Das Bekennergedicht

Ein Christ, der Günther Schneider hieß,
der fand sein Leben leider mies.
Er wollt so gern mal wichtig sein
und kniet sich deshalb richtig rein
Er denkt bei sich: „Mir is‘ schon klar.
Ich werd‘ berühmt als Missionar.“

So sprach er: „Hör‘, mein Eheweib!
Auch wenn ich länger gehe – bleib!
Ich muss jetzt Seelen retten geh’n.
Man wird mich bei den Letten seh’n,
Ich lauf‘ in Rom und Delhi rum,
verkünd‘ das Evangelium.
Ich kann den Drang nicht zügeln, Frau.
Du kannst so lange bügeln. Ciao!“
(und, als Zugabe für Ober-Machos:)
Ich seh die Welt – und fühl‘ das Ziel.
Du, – spare Geld, drum spül mit Pril.

So zog er los mit Ziel Hawaii
doch Geld hat er nicht viel dabei.
Er ging zu Fuß im Rase-Schritt
bis er an einer Blase litt.
Die Kraft, es tut dem Müden Leid,
reicht leider nur bis Lüdenscheid.
(Dabei kam ihm das alte Volkslied in den Sinn:
Die Lüdenscheider leiden gleich
denn jetzt singt Walter Heidenreich)

Auf einem Zeltplatz macht er Halt
denn schließlich ist die Nacht sehr kalt.
Dort sah er dann ein Ehepaar,
das g’rad in seiner Nähe war.
Und hört per Zufall ihren Streit;
der Mann war nach acht Bieren breit.

„Nun mach hier nicht so’n Drama draus
und rück endlich die Rama raus.“
„Du wirst ja immer fetter, Klaus
da reicht ja wohl die Lätta aus!“

Der Günther denkt, ich greife ein:
„Nun lasst doch das Gekeife sein.
In diesen allzu tristen Streit
bring ich das Wort der Christenheit.
Merkt euch, dass ihr vergeben sollt
wenn ihr das ew’ge Leben wollt.“

„Lass mich in Ruh‘, ich esse gleich
sonst hau ich dir die Fresse weich!“
ruft Klaus vor Wut, springt sauer auf,
und Günther flieht im Dauerlauf.
Des Missionaren Herz erbebt
er hat noch nie so’n Terz erlebt.

Er bringt’s auf einen Nenner: „Gut,
mir fehlte der Bekennermut.“
Und weil ihm das missfallen hat,
ging er sogleich ins Hallenbad.
Nur hatte er, was schade war,
die Kleidung nicht zum Bade da.
Doch das schränkt nur Mimosen ein
Er ging in Unterhosen rein.
Und schreit dann laut: „Hört alle her!“
Nur leider war die Halle leer.

Doch aus dem Dampfbad Lachen dringt
was Günther zum Erwachen bringt.
Er prescht durch’s Saunafeuer vor
und ruft: „Passt auf, spitzt euer Ohr.
Ich will euch nicht beim Bade stör’n
Doch sollt ihr von der Gnade hör’n.
Weil ihr ganz ungeheuer schwitzt
wenn ihr im Fegefeuer sitzt.“

Ein Gast ruft voll Empörung dann:
„Wir dulden keine Störung, Mann!“
und mahnt ihn: „Wir entschlacken hier.“
ein andrer ruft: „Den packen wir!
Der braucht gleich einen Krankenschein
und sieht dann aus wie Frankenstein.“

Doch er entkommt der Übermacht,
obgleich – auch wenn man drüber lacht –
dies nur in Unterhosen geht
und endet in ’nem Rosenbeet.
Die andern rennen g’radeaus.
Er schleicht zurück zum Badehaus
und holt sich seine Sachen dann
damit er weiter machen kann.

So geht er voller Tatendrang
an einem Schrebergarten lang
und riecht dort mit der Atemluft
vom Grill den frischen Braten-Duft.
Er strebt dem Grillfest locker zu
und sieht – o Schreck – ’ne Rocker-Crew.
Still denkt er: „Ob ich rennen sollt‘
wo ich hier doch bekennen wollt‘?“
Dann fasst er Mut am Gartenzaun:
„Ich will euch nicht den Braten klau’n.
Und auch nicht hier beim Grillen stör’n,
doch sollt ihr Gottes Willen hör’n.“

Es wird ganz still, zwölf Rocker schau’n.
„Die werden mich vom Hocker hau’n“,
denkt Günther, der am Wege steht
und spricht noch schnell ein Fleh-Gebet:
„Hier bin ich, bitte sende mich…
….schnell weg, denn sonst verende ich!“

Noch schlimmer wird die Krise dann
denn langsam kommt ein Riese an
zu Günther, dem ganz bange ist.
Bis der ihm auf die Wange küsst
und ruft: „Komm, Bruder, sei hier Gast,
wenn du ’ne Bibel bei dir hast.
Ich und die Männer hinter mir
wir lesen g’rad Korinther vier…“

Verfasser unbekannt