Drei Gedanken zu sterbenden Gemeinden

Gruppe

„Werde wach und stärke das Übrige, das im Begriff steht zu sterben.“ – Offenbarung 3:2

Was ist der richtige Weg, eine sterbende Gemeinde wiederzubeleben oder eine neue Gemeinde zu gründen? Wenn man unter Christen fragt, kommt oft die Gegenfrage: „Was ist einfacher, ein Baby zu gebären oder Tote aufzuerwecken?“

Erfahrungstechnisch wie statistisch gesehen ist die Antwort offensichtlich. Und so liegen immer mehr Gemeinden im Sterben, gleichzeitig entstehen immer mehr „Gemeindegründungsgrüppchen“, wenn ich sie so nennen darf. Im Ergebnis wächst zwar die Zahl der Gemeinden insgesamt, allerdings sind sie alle so klein und schwach, dass man sich die Frage stellen muss, wie lange man noch bzw. ab wann man sich eigentlich „Gemeinde“ nennen darf. Hat die sterbende Gemeinde keine Prediger, Lehrer und Evangelisten mehr, ist sie dann noch „Gemeinde“? Hat die „Gemeinde in Gründung“ noch keine Ältesten und Mitarbeiter, ist sie dann tatsächlich schon „Gemeinde“ im Sinne des biblischen Begriffs?

Aus eigener, z.T. schmerzhafter Erfahrung heraus versucht der Schreiber hier drei Punkte zum Thema zu teilen, vielleicht trifft es ja die Situation des Lesers. Als Missionare suchen wir die Zusammenarbeit mit (noch) bestehenden Gemeinden, durchleben gleichzeitig aber auch die eigene Arbeit hin zur Gründung einer neuen Gemeinde. Was ist zu beachten, was ist der richtige Weg? Nun also einige Gedanken aus schlaflosen Nächten.

1. Erweckung geschieht von innen, nicht von außen

Wenn ein Missionar oder Pastor von außen in eine sterbende Gemeinde kommt mit der Absicht und der Hoffnung, die Gemeinde wieder „erwecken“ zu können, dann sollte allen klar sein, dass das aus eigener Kraft gar nicht möglich ist. Es wäre Gnade Gottes, und sicher gibt es das. Gott gebraucht die bibeltreue Predigt und erhört Gebete. Und so kann der Missionar predigen und reden, auch beten, aber mehr kann er nicht tun. Was aber, wenn sich in der Gemeinde trotzdem nichts ändert? Was, wenn dennoch die Außenstehenden fern und die Mitglieder lauwarm bleiben? Was kann der Missionar dann tun? Die einfache Antwort ist: Nichts, die Gemeinde wird sterben.

Wer von außen – vielleicht mit großer Hoffnung – in eine sterbende Gemeinde kommt, der sollte sich zuallererst fragen, warum sie eigentlich stirbt. Kommen die Ältesten in die Gebetsstunde? Gibt es Streit unter den Mitgliedern, der beigelegt werden muss? Sind die Ältesten fähig, zu lehren, erfüllen sie überhaupt die Kriterien eines Ältesten? Sind die Christen in der Gemeinde bereit für Korrektur und Nachfolge? Haben sie Sündenerkenntnis und Demut? Gibt es vielleicht Verletzungen aus der Vergangenheit, wie sieht es in den Herzen der Menschen aus? Gibt es eine echte und offenherzige Gemeinschaft der Gläubigen? Letztlich sind das alles Fragen, die in der Verantwortung der bestehenden Gemeinde(-leitung) liegen und biblisch geklärt werden müssen.

Wie aber, wenn das gar nicht gewollt ist? Was, wenn die Ältesten fleischlich und die Herzen der Mitglieder verhärtet sind? Der Versuch des Missionars, hier Antworten zu liefern und Veränderung zu bewirken, endet oft in Manipulation, Diplomatie und offenem Kampf.

2. Erweckung geschieht von ganz innen, aus dem Herzen

Wir haben keine Statistik, aber ist es nicht oft so in den Gemeinden, dass im Streit der „Klügere nachgibt“ und geht, die Törichten aber bleiben, weil sie in ihrer Torheit ihre eigenen, fleischlichen Machtansprüche durchsetzen? Und dann? Gibt es dann noch Hoffnung wenn wir wissen, dass Gott nur dem Demütigen Gnade schenkt?

Ich fürchte, es ist in vielen Fällen noch viel schlimmer. Nach der Bibel kommen früher oder später „Wölfe im Schafspelz“ in die Gemeinde, das ist auf geistlicher Ebene ein so sicheres Prinzip wie das Gravitationsgesetz auf physikalischer. Kann es sein, dass in einer sterbenden Gemeinde solche „Wölfe“ schon längst angekommen sind? Ist es vielleicht so, dass die „Klügeren“ die biblischen Gebote von „Demut“ und „Liebe“ falsch verstanden haben und dem Streit aus dem Weg gegangen sind, obwohl es geboten gewesen wäre, im Dienst für Gott und die Christen Gemeindezucht zu praktizieren? Und soll dem Missionar nun auferlegt werden, nachträglich diesen Fehler zu korrigieren? Soll der Missionar – im Dienst für die Gemeinde – bestehende Älteste, die schlicht keine Ältesten sein sollten, nun aus dem Amt jagen? Gibt es dafür einen biblischen Weg?

Es bleibt wohl nur die Hoffnung, dass Gott das Herz der Wölfe verändert und Schafe aus ihnen macht. Die Hoffnung auf das Wunder, dass Gott die Hochmütigen demütigt und ihre Herzen verändert. Und das kann kein Missionar bewirken. Aber er kann predigen.

3. Der Glaube kommt aus der Predigt

… und die Predigt durch das Wort Gottes. (Röm 10:17) Das ist, was uns am Ende bleibt. Wir dürfen immer wieder säen, manchmal sogar ernten. Denken wir aber auch an den vierfachen Acker, an den reichen Jüngling, an die törichten Jungfrauen, an die große Ablehnung, die Jesus selbst erfahren hat. Der Glaube kommt aus der Predigt und verändert die Herzen. Nur so gibt es Erweckung, doch nicht immer und überall.

Was folgt daraus? Wir dürfen predigen und betend auf Gottes Gnade hoffen. Bedenken wir nur, dass wir keinen Anspruch auf Gnade haben. Wir können uns Gnade und Erweckung nicht verdienen, indem wir „gut genug“ predigen, „lange genug“ beten und „stark genug“ glauben. Auch die Jünger und die Apostel waren in Häusern und Gegenden, in denen sich niemand bekehrt hat. Was haben sie dann getan? Sie sind weitergezogen.

Das Fazit? „Stärke das Schwache“ wird am ehesten auf solche Gemeinden anzuwenden sein, die sich als schwach erkannt haben und sich tatsächlich stärken lassen wollen. Hier dürfen wir predigen und Zeit investieren. In allen anderen Fällen wird es wohl besser – und auch gottgefälliger – sein, die „Gemeinde“ sterben zu lassen, so hart das auch klingt.

Zusammenfassend drei Fragen, die vielleicht helfen:

1. Gibt es eine geistliche Leitung in der Gemeinde?
2. Gibt es demütige Herzen in der Gemeinde?
3. Gibt es eine Reaktion auf bibeltreue Predigten?

 

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