Die Notwendigkeit der Buße und Reue

Selbstprüfung

»Ich sehe bei einigen und insbesondere bei evangelikalen Christen die Gefahr, die Lehre von der Erlösung zu missbrauchen – die großen Lehren der Rechtfertigung aus Glauben allein und der Heilsgewissheit – und als Folge dessen nicht mehr wahrnehmen zu können, was Sünde in den Augen Gottes und für ein Kind Gottes tatsächlich bedeutet. Immer häufiger begegnet man der Ansicht, die Buße spiele im Leben eines Christen keine Rolle. Warum das so ist, weiß ich nicht. Es gibt Leute, die halten es offenbar für falsch, von Buße und Reue zu reden. Sie glauben, in dem Augenblick, in dem sie ihre Sünden erkennen und „unter das Blut“ stellen, sei alles wieder in Ordnung. Wer lange über seine Schuld nachdenke und sich selbst anklage, beweise nur, dass es ihm an Glauben fehle. Sobald er „auf Jesus” schaue, sei alles gut. Schnell und leicht heilen wir uns selbst, und das ist unsere Krankheit. lch möchte sogar behaupten, dass bei vielen von uns das Problem gerade darin besteht, dass wir geistlich viel zu „gesund“ sind. Damit meine ich, dass wir zu glatt, zu oberflächlich sind. Wir geben uns keine Mühe mehr. Wir stehen, anders als der Psalmist in diesen beiden Versen (Ps 73:21-22), in viel zu gutem Einvernehmen mit uns selbst. Wir sind so ganz anders als die Menschen, von denen uns in der Bibel berichtet wird.«

– D. Martyn Lloyd-Jones, Schritt für Schritt, S.82