Die «Kinder» von Tschernobyl

Tschernobyl

Am 26. April 1986 ereignete sich im sowjetischen Atomkraftwerk Tschernobyl der schwerste Unfall in der Geschichte der zivilen Nutzung der Atomenergie.

27 Jahre nach der Explosion des 4.Reaktorblockes im Kernkraftwerk Tschernobyl steht der Reaktor als bedrohliche Atomruine wie ein Mahnmal für Generationen inmitten einer riesigen Anlage, die einst der Stolz der damaligen Sowjetrepublik Ukraine war. Der beschädigte Sarkophag ist eine tickende Zeitbombe. Im Kernkraftwerk arbeiten heute 3470 Personen. Sie überwachen die Anlage und entsorgen die Brennstoffe aus den stillgelegten Reaktoren. Sie arbeiten unter Lebensgefahr.

Die Folgen

Niemand weiss, wie viele Menschen heute an den Folgen dieser Katastrophe leiden. «Der Krebs ist jünger geworden», meint Ljuda, die selber gerade einen bösartigen Tumor aus der Gebärmutter entfernen lassen musste. Bei jungen Mädchen werden heute schon Brustkrebs und Gebärmutterhalskrebs diagnostiziert. Die Krebsstatistiken steigen sprunghaft an. Die Onkologiezentren sind immer überfüllt. Das Immunsystem ist geschwächt. Der heutige Direktor des stillgelegten Kernkraftwerkes meint: «Die Kinder von Tschernobyl zeigen der Welt, wohin menschliche Fehler in der Hochtechnologie führen.»

Allein mit Gottes Hilfe

Tanja war im Kraftwerk leitende Lageristin. Deswegen durfte sie erst als eine der Letzten die Station verlassen. In jener Schicksalsnacht meinten die Arbeiter, es sei ein gewöhnlicher Brand ausgebrochen. Mit dem letzten Bus fuhren Tanja und ihre Familien aus Tschernobyl weg. Nach zwei Monaten starb ihr Mann. Tanja litt unter Schwächeanfällen. Sie fragte die Ärzte nach ihrer Diagnose. Eine Antwort erhielt sie nie. Sie musste zusehen, wie ihr Mann und ihre Freunde nacheinander starben. Tanja störte auch ihre unheilbare Wunde auf der Nase sehr. Eines Tages kam sie zufällig an einem Taufgottesdienst in der Nähe von Kiew vorbei und hörte die Predigt mit. Das Wort traf sie. Spontan vertraute sie ihr Leben Jesus an. Heute ist sie überzeugt, dass sie nur durch Gottes Gnade noch am Leben ist. Ihre Wunde auf der Nase ist geheilt – Gott hat ein Wunder getan. Leber-, Magen- und Nierenschmerzen sind aber ihre ständigen Begleiter.

Swetlana besucht regelmässig ein Heim für Tschernobylkranke. Dort begegnete sie einem Mann, der sehr agressiv gegen sie war. Er sass im Rollstuhl und versuchte sie zu attackieren. Er störte die Gottesdienste und wies auch die kleinen Lebensmittelpakete zurück, die sie den Bewohnern brachte. Vor einem Monat sprach dieser Mann Swetlana ganz unerwartet an. Viktor war 22 Jahre alt und arbeitete als Liquidator in Tschernobyl. Später heiratete er. Dem jungen Ehepaar wurden zwei Kinder geboren. Gesundheitlich ging es ihm immer schlechter. Beide Beine mussten amputiert werden. Aus irgendwelchen Gründen wurde ihm nur eine Teilrente ausbezahlt. Damit konnte seine vierköpfige Familie nicht leben. Für den jungen Familienvater eine Katastrophe. Um das Haushaltbudget zu entlasten, entschied er sich, in dieses Heim zu gehen. Beim Erzählen füllten sich seine Augen mit Tränen. Swetlana glaubt, dass Gottes Liebe bald sein verbittertes Herz verändern wird.

Der sichere Faktor

Der neue Mantel um den Sarkophag kostet rund 5’000’000 Euro und soll für die nächsten 100 Jahre «sicher» sein. Damit sind die menschlichen Folgen nicht gelöst. Allein der Glaube an den lebendigen Gott ist der sichere Faktor für die von Tschernobyl geplagten Menschen. «In allen Umständen hoffen wir nur auf Gott», meinte Ljuda. Das allein ist Sicherheit für die Kinder von Tschernobyl.

– Quelle: lio.ch // Bild: Tschernobyl