Kategorie-Archiv: Theologie

Der Brief des Jakobus – eine Auslegung

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Nach kirchlicher Überlieferung ist der Brief von Jakobus, dem Halbbruder des Herrn Jesus Christus, geschrieben worden. Weil die Heidenmission und das Apostelkonzil im Jahr 48/49 n.Chr. darin nicht erwähnt werden, geht man von einem früheren Datum aus. Wahrscheinlich kannte Jakobus die Paulus-Briefe (inkl. Galater, 48 n.Chr.) noch nicht. Im Jahr 62 n.Chr. ist Jakobus hingerichtet worden.

Adressiert ist der Brief an verschiedene Gemeinden mit vorwiegend Judenchristen, die sich als das „wahre Israel“ verstanden und deshalb mit „zwölf Stämme“ angeredet werden. (1:1) Aus dem Inhalt des Briefes lässt sich die Situation in den Gemeinden erschließen. Es gab eine Kluft zwischen Arm und Reich, wobei die Reichen geehrt und die Armen verachtet wurden – ein Verstoß gegen das Höchste Gebot der Liebe. (2:8) Hinzu kamen Machtkämpfe um die Position des Leiters bzw. Lehrers. (3:1)

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Warum nahm Gott Kains Opfer nicht an?

Kain und Abel

Warum Gott Kains Opfer im Gegensatz zu dem seines Bruders Abel nicht akzeptiert, ist aus dem Text in 1. Mose zwar nicht unmittelbar zu entnehmen, aber doch angedeutet: »Und es begab sich aber nach einiger Zeit, dass Kain dem Herrn Opfer brachte von den Früchten des Feldes. Und auch Abel brachte von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett. Und der Herr sah gnädig an Abel und sein Opfer; aber Kain und sein Opfer sah er nicht an. Da ergrimmte Kain sehr und senkte finster seinen Blick. Da sprach er zu Kain: Warum ergrimmst du? Und warum senkst du deinen Blick? Ist‘s nicht also? Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick erheben. Bist du aber nicht fromm, so lauert die Sünde vor der Tür, und nach dir hat sie Verlangen; du aber herrsche über sie.« (1. Mose 4,3-7)

Es ist zwar denkbar, dass Kain nicht das richtige Opfer brachte oder es nicht in der richtigen Form geopfert hat, doch kann das nicht der eigentliche Grund der Verwerfung sein, denn Gott hatte ja noch kein besonderes Ritual oder die Art der Opfergabe vorgeschrieben. Das Opfer selbst war sowohl bei Kain als auch bei Abel vermutlich ein Erntedank-Opfer, vielleicht bereits verbunden mit der Bitte um Sühnung der Schuld. Darüber ist aber weiter nichts bekannt.

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Was verstehen wir unter »Glaube«?

Haende-Vertrauen

Gibt es in der deutschen Sprache wohl einen Begriff, der eine größere Breite von Bedeutungen erreicht als das Wort »Glaube«? Ohne Frage: »Glaube« ist heute ein in vielen Farben schillernder Begriff geworden. Je nach seinem Zusammenhang kann er einen positiven oder einen negativen Sachverhalt ausdrücken: Ein Hoffen und Befürchten, etwas, das Freude bringt oder in Angst stürzt.

Wenn wir tiefer graben und nach seinem Bedeutungsgehalt fragen, stoßen wir darauf, dass der Begriff »Glaube« immer mit dem Grund unseres Seins zu tun hat, mit dem Halt, den man fürs Leben braucht, mit Vergewisserung. Nun kann man diesen Halt auf sehr verschiedenen Wegen und an ganz unterschiedlichen Orten suchen. Man kann vieles »»Glauben««, vieles zum Inhalt seines »Glaubens« machen: materielle Werte, eine philosophische Überzeugung, eine politische Ideologie, natürlich auch eine Religion.

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Anfechtung beim Dienst der Wortverkündigung

Predigt-Notizen

Es gibt keinen Glauben ohne Anfechtung. Nicht anders ist es im Leben des Dienstes für unsern Herrn Jesus Christus, und im besonderen im Dienst der Wortverkündigung. Paulus bekennt beim Abschied von den Ältesten von Ephesus: »Ich habe dem Herrn gedient in aller Demut, ja unter Tränen und Anfechtungen…« Das ereignet sich überall, wo der aufgetragene Dienst zugleich als eine persönliche Glaubensführung verstanden wird. Beim Boten Jesu dürfen der Dienst und das persönliche Glaubensverhältnis zu Gott nicht getrennt voneinander existieren. Wo immer dies doch der Fall ist, wird man sich ein großes Teil der Anfechtung ersparen – aber wohl zum eigenen Schaden.

Die Jünger unseres Herrn Jesus waren Zeugen seiner großen Anfechtungen (Lukas 22, 28). Die galatischen Gemeinden hatten in Paulus einen manchmal wohl verzagten und deprimierten Boten Gottes vor sich (Galater 4, 14). Ähnlich war sein Eindruck in Korinth: »Wenn er selbst anwesend ist, ist er schwach und seine Rede ohne Gewicht« (2. Korinther 10, 10). Ähnlich muss es sich in Ephesus (Apostelgeschichte 20,19) und gewiss auch auf anderen Arbeitsfeldern zugetragen haben. Ferne davon zu behaupten, das Auftreten des Paulus sei ohne mitreißende Gewalt gewesen, wird doch in seinem Dienst da und dort das »irdene Gefäß« sichtbar, bisweilen in tiefen seelischen Erschütterungen. Die Gestalt seines Wortdienstes wies jedenfalls je und je Risse auf, die nach der Meinung der Menschen besser verdeckt geblieben wären. Wäre nicht eine glänzende Außenseite eine bessere Empfehlung für das Evangelium gewesen?

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Wie wird man mit Versuchung fertig?

Weisse-Schokolade

Es ist noch kein Unrecht, in Versuchung zu kommen, aber es ist Sünde, der Versuchung nachzugeben. »Du kannst nichts dafür, dass Vögel über deinen Kopf fliegen, aber du kannst verhindern, dass sie in deinem Haar nisten!« Dieses bedeutsame Wort sagt zweierlei über die Versuchung: dass jeder versucht wird, aber dass man der Versuchung widerstehen und sie überwinden kann. Da wir uns in diesem Kapitel hauptsächlich mit der Überwindung der Versuchung beschäftigen wollen, sei zunächst ein Wort über die Tatsache der Versuchung gesagt.

Versuchung ist eine allgemeine Erfahrung. Kein Mensch ist davon ausgenommen. »Sie sind allzumal Sünder« (Römer 5, 25), das schließt ein, dass sie alle versucht worden sind, – und alle werden versucht werden, denn »es ist unmöglich, dass nicht Ärgernisse kommen« (Lukas 17, 1). Niemand hat also die Wahl, ob er versucht werden will oder nicht. Daraus folgt, dass Versuchung keine Sünde sein kann, denn für das Unvermeidliche können wir wirklich nicht verantwortlich gemacht werden. Aber es ist Sünde, der Versuchung nachzugeben. Diese wichtige Unterscheidung müssen wir begreifen. Unser Herr selber war in schweren Versuchungen, nicht nur am Anfang, sondern auch während Seines ganzen Wirkens (Matthäus 16, 23; 22, 18; Lukas 22, 28), aber Er war völlig sündlos.

Wir müssen damit rechnen, dass auch wir versucht werden, und gewarnt sein heißt gerüstet sein, denn eine erkannte Gefahr ist schon halb überwunden. Wir können über die Versuchung Herr werden durch Ihn, »der versucht ist allenthalben gleichwie wir, doch ohne Sünde« (Hebräer 4, 15), »denn worin Er gelitten hat und versucht ist, kann Er helfen denen, die versucht werden« (Hebräer 2, 18). Wie werden wir nun Sieger in der Versuchung?

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Sabbat oder Sonntag – Gott »atmet auf«

Mauritius-Feierabend

Dass Gott uns an seinem Sabbat in seiner Gesellschaft haben will, ist nicht nur ein Entgegenkommen von seiner Seite, sondern eine Herablassung! Wie tief Gott damit zu seinem Geschöpf herabsteigt, geht aus einem selten gebrauchten, auffällig starken Wort, das in der hebräischen, biblischen Ursprache »naphasch« heißt, hervor. Es bedeutet auf deutsch: »Verschnaufen, nach schwerer Anstrengung aufatmen!«

Dieses Wort kommt in der Bibel nur dreimal vor: Einmal ist es der, von seinem Sohn verjagte König David. Er wird auf der Flucht mit Schmutz und Steinen beworfen. David entkommt und »naphasch«, »atmet auf«. (2. Samuel 16, 14) Ein zweites Mal sind es die Knechte und Mägde und das Vieh, von denen gesagt wird, dass auch sie am Sabbat »naphasch«, »aufatmen« dürfen. (2. Mose 20, 10) Angewendet auf Gott selber steht nun aber dies Wort ein einziges Mal in der Bibel:

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Zum Sonntag – An die Stelle der Liebe trat das Gesetz

Banner-Kreuz

Wichtig ist der Nächste, der Mitmensch, der Bruder: »Jeder von uns lebe dem Nächsten zu Gefallen für das Gute, zu (seiner) Auferbauung« (Römer 15, 2). Aus der Freiheit der Kinder Gottes heraus darf der Christ mit gesellschaftlichen Normen so umgehen, wie es seinem Mitmenschen am besten dient. Wie bei Jesus steht auch bei Paulus die Liebe des Menschen zum Menschen über allen gesellschaftlichen Normen, auch über jenen, die religiös begründet werden.

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Der stille Rückzug oder: Kleine Brötchen zu Gottes Ehre

Kreuz-Hauskreis

Vom Vor- und Nachteil von Hauskreisen. Weitgehend unbemerkt von der evangelikalen und kirchlichen Öffentlichkeit nimmt seit einigen Jahren eine Bewegung Konturen an, die reichlich Anlaß zum Nachdenken gibt, weil sie ein bezeichnendes Licht auf die kirchliche Gesamtsituation in unserm Land wirft. Es ist die Bewegung des »Stillen Rückzugs« aus Gemeinden und Gemeinschaften. Es ist die Bewegung hinein in die Häuser.

Lange Zeit als bloßes Randphänomen unterschätzt, hat diese Bewegung mittlerweile eine Größe erreicht, die guten Gewissens nicht mehr ignoriert werden kann. Mehr und mehr ziehen sich Christen aus Kirchen, Gemeinden, Gemeinschaften und Verbänden zurück, denen sie lange treu angehört haben, aber nun nicht mehr angehören können oder wollen. Jenseits des kirchlich bzw. freikirchlich verfaßten Christentums leben sie ihr Christsein in Hausgruppen, Hauskreisen und Hausgemeinschaften.

Was sind die Gründe dafür? Was sind die Hintergründe?

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Welche Krankheit hatte Paulus?

Paulus_Markus_DuererÜber die Krankheit von Paulus gibt es verschiedene Theorien. In dieser Abhandlung werde ich versuchen, einige darzustellen. Am Schluß werde ich eine These vertreten, die für mich die wahrscheinlichste ist.

Paulus spricht von seinem Augenleiden

Nach der Erscheinung auf dem Wege nach Damaskus war Paulus drei Tage blind: »Und er konnte drei Tage nicht sehen und aß nicht und trank nicht.« – Apostelgeschichte 9, 9

Vielleicht haben seine Augen sich seitdem nie wieder ganz gebessert. Paulus sagt von den Galatern: »Denn ich bezeuge euch, ihr hättet, wenn es möglich gewesen wäre, eure Augen ausgerissen und mir gegeben.« (Galater 4, 15) Am Schluß des Briefes an diese Gemeinden schreibt er: »Seht, mit wie großen Buchstaben ich euch schreibe mit eigener Hand!« (Galater 6, 11) Es sieht so aus, als spreche er von der großen Schrift eines Menschen, der kaum sehen kann.

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Josef gehorcht – wie einst Abraham!

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Im Glauben ist das Gehorchen schon enthalten. Glauben heißt gehorchen. Im Gehorchen erweist sich die Wirklichkeit des Glaubens. Wie Josefs Hören und Glauben, so vollzog sich auch sein Gehorchen ohne jeden Aufwand. Weder geriet er ins Schwärmen noch versank er in Meditationen. Weder schlug er vor Überwältigung die Hände über dem Kopf zusammen noch begann er vor Freude zu tanzen. Er gehorchte, wie es seinem Wesen entsprach, still, unauffällig, nüchtern.

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Der »Stall« war eine »Höhle«

Hoehle-Stall

Wenige hundert Meter, nachdem die Umgehungsstraße die alte Straße erreicht hat, liegt zur Rechten ein kleines schmuckloses Gebäude, eines der zahllosen Heiligengräber Palästinas: Das Grab der Rahel, einer der Stammmütter Israels. Schon in neutestamentlicher Zeit hat man es an dieser Stelle gezeigt und verehrt. Gleich hinter dem Rahelgrab gabelt sich der Weg. Rechts geht es weiter nach Hebron, links hinauf zu der Bergkette, auf deren Höhe Bethlehem liegt. Diese linke Abzweigung endet auf dem großen Marktplatz von Bethlehem. Seine Ostseite wird durch eine hohe Mauer abgeschlossen, die nur durch eine niedrige Pforte durchbrochen wird, so niedrig, dass man sie nur gebückt durchschreiten kann. Sie verrät nicht, dass hinter der Mauer eine mächtige Basilika liegt. Als im Mittelalter muslimische Banden zur Verhöhnung der Christen zu Pferde in die Kirche geritten waren, sahen sich diese, so sagt man, gezwungen, das Portal der Kirche bis auf jenes kleine Pförtchen zuzumauern.

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Steuerschätzung

Mantelbögen

»Es begab sich aber …« An diesen Worten wird Gottes Eingreifen deutlich, der Neues entstehen lässt, schafft und setzt – so die Grundbedeutung dieses griechischen Wortes. Das Wort „aber“ unterstreicht, dass etwas ganz Neues, Unerwartetes geschieht: Gott greift ein in die Welt und handelt einzigartig in Raum und Zeit. Er setzt den Wendepunkt der Weltgeschichte, die nun ganz neu gezählt wird. Er bedient sich der Großen unserer Welt mit ihren strategischen Plänen – die dabei zu Statisten reduziert sind, um Gottes Heilsgeschichte zu wirken. Gott handelt in der Hauptstadt Rom und im letzten Winkel der Welt, und der Herr der Geschichte kommt zum Ziel!

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