Das Lebensbild von Josua Stegmann

Josua_StegmannDr. Josua Stegmann wurde 1621 zum Professor an die neugegründete lutherische Theologische Hochschule in Rinteln an der Porta Westfalica berufen. Er stammte aus Thüringen und war ein treuer Seelsorger. Er ahnte schon die kommenden Bedrängnisse und Verfolgungen. So bekümmerte ihn in den schrecklichen Wirren des Dreißigjährigen Krieges am meisten, ob die Gläubigen auch unter Druck und Verfolgung im Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes standhart bleiben könnten.

Unermüdlich mahnte er, dass der Glaube nur durch das Gebet gefestigt werden kann. So dichtete er das Gebetslied:

»Ach, bleib mit deiner Gnade bei uns …«

Schon bald sollte für ihn selbst die schwerste Bewährungsstunde kommen. 1629 rückten die kaiserlichen Truppen unter Wallenstein und Tilly vor und machten dem römisch-katholischen Einfluss Bahn. Die Benediktinermönche kehrten wieder in ihr früheres Kloster nach Rinteln zurück, wo Stegmann an der Theologischen Fakultät wirkte. Die lutherische Universität wurde aufgelöst. Die Mönche nahmen die Plätze der lutherischen Professoren ein und verlangten die Anteile ihrer Besoldung. Damit war Josua Stegmann plötzlich arbeits- und mittellos. Er lebte von mildtätigen Gaben gütiger Menschen.

Da zwangen ihn die Mönche mit militärischer Gewalt zu einer öffentlichen Disputation. Zwei Gegner standen sich dabei gegenüber und kämpften mit theologischen Argumenten gegeneinander. Angesichts der unbiblischen Behauptungen konnte Stegmann nicht schweigen. Aber immer, wenn er reden wollte, fing die bestellte Meute im Publikum laut zu johlen an. Der stille Stegmann konnte sich dagegen überhaupt nicht durchsetzen. Das war auch so beabsichtigt. Er wurde verlacht und verspottet. Durch diese unsachliche Schreierei wurde der ehrenwerte und aufrichtige Mann ganz verwirrt und musste die Disputation abbrechen. Es war eine klare Niederlage für ihn, allerdings mit infamen und unsachlichen Mitteln erfochten.

Diese Verhöhnung und Demütigung setzte dem bescheidenen Josua Stegmann am meisten zu. Er war für die kommende Verfolgung gewappnet. In seinem Lied hatte er so eindrücklich von der Beständigkeit des Glaubens gesprochen.

Doch diese fiese öffentliche Kränkung hatte ihn tief in seiner Persönlichkeit verwundet. Wenige Wochen nach der Disputation starb er, erst 44 Jahre alt, am 3. August 1652. Sein Lied, das an die Bitte der Emmausjünger anknüpft: Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt! ist seitdem nicht mehr verstummt.

 

Literatur:
Scheffbuch, Den Kummer vom Herzen singen, Stuttgart 1998, S. 279f.