder kümmern.«

Vor der Trauung spricht die Schwiegermutter zum Schwiegersohn: »Ich möchte dich dringend bitten, in deiner Ehe stets einen Grundsatz zu befolgen, der sich in meiner Ehe so gut ausgewirkt hat. Ihr bekommt nie Streit, wenn ihr folgendes miteinander ausmacht: Wenn du mit deiner Frau einer Meinung bist, gilt deine Ansicht; wenn ihr jedoch verschiedener Meinung seid, gilt die Ansicht deiner Frau.«

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Ansprache zur Begrüßung

GrussSehr verehrte Anwesende! Sehr verwesende Angeehrte. Sie wollen gütigst verzeihen, wenn ich es wage, sie höflichst und dringend zu ersuchen, mir gütigst zu erlauben, daß ich mir die Freiheit nehme, sie hierdurch zu erfragen, ob sie die Gewogenheit haben wollen, sie untertänigst zu bitten, mir das unnennbare Glück zu gewähren, daß ich mich ihnen in größter Bescheidenheit nahe, um ihnen zu sagen, daß ich nichts sehnlicher wünsche, als imstande zu sein, ihnen zu zeigen, wie ganz außerordentlich es mich freut, daß das Schicksal mir so günstig ist, den Augenblick herbeizuführen, der mir das unbeschreibliche Glück zuteil werden Iäßt, ihnen zu versichern, daß es mir unmöglich ist, in leeren und gehaltlosen Worten, die wunderbaren Gefühle auszudrücken, die mein Herz bei dem erhabenen Gedanken ergreifen, das ihre Güte mich berechtigt, die angenehme Hoffnung zu hegen, daß sie überzeugt sind, welch ein Vorzug es ist, daß ich die ganz besondere Ehre haben darf mit den Gefühlen der lebhaften Hochachtung und der mir angeborenen Bescheidenheit, ihnen allen einen guten Abend zu wünschen.

Sehnsucht nach Herzensfrieden

Es war im Februar 1776, als der junge Goethe, vom Weltschmerz gepeinigt, »Wanderers Nachtlied« niederschrieb: »Der du von dem Himmel bist, alles Leid und Schmerzen stillest, den, der doppelt elend ist, doppelt mit Erquickung füllest – ach, ich bin des Treibens müde! Was soll all der Schmerz und Lust? Süßer Friede komm, ach komm in meine Brust!«

Dieses Blatt kam in die Hände der Mutter von Frau von Stein, die auf die Rückseite schrieb: »Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. Jesus Christus!«

Wie man es allen Menschen Recht machen kann

EselEin Mann reitet auf seinem Esel nach Haus und läßt seinen Buben zu Fuß nebenher laufen.

Kommt ein Wanderer und sagt: »Das ist nicht recht, Vater, daß Ihr reitet und laßt Euren Sohn laufen: Ihr habt stärkere Glieder!« Da stieg der Vater vom Esel herab und ließ den Sohn reiten.

Kommt wieder ein Wandersmann und sagt: »Das ist nicht recht, Bursche, daß du reitest und lassest deinen Vater zu Fuß gehen. Du hast jüngere Beine!« Da saßen beide auf und ritten eine Strecke.

Kommt ein dritter Wandersmann und sagt: »Was ist das für ein Unverstand, zwei Kerle auf einem schwachen Tiere? Sollte man nicht einen Stock nehmen und euch beide hinabjagen?« Da stiegen beide ab und gingen selbdritt zu Fuß, rechts und links der Vater und Sohn und in der Mitte der Esel.

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Wie konnte Gott das zulassen?

»Der Mensch des Altertums nahte sich Gott (und selbst auch den Göttern) in der Haltung des Angeklagten, der vor seinen Richter tritt. Für der modernen Menschen sind die Rollen vertauscht. Er ist der Richter – Gott sitzt auf der Anklagebank. Gewiss, er ist ein wohlwollender Richter. Falls Gott einen vernünftigen Verteidigungsgrund dafür haben sollte, dass er der Gott ist, der Kriege, Armut und Seuchen zulässt – dann ist der Mensch bereit, ihn anzuhören. Die Verhandlung könnte sogar mit einem Freispruch Gottes enden. Aber das Entscheidende ist: Der Mensch sitzt auf dem Richterstuhl und Gott auf der Anklagebank.«

– C.S. Lewis