Das Telefon – Ein modernes Gleichnis

iphone-telephone

Das junge Paar verließ gemeinsam das Krankenhaus. Er trug ein kleines Bündel, das nur sechs Pfund wog und über dessen Namen immer noch Kämpfe ausgetragen wurden. Er war so stolz, wie er es bisher noch nie in seinem Leben gewesen war.

Seine Frau setzte sich als erste ins Auto, und dann beugte er sich hinein, um ihr das Baby zu reichen. In diesem Moment geschah es. Das Autotelefon klingelte. Bis heute kann er sich nicht erklären, warum er es tat, aber er nahm eine Hand von dem kleinen Bündel weg und griff nach dem Hörer. Für einen Moment, als sei die Zeit stehengeblieben, balancierte er das Kind auf der Innenseite der anderen Hand. Seine Frau schrie auf, er nahm seine Hand vom Hörer und griff das Baby. Wer immer angerufen hatte, legte auf.

Das Telefon hatte an jenem Tag den Kampf verloren, aber es schwor sich in diesem Moment, daß dieses Kind nie mehr im Leben den Vorrang bekommen sollte. Es plante einen Rachezug, der diesen Vater um Zeit mit seinem Kind berauben sollte.

Das war vor achtzehn Jahren, und seit diesem Moment hat es immer geläutet, wenn eine Gutenachtgeschichte gerade spannend wurde oder ein Monopoly-Spiel dem Ende entgegenging oder in späteren Jahren, wenn Vater und Sohn gerade ein wichtiges Gespräch führen wollten. Das Telefon versprach dem Mann immer, daß es nicht viel von seiner Zeit beanspruchen würde und daß er bald wieder zu dem zurückkehren könne, was er gerade tat.

In all den Jahren hat der Vater nie die Strategie durchschaut. Das Telefon hat nicht ein einziges Mal mehr den kürzeren gezogen. Als das Kind mit achtzehn Jahren von zu Hause wegging, klingelte es nicht mehr. Die Rache war vollzogen.

 

– Rob Parsons, Der 60-Minuten-Vater, S. 42f. // BILD: © CC0 Public Domain