Neuer Trend in Deutschland: Heidenspaß Halloween

Halloween-KuerbisWas haben uns die Amerikaner nicht alles Gutes gebracht: erst den Rock´n´Roll und dann den »Gangsta-Rap«, erst die Care-Pakete und dann das Big-Mac-Menu. Nun schickt sich die amerikanische »Light-Kultur« an, uns mit  einem neuen Phänomen  zu beglücken: Halloween.

Die deutsche Jugend ist auf dem »Horror-Trip«. Skelette und Totenköpfe erobern die Kinderzimmer. Früher schmückten im Herbst bunte Papierdrachen die Fenster. Heute sind es Hexen und Gespenster. Und die weltoffenen Eltern stellen sich eine leuchtende Kürbisfratze aus Plastik vor die Haustür. In einem hessischen Kindergarten wurde die Weihnachtsfeier in diesem Jahr kurzerhand durch ein Halloween-Fest ersetzt.

Der Tod geht um

Was zählt, ist der Spaßfaktor. Die Parties werden´ mit seltsamen Spielideen wie »Mumienwickeln«, »Leichenjagen« und »Der Tod geht um« aufgepeppt. Auch von vielen Wahrsagespielen gibt es mittlerweile eine vermeintlich niedliche Kindervariante.

Was in deutschen Landen, früher nur dem vom Heimweh geplagten amerikanischen Soldaten oder dem eingefleischter Horrorfan ein Begriff war, ist das Fest, der Stunde. Die Gier nach Grusel steigt; und steigt. Seit die Horror- und Mystery-Welle durchs Fernsehen rollt, gibt es offenbar kein Entrinnen mehr.

Für den Handel ist der neue Trend allemal lukrativ. Die »Fachgruppe Karneval« im Deutschen Verband der Spielwarenindinstrie verkündet bereits zehn Millionen Mark HalIoween-Umsatz im letzten Jahr. »Pappnasen sind out, Hakennasen in«, stellt die Tageszeitung »Die Welt« fest.

Hunger auf Gänsehaut

Auf der Burg Frankenstein (nahe Darmstadt) versteht man es besonders gut, den Trend in bare Münze umzusetzen. Zwei Wochen lang feierte man auf der Burg ein, gigantisches Halloween-Festival, das größte Europas, wie die Veranstalter beteuern. Überall in der unheimlichen Kulisse warten finstere Gesellen auf die gänsehautsüchtigen Besucher. Es gibt Musik, Filme und was das partyhungrige Volk sonst noch so braucht.

Auch der selbsternannte Kultsender SWR3 hat Halloween längst für sich entdeckt. Hier hatte man sich den Europapark Rust zum Schauplatz der Gruselparty erkoren. Und für den Tanz im heimischen Folterkeller bietet die deutsche Phonoindustrie CDs wie »Halloween. Die spektakuläre Party-Collection«, »Monster Rock« oder »Schlachthaus bei Vollmond«.

Zu Verdanken haben wir den Halloween-Trend unseren transatlantischen Freunden. Seinen Ursprung hat das Fest aber in Irland. Weite Bestandteile der mit Halloween verbundenen Bräuche gehen auf eine Zeremonie keltischer Druiden zurück: Die Kelten hatten Feiern für zwei Hauptgottheiten – den Sonnengott und den Totengott (Samhain).

Zu Beginn eines neuen keltischen Jahres am 1. November wurde Samhain gefeiert, der nach dem alten Glauben am letzten Tag des keltischen Jahres (31. Oktober) den Seelen derer, die im vergangenen Jahr gestorben waren, erlaubte, nach Hause zurückzukehren.

Um sich vor den Geistern der Toten, Hexen und Dämonen zu schützen, zündeten die Druiden große Feuer mit Getreideopfern an, um die Seelen der Verstorbenen zu beschwichtigen.

Die Bräuche der Kelten

Dabei wurden mitunter auch Menschenopfer gebracht. Außerdem verkleidete man sich mit Tierfellen und Tierköpfen, um die Geister zu erschrecken. Vor den Häusern wurden kleine Gaben (»treats«) aufgestellt, die die Geister besänftigen und sie von Untaten abhalten sollten; später ging man dazu über, Gesichter in Rüben zu schnitzen, um die Geister glauben zu machen, an diesem Ort hause bereits eine verdammte Seele.

Nach der Unterwerfung der Kelten durch die Römer wurden die Zeremonien weitgehend beibehalten, obwohl den neuen Machthabern diese Bräuche fremd waren. Papst Gregor IV. schließlich beschloß im 9. Jahrhundert nach Christus, die Bräuche der Kelten zu »christianisieren«, anstatt sie unter großem Widerstand abschaffen zu lassen, und ordnete an, dass der 1. November von der Christenheit als »Tag aller Heiligen« gefeiert werden sollte, der wiederum seine Ursprünge bereits im 4. Jahrhundert n. Chr. hat.

Der Kult mit dem Kult

Von diesem Feiertag leitet sich auch der Name des Festtages ab: »Allerheiligen« heißt im Englischen »All Hallows«, der Abend davor »All Hallows Eve(ening)«. Im Laufe der Zeit wurde dies verkürzt zum heutigen »Halloween«. Während der großen Hungersnot 1845 – 1850 in Irland wanderten hunderttausende Iren nach Amerika aus und brachten den Brauch von Halloween mit in die neue Welt. Auch heute noch werden – vor allem in Amerika, Frankreich und Irland – bei den Halloweenfeiern die alten Riten im Kern beibehalten. Der eigentliche spirituelle Hintergrund wird dabei nicht mehr wahrgenommen: Die Kinder verkleiden sich als Geister oder andere Schauergestalten und ziehen von Haus zu Haus, um eine Gabe zu erbitten, andernfalls wird das Opfer »heimgesucht«; die Kürbislaterne leuchtet dabei den Weg.

Hexen und Kobolde

Der verwobenen Geschichte beider Feste zum Trotz: Die meisten katholischen Kirchenvertreter wollen mit Halloween nichts zu schaffen haben. Am Vorabend des würdigen Allerheiligenfestes, so ihre Meinung, sei kein Platz für Hexen, Gespenster und Kobolde. Die katholische Kirche Guatemalas hat gegen das unheimliche Treiben ebenso protestiert wie die schwedische Akademie für Sprache und Brauchtum und der Erzbischof von Mailand. In Frankreich rief die Kirche zu einer Demonstration gegen die Nachtgeschöpfe auf. Nur Bruder Gabriele Amorth, hauptberuflicher Exorzist in Rom, bleibt angesichts von Hexen und Geistern seltsam gelassen. Der 75jährige habe schon 50.000 Teufelsaustreibungen vorgenommen, sagte er in einem Interview. Er spreche außerdem jeden Tag mit dem Teufel. »Ich rede auf Latein. Er antwortet auf Italienisch«, erzählt Amorth. Deshalb sollten die Leute ruhig ihren Spaß haben.

Ganz so entspannt kann Jörg Kühn, Redakteur in der Fernsehabteilung des Evangeliums-Rundfunks (ERF), die Angelegenheit nicht sehen. Er hat sich in Vorbereitung einer ERF-Sendung zum Thema intensiv mit Halloween auseinandergesetzt. »Mir ist das Lachen vergangen«, sagt er, »als ich herausfand, dass nicht nur die Druiden damals Menschenopfer gebracht haben, sondern dass es auch heute noch in den Vereinigten Staaten Satanisten gibt, die zu Halloween Kinder entführen und in teuflischen Ritualen ermorden.« Die Reaktionen auf die Sendung zeigen die Brisanz des Themas.

Fast 200 Zuschauer, mehr als bei jeder anderen ERF-Sendung, griffen nach der Ausstrahlung zum Telefonhörer oder schrieben eine eMail. Darunter auch richtige Hexen.

Die Diskussion darüber, ob Halloween, nur ein harmloser Gruselspaß ist, oder ob hinter schaurig-schöner Maskerade der Okkultismus salonfähig gemacht wird, wird uns in den nächsten Jahren wohl nicht erspart bleiben. Und – sie ist wohl auch nötig.

Pro, Christliches Medienmagazin, 4/200 // Bild: Pixabay