Die Neuapostolische Kirche – Brauchen wir neue Apostel?

Stammapostel-NAK

Diese um 1860 aus der katholisch-apostolischen Gemeinde hervorgegangene Sekte rühmt sich, die »wahre Kirche« zu sein. Sie nennt sich die »Vollendung des von Jesus und seinen Aposteln begonnenen Erlösungswerkes, die wiederaufgerichtete Urkirche Christi in der Endzeit«. Sie behauptet, den Menschen das volle Heil allein vermitteln zu können, weil nur sie Apostel hatte, ohne die niemand den Heiligen Geist bekommen könne.

Diese »Apostel« unter Führung eines »Stammapostels« stehend, seien »die einzige Brücke zu Gott«, wird gelehrt. Zu Taufe und Abendmahl hat sie ein drittes Sakrament hinzugefügt, die »Versiegelung«, angeblich »die höchste sakramentale Gnadentat, deren ein Mensch teilhaftig werden kann«. Mit diesem »Sakrament« will sie sogar in die Welt der Abgeschiedenen hineinwirken und Tote »versiegeln«.

Die Lehre der Neuapostolischen Kirche

Wir haben keinerlei Anhaltspunkte in der Heiligen Schrift dafür, dass das Apostelamt ein dauerndes Amt in der Kirche unseres Herrn Jesus Christus sein sollte. »Apostel« – im engeren Sinn – waren nur die Jünger von Jesus Christus. Dazu kam der nach dem Tode von Judas hinzugewählte Matthias. Jakobus, der Bruder des Herrn, und Paulus können auch dazu genannt werden. Denn sie alle waren Augenzeugen des leibhaftig auferstandenen Herrn. (1. Korinther 15, 1; Apostelgeschichte 1, 21–26) Paulus erlebte eine besondere Christusoffenbarung. (Apostelgeschichte 9; 1. Korinther 9, 1)

Wo das Wort »Apostel« im griechischen Neuen Testament sonst noch vorkommt – beispielsweise in Römer 16, 7 – hat es seine ursprüngliche allgemeine Bedeutung: Bote, Botschafter von Jesus Christus = Missionar, wie Luther es in 2. Korinther 8, 23 richtig verstanden und übersetzt hat. Keiner von den heutigen neuapostolischen »Aposteln« aber kann behaupten, dem Auferstandenen leibhaftig begegnet zu sein! Also hat auch niemand von ihnen das Recht, sich mit Petrus, Johannes, Paulus und den anderen Aposteln auf eine Stufe zu stellen!

Niemals haben die Apostel der Urkirche behauptet, eine Vollmacht zu besitzen, wie sie die heutigen »Apostel« für sich in Anspruch nehmen!

Was sagt die Bibel zur Lehre der Neuapostolischen Kirche?

• So lehrt die Neuapostolische Kirche

»Mein Name steht im Buche des Lebens geschrieben. Wer hat ihn hineingeschrieben? Wir, die Apostel!«

– »Christi Jugend« 1949, Nr. 19, S. 148

• Das bezeugt die Bibel:

Es »ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, darin wir sollen selig werden (als der Name Jesus Christus)!«

– Apostelgeschichte 4, 12

• So lehrt die Neuapostolische Kirche

Die Apostel haben »Macht, von den Sünden uns zu waschen!«

– »Neuapostolisches Gesangbuch« von 1921, Lied 545

• Das bezeugt die Bibel:

»Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus.«

– 1. Timotheus 2, 5

• So lehrt die Neuapostolische Kirche

»Das Licht des Heiligen Geistes leuchtete und leuchtet heute nach in dem und durch das Apostelamt. In ihm liegt das Vollmaß göttlicher Erkenntnis, das Vollmaß göttlicher Liebe und Gnade, das Vollmaß göttlicher Weisheit und göttlicher Kraft.«

– »Brot des Lebens« 1949, Nr. 9, S. 66

• Das bezeugt die Bibel:

»Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott gemacht ist zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung, damit, wie geschrieben steht (Jeremia 9, 22f.): ´Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn!´«

– 1. Korinther 1, 30f.

Das Amt des »Stammapostels«

Das Amt des »Stammapostels« hat keinen Grund in der Heiligen Schrift! Gewiss hatte Petrus ein besonderes Ansehen unter den anderen Aposteln. Und doch hat er niemals ein autokratisches Regiment in der Urchristenheit geführt, sondern seine Autorität mit anderen geteilt (siehe z. B. Apostelgeschichte 15). Von einem Nachfolger hat er niemals gesprochen!

Zur Zeit des »Stammapostels« Bahnmeister Krebs (1895-1905) aber fand sich im neuen apostolischen Gesangbuch der Vers:

»Ja, nirgends auf dem Erdenrund fühlte ich so frei mich von Beschwerde, als an der Brust von Vater Krebs. Das war mein Himmel auf der Erde.«

Das steht zwar heute nicht mehr in ihrem Gesangbuch, doch spricht im Grunde derselbe Geist aus den Worten des verstorbenen »Stammapostels« Bischoff, die er auf einer neuapostolischen Ämterversammlung in Zürich 1949 sagte:

»Als Jesus damals im Tempel war, ließ er sich die Schrift des Alten Bundes geben und las die Stelle vor: »Der Geist des Herrn ist über mir, darum, dass mich der Herr gesalbt hat … Dann sagte er (Jesus Christus): Diese Schrift ist heute vor euren Augen erfüllt. So kann auch ich (Bischoff) heute sagen: Dieses vor gelesene Schriftwort ist heute vor euren Augen erfüllt.«

– Nach »lch sende euch« 1949, Nr. 19, S. 77

Wir fragen: Nimmt man hier nicht dem Herrn die Ehre, die ihm allein gebührt?

Die Lehre von der »Versiegelung« ist unbiblisch und darum Irrlehre!

Wenn die Bibel von »Versiegelung« redet, dann meint sie »Bekräftigung«, »Bestätigung«, »Beglaubigung« der empfangenen Gottesgnade. Manchmal ist es verbunden mit einem äußeren Zeichen. (Römer 4, 11; 1. Korinther 9, 2; 2. Timotheus 2, 19) Aber wir haben kein Recht, daraus ein Sakrament zu machen und es neben oder – wie bei den Neuapostolischen – gar über Taufe und Abendmahl zu stellen! Das sind von Jesus Christus selbst eingesetzte Zeichen seiner Gnade. Er hat aber niemals befohlen, mit einer besonderen Handlung zu »versiegeln«.

Die neuapostolische Lehre vom Heiligen Geist ist unbiblisch und darum Irrlehre!

Nirgends in der Bibel steht geschrieben, dass nur Apostel den Heiligen Geist vermitteln könnten. Dieser ist Gottes freie Gnadengabe, die nicht an ein Amt gebunden werden kann! Darum sagt der Herr:

»Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist.«

– Johannes 3, 8

Der Apostel Petrus redet zu Pfingsten weder von »Handauflegung« durch Apostel noch von »Versiegelung«, sondern sagt:

»Petrus sprach zu ihnen: Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des heiligen Geistes.«

– Apostelgeschichte 2, 38

Paulus aber empfing den Heiligen Geist durch den Dienst eines Mannes, der kein Apostel war: Ananias! (Apostelgeschichte 9, 17) So erkennen wir: Der Anspruch der neuapostolischen »Apostel«, allein Mittler des Heiligen Geistes zu sein, ist eine schriftwidrige Anmaßung!

Die Lehre von der »Versiegelung« der Toten ist unbiblisch und darum Irrlehre!

Der Herr über Lebende und Tote ist allein Jesus Christus. Unsere Toten sind in seiner Hand. Die Bibel gibt uns keinen Hinweis, dass Jesus Christus diese seine Macht in Menschenhände gelegt hätte. Mancher ist freilich in Sorge um das Seelenheil seiner Verstorbenen.

Diese innere Not haben die Neuapostolischen immer wieder zu ihren Gunsten ausgenutzt. Lassen wir uns aber nicht täuschen! Wir ändern nichts am Geschick unserer Taten, wenn wir auf unbiblische, dem Spiritismus nahekommende Lehren vertrauen! Wenn unsere Toten – und sei es im letzten Augenblick – ihr Herz dem Herrn Jesus zugewandt haben, gehören sie ihm an. Wenn sie sich aber gegen ihn entschieden haben, können selbst richtige Apostel nichts daran ändern. Alles andere müssen wir Gottes unerforschlichem Rat überlassen.

Die neuapostolische Lehre von Schrift und Offenbarung ist Schwärmerei!

Sie behaupten zwar, dass »die von Jesus und seinen Aposteln verkündete Lehre, von der die Bibel berichtet, auch in der neuapostolischen Kirche die Grundlage des Glaubens sei. In Wirklichkeit steht aber bei ihnen neben der Heiligen Schrift, ja oft noch höher bewertet als diese, das Wort der lebenden »Apostel«.

Die »Neuapostolischen« sagen:

Die Bibel »ist nicht das einzige Fundament des Glaubens …«

– Neuapostolisches Lehrbuch« Frage 614

Für die Gegenwart soll vor allem das Wort der heutigen Apostel gelten.

»Die von Jesus gesandten Apostel sind Botschafter an Christi Statt. Durch diese redet der Geist Gottes zu uns, und wohl dem, der hört und beherzigt, was der Geist Gottes der Gemeinde sagt. Auf diese Gottesworte können wir bauen wie Felsen.«

– Brot des Lebens – 1949, Nr. 5, S. 34

Folgerungen

Die »Apostel« sind für die »Neuapostolischen« Mittler neuer Offenbarungen. So tritt neben das Wort der Schrift eine zweite Offenbarungsquelle. Damit scheiden sich die »Neuapostolischen« von der Reformation:

• Allein die Heilige Schrift
und setzen dafür: Bibel und Apostelwort

• Allein Christus
und setzen dafür: Christus und Apostelamt

• Allein der Glaube
und setzen dafür: Glaube und »Versiegelung«

Die »Neuapostolischen« stellen sich damit auf die Seite der Schwärmer, die sich auch nicht mit der Bibel als einziger Quelle der Offenbarung begnügen wollten.

»Offenbarungen«

Wie es aber in Wirklichkeit um die »Offenbarungen« der sogenannten »Apostel« bestellt ist, hat sich im Juli 1960 gezeigt. Der »Stammapostel« Bischoff hatte 1951 erklärt, dass er nicht sterben, sondern dem bald wiederkommenden Herrn Christus die »Brautgemeinde« zuführen werde. »lch bin der Letzte, nach mir kommt keiner mehr. So steht´s im Ratschluss Gottes, so ist es festgelegt, und so wird es der Herr bestätigen.« Das gab der »Stammapostel« als eine persönliche Offenbarung von Jesus Christus an ihn aus.

Das zu glauben und zu erwarten verpflichtete er seine Gemeindeglieder bei ihrer Seelen Seligkeit und unter Verdammung aller, die daran zweifelten. Alle, die sich der Autokratie und Vermessenheit des »Stammapostels« widersetzen, wurden ausgeschlossen. Es kam zu mehreren Abspaltungen und zur Bildung oppositioneller Vereinigungen.

Und dann starb der »Stammapostel« J. G. Bischoff am 6. Juli 1960 und hinterließ die Seinen in Bestürzung und Verwirrung. Aber schnell fasste man sich wieder, und die Leitung der Neuapostolischen redete sich mit der wohl schon vorher erdachten Ausrede heraus: Gott habe eben seinen Plan geändert. Also nicht die Leitung der Neuapastolischen, sondern Gott selber sollte nun schuld haben an dem erlittenen Fiasko!

Urteile selbst! Sollten das wirklich von dem Herrn Christus berufene Apostel sein?

Lasst Euch nicht irre machen von denen, die durch solche falschen Prophezeiungen und ihre Vermessenheit eindeutig ihren Kredit verspielt haben! Prüft an Gottes Wort die Lehren und Behauptungen der Sekten und vergleicht damit, was die Bibel lehrt!

Wir brauchen keine »neuen Apostel«!

»Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.«

– Apostelgeschichte 2, 42

Lasst uns der Gemeinde unseres Herrn Jesus Christus die Treue halten. Sie gründet sich auf die Lehre der »wahren Apostel«. Darum kennt sie nur einen Herrn, nur einen Mittler zwischen Gott und Mensch, nur einen, der uns von der Gewalt der Sünde und des Todes befreien kann:

Jesus Christus!

 

Literatur:
Pastor Günther Siedenschnur, in Verlag »Kirche und Mann«, Gütersloh

Bild: Nucomu / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)