Der neue fundamentalistische Liberalismus

pfr-hermann-traubÜber den neuen „fundamentalistischen Liberalismus“ hat Pfarrer Hermann Traub am 16. Juni 2012 anlässlich des Jahrestreffens der Mitglieder und Freunde des Gemeindehilfsbundes in Walsrode-Düshorn einen Vortrag gehalten.

Seiner Meinung nach zeigen sich „christliche Fundamentalisten“ in „extremen Gemeindegruppen“ dadurch, dass sie ihr Bibelverständnis über die Bibel stellen und so ihre Festlegungen treffen. Was man früher und heute solchen „frommen“ Fundamentalisten mit Recht vorwirft, geschieht heute durch liberale und bibelkritische Kräfte in gleichem Verhaltensmuster. Das eigene Bibelverständnis wird über das sich selbst auslegende Bibelwort gestellt.

Es hat sich mit dieser Haltung ein Fundamentalismus herausgebildet, der andere Meinungen, Kritik und Ermahnung der glaubenden Gemeinde unbeirrt ignoriert und teilweise mit autoritären Mitteln bekämpft. In folgenden sieben Feldern sieht Pfarrer Traub diesen „neuen“ liberalen Fundamentalismus, hier eine Zusammenfassung:

1.) Die Negierung des Sühneopfers Jesu

„Gott braucht keine Opfer – er ist ja ein Gott der Liebe.“ Damit wird zur leeren Religionsformel, was beim Abendmahl gesagt wird: „Christi Blut für dich vergossen.“

2.) Die Ablehnung der Evangelisation unter Juden

Damit verlässt die Kirche den Auftrag der Schrift, der in Römer 1, 16 festgelegt ist: „…die Juden zuerst und ebenso die Griechen.“

3.) Reden zur Lebenshilfe statt Auslegungspredigt

Das Wort Gottes ist nicht mehr das Rettungswort, sondern Lebenshilfewort. Dass Jesus Christus „von Gott gemacht ist zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung“ (1. Kor. 1, 30), das ist kaum mehr Gegenstand der Verkündigung.

4.) In sexualethischen Fragen wird Gottes Wort ausgehebelt

Ihm widersprechende Lebensweise wird als mögliche Schöpfungsvariante gehandelt. Was Gott strikt in seinem Wort verneint, wird eingesegnet, als sei Gottes Segen eine uns verfügbare Masse, über die wir selbst bestimmen könnten.

5.) In Nahost ist der Feind des Friedens der Staat Israel

Dass Gott selbst sein Volk als eigener „Augapfel“ in seinem Wort beschreibt, wird überhört, und man legt sich selber politisch einseitig fest. Auch wenn Christen sich niemals mit Krieg und Blutvergießen abfinden können und dürfen, kann dem Volk Israel nicht verboten sein, um sein Lebensrecht zu kämpfen.

6.) Synkretismus – alle Religionen ehren den einen Gott

„Ökumene Gottes“ – Jesus ist nicht mehr die einzigartige Wahrheit, ohne die niemand zu Gott kommen kann. Bereits kommt es seit längerer Zeit zu interreligiösen Feiern und zu Handreichungen dafür.

7.) Klerikalismus – Priestertum nicht aller Gläubigen

Der tragenden und sich Gottes Wort allein verpflichteten Mitarbeiterschaft im Ehrenamt, aber auch im Vollzeitdienst, mutet man Faustschlag um Faustschlag ins Gesicht zu, macht ihre Haltung nicht nur zur Außenseitermeinung, sondern tritt alle ihre Werte mit Füßen. Man verbietet ihnen Rederecht und Widerspruch. Und dies ist dabei das Neue: ohne Skrupel, mit vollem Bewusstsein.

Zum ganzen Vortrag bei Gemeindenetzwerk