Die Sünde des Atheismus

„Der Narr spricht in seinem Herzen: ,Es gibt keinen Gott!’“ (Ps 14,1a)

Der Atheismus und die Lästerung greifen uns am meisten an. Der Atheismus ist die größte aller Sünden, weil er die Wurzel jeder Sünde ist. In Wahrheit rührt jede Sünde vom Atheismus her. Wer würde denn sündigen, wenn er wirklich glauben würde, dass es einen Gott gibt, der alles sieht und straft (und Gott muss solch ein Gott sein, sonst wäre er nicht Gott)?

Auch neigt jede Sünde zum Atheismus (denn wenn wir gesündigt haben, dann zieht uns die Sünde sehr zur Leugnung Gottes und löscht jeden Gedanken an einen Gott aus, soweit sie es vermag). Und wenn wir in Sünde sind, müssen wir entweder willens sein, durch Buße aus ihr herauszukommen, oder wir sollten bereit sein, zu Atheisten zu werden. Dann ist es unser liebstes Spiel, uns mit der Einbildung zu nähren, dass alles nur Geschwätz ist, um den Menschen in Angst zu halten, und dass es in Wirklichkeit weder Himmel noch Hölle gibt und keinen Ort der Qual; dass alles vorbei ist, wenn wir sterben; dass wir dem Vieh nichts voraushaben.

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Wenn also das Gewissen nicht dadurch ruhig wird, dass es sich mit Buße Gott zuwendet, dann versucht es, sich selbst zu beruhigen, indem es zum Unglauben greift, dass es keinen solchen Ort wie die Hölle gibt, in der die Menschen gepeinigt werden. Bedenken Sie aber, dass Satan alles ihm Mögliche unternimmt, um Menschen zu Atheisten zu machen, denn wenn es bei ihnen keine Furcht Gottes gibt, werden sie alle Arten von Sünden begehen, die der Teufel ihnen eingibt. So heißt es in Psalm 14: „Der Narr spricht in seinem Herzen: ,Es gibt keinen Gott! ‚“ Und was folgt dann? „Sie handeln verderblich“, ihr Tun ist abscheulich.

Wenn also ein Mensch erst zum Atheisten geworden ist, dann handelt er verderblich und verübt die abscheulichsten Taten. Es gibt dann kein Hemmnis zur Sünde mehr, denn was sollte den Sinn und Willen eines Menschen aufhalten, wenn er meint, dass es nicht so etwas wie einen Gott gibt? Der Teufel kann kein entschiedener Atheist sein, denn er glaubt und zittert (s. Jak 2,19). Und ist es auch nichts als das Spüren des Zornes des schrecklichen Gottes, so ist dies doch Beweis genug, dass Satan vollkommen und unzweifelhaft eine göttliche Macht anerkennt. Er ist kein Atheist, weil er es nicht sein kann und nicht sein soll. Und doch ist ihm der Atheismus sehr lieb, denn diese Sünde ist für sein Reich äußerst nützlich.

– Richard Capel, in „Die englischen Puritaner“, S.45