Ebertshäuser, Die Pfingst- und Charismatische Bewegung

Pingst und Charismatische Bewegung4.5.indd„Die Pfingst- und Charismatische Bewegung. Eine biblische Orientierung“ von Rudolf Ebertshäuser, Edition Nehemia. Eine Buchbesprechung von Pfarrer Dr. Tobias Eißler.

Der Klappentext informiert darüber, dass der Autor selbst Mitglied einer charismatischen Gemeinde gewesen ist, sich dann aber von der charismatischen Bewegung gelöst hat. In mehreren Veröffentlichungen hat er sich kritisch mit der Charismatik auseinandergesetzt. Weil die charismatische Bewegung eine einflussreiche Bewegung weltweit und in Deutschland ist und insbesondere jüngere Christen, die wenig über sie wissen, mit ihr in Berührung kommen und oft fasziniert oder befremdet von ihr sind, müsste die Beschäftigung mit dem Phänomen wohl zur Bildungsarbeit jeder Kirchengemeinde gehören. Ob das 200-Seiten-Taschenbuch von Ebertshäuser nicht einen hilfreichen Beitrag dazu leisten kann? Seine kritische Betrachtungsweise kommt sachlich daher, ist in einem knappen, guten Stil vorgetragen und lässt Bibelstellen unter einem Aspekt aufleuchten, den man bisher nicht unbedingt so gesehen hat.

Einige der Thesen und Argumente von Rudolf Ebertshäuser werden im folgenden nach Kapitelüberschriften geordnet skizziert. Ich füge jeweils einen Kommentar an, aus dem ersichtlich wird, dass ich als Leser des Buches dem Theologen Ebertshäuser nicht in allem zustimme. So manches wäre noch einmal zu prüfen und zu überdenken. Ich meine allerdings, dass das Buch Stoff für eine Diskussion enthält, die wir gerade heute führen müssen.

A. Die Pfingst- und Charismatische Bewegung – endzeitliche Erweckung oder endzeitliche Verführung?

Ebertshäuser erklärt, dass für diese Bewegung die Erwartung einer großen Erweckung in der Endzeit typisch ist. Die Endzeitreden Jesu stellen jedoch einen Zukunftshorizont vor, der für eine letzte Phase der Kirchengeschichte zunehmende Verwirrung und Verführung zeigt. In Mt 7,15 warnt Jesus vor solchen, die von seinem Namen ausgiebig Gebrauch machen, sich durch Weissagungen, Dämonenaustreibungen und Wundertaten (!) hervortun, jedoch den Willen Gottes und das Reich Gottes verfehlen. Von einem zunehmenden Einfluss von Irrlehre und einem Pseudochristentum in den letzten Zeiten sprechen die apostolischen Briefe 2.Thess, 1./2. Tim, 2.Petr.

Kommentar: Von diesen letztgenannten, eher selten ausgelegten biblischen Büchern her stellt sich in der Tat die Frage, ob die Prophetie schwieriger Zeiten nicht leicht durch Prophetien menschlicher Herkunft von besonders gesegneten Zeiten überlagert werden könnte. Ist es nicht auffallend, dass manche Mitchristen und Prediger eigentlich immer nur von zu erwartenden neuen Erweckungen und Aufbrüchen sprechen, aber kaum einmal von der verlässlich angekündigten Unterwanderung der Christenheit durch den Geist des Antichrists?

B. Lehrt die Bibel eine pfingstlerische „Geistestaufe“?

In der charismatischen Bewegung ist oft von einer Geistestaufe die Rede, die auf die Wassertaufe folgen müsse. Ebertshäuser hält dies für einen Irrtum. Nach Eph 2,13 und 1.Kor 12,13 wird der Geist dem Menschen geschenkt, der zum Glauben kommt und in die Gemeinde als den Leib Christi hineingetauft wird. Wassertaufe und Geistestaufe gehören in der apostolischen Lehre zusammen. Das ist auch bei den Jüngern so, von denen Apg 19 spricht, die den Geist deswegen noch nicht empfangen hatten, weil sie die Jesusbotschaft noch nicht vernommen hatten. Ebertshäuser weist darauf hin, dass bei einem zweiten Geist-Empfang die Gefahr besteht, dass nach der Warnung von 2.Kor 11,4 der andere Geist eines anderen Evangeliums von den Christen Besitz ergreift. Dieser falsche Geist manifestiert sich

  • in Prophetien, die nicht eintreffen;
  • in ekstatischen Zuständen, die eher auf unwürdige, dunkle Geister als auf die Vernünftigkeit jener Menschen hinweisen, die von Dämonen befreit werden;
  • sowie in ethisch-moralischen Verfehlungen.

Die notwendige, echte Erneuerung der Kirche aus der Kraft des Geistes wird durch diese Beschäftigung mit einem falschen Geist gerade verhindert, meint Ebertshäuser.

Kommentar: Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass gerade junge Christen durch das Lehren und Herbeiwünschen der Geistestaufe in ihrem Glauben verunsichert werden und sich unter Druck gesetzt fühlen. Die Szene von der Taufe Jesu Mt 3,13-17 zeigt, dass der Geist dort kommt und wirkt, wo im Namen des dreieinigen Gottes getauft wird. Allerdings kann er durch Unglaube und Ungehorsam verdrängt werden. Wo jedoch ein Mensch zum Christusbekenntnis zurückfindet, ist dies nach 1.Kor 12,3 ohne den Geist gar nicht möglich. Der Christ hat die Mahnung nötig, sich mehr vom Geist erfüllen zu lassen (Eph 5,18). Aber diese Mahnung zielt nicht auf eine zweite Geistestaufe ab. Sondern auf eine vernünftige, nüchterne, christliche Lebenshaltung – im Unterschied zu dem „unordentlichen Wesen“ des Betrunkenen.

C. Gibt es heute noch echte Prophetien und Wunderzeichen?

Der Autor Ebertshäuser kennt charismatische Prediger, die von sich behaupten, die Gabe der Prophetie zu besitzen, wie sie in der Urchristenheit vorkam (1.Kor 12,10). Jedes Gemeindeglied habe etwas von dieser Gabe, so meinen charismatisch orientierte Christen. Sie äußere sich in prophetischen Eindrücken, Bildern, Träumen und inneren Stimmen. Das Problem dieser Prophetien ist, das sich Ansagen von Zukünftigem immer wieder als falsch herausstellen. Dazu wird dann erklärt, dass sich in der Prophetie Wahres und Falsches vermischen könne.

Ebertshäuser hält dieser Erwartung und Praxis 1.Kor 13,8 entgegen, wo der Apostel vom Aufhören besonderer Gaben wie Weissagung, Sprachenrede („Glossolalie, Zungenrede“) und Erkenntnis-Worte spricht, wenn „das Vollkommene“ kommen wird (1.Kor 13,10). Dieser Begriff meine nicht die Vollkommenheit des ewigen Lebens, weil es im ewigen Leben auch kein Glauben und kein Hoffen mehr gebe (1.Kor 13,13 „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe“), argumentiert der Autor. Vielmehr sei die vollständige Lehre des Evangeliums gemeint, die nach Abschluss der neutestamentlichen Schriften für jedermann einsichtig und verlässlich vorgelegen habe. Die Gabe der Prophetie sei nur in der Anfangszeit nötig gewesen, um der noch jungen Christenheit mit vielen Kenntnislücken eine vollständige Offenbarung des Evangeliums zu schenken. Die Apostel warnen vor massiver Falschprophetie in der nachapostolischen Zeit (1.Joh 4,1).

Kommentar: Die Bibel führt immer wieder vor Augen, wie der Heilige Geist klare Gottesworte an ausgewählte Personen übermittelt, zum Zweck der Verkündigung. Die Erklärung, dass sich Wahres und Falsches vermischen könne, klingt nach einer Ausflucht. Sie unterstellt dem Heiligen Geist Unklarheit in der Ausdrucksweise und Unfähigkeit bei der Übermittlung von Offenbarungsworten. Zeigt sich nicht bereits im NT, dass nach einer Zeit des Aufbruchs mit vielen notwendigen Prophetien und Erkenntnisworten die Bewahrung und Pflege des Glaubens von der Auslegung des Schriftwortes erwartet wird (siehe z.B. 1.Tim 4,13; 2.Tim 3,14-17!)? Zeigt nicht die Missions- und Kirchengeschichte dasselbe Bild, dass nach einer Gründungsphase mit unmittelbar eingegebenen Träumen, Gottesworten und Weisungen immer die Phase der Konsolidierung mithilfe der Schriftauslegung folgt, die für ein lebendiges Christenleben vollkommen ausreicht?

Ähnliches gilt für die „Zeichen und Wunder“, auf die die Pfingst- und Charismatische Bewegung so viel Wert legt. Für viele Charismatiker sind sie nötig zum Erweis eines echten, geistgesalbten, vollmächtigen Christenlebens, erklärt Ebertshäuser. Zweifellos wurde die Erstverkündigung des Evangeliums durch Jesus und die Apostel durch eine Vielzahl von Zeichen und Wunder von Gott her bestätigt. Doch Hebr 2,4 blickt auf die Zeit der Bekanntmachung des Evangeliums mit Zeichen und Wundern zurück. Der Autor des Hebräerbriefs stärkt den Glauben der Gemeinde nicht durch die Verheißung neuer außergewöhnlicher Erfahrungen, sondern durch die Auslegung des AT auf Jesus hin. Selbstverständlich bleibt Gott ein Gott, der Wunder tut. Doch Jesus und seine Apostel warnen die Gemeinde vor letzten Zeiten, in denen falsche Christusse und falsche Propheten sich durch dämonische Zeichen und Wunder ausweisen (Mt 24,24; 2.Thess 2,9f).

Kommentar: Auch im Römerbrief spricht Paulus wie beiläufig von den Zeichen und Wundern, die er bei Gemeindegründungen vollbracht hat (Rö 15,19), macht sie aber innerhalb seiner umfassenden Darlegung der Lehre vom Evangelium nicht zum Thema. Das heißt, dass Zeichen und Wunder für die Evangeliumslehre nicht konstitutiv und für die kommende Zeit der Gemeinde nicht entscheidend sind. Dazu steht die charismatische Sehnsucht nach Zeichen und Wundern, die sich auf der Bühne vorführen lassen, in scharfem Kontrast.

D. „Lobpreis“, „Zungenreden“, „Dämonenaustreibungen“ – Charismatische Praktiken unter der Lupe

Der Autor Ebertshäuser beschreibt das für Charismatiker so wichtige Gottesdienstelement „Lobpreiszeit“ als etwas Gelenktes und Suggestives, das die Anwesenden in eine Haltung der Passivität und Offenheit für einen Geist bringt, den man für den Heiligen Geist hält. Er offenbart sich auf dem Höhepunkt der Lobpreiszeit, dem „Durchbruch“, durch das Umfallen von Betern, das Weinen oder das Prophezeien. Diese Wirkungen schreibt Ebertshäuser einem Irrgeist zu. Der sogenannte „Durchbruch“ wird durch gezielten Einsatz von Rhythmus und Melodie erreicht, bei dem die Musik eine quasi hypnotisierende Wirkung entfaltet. Zudem transportieren die Anbetungslieder falsche Erwartungen einer großen Erweckung und Geistausgießung in der Endzeit und andere Irrtümer.

Kommentar: Wenn heute viele Gemeinden die „Lobpreiszeit“ mit großer Selbstverständlichkeit in den Gottesdienst übernehmen, ist die Reflexion der originalen Idee und Gestaltung nötig. Kann man die „Lobpreizeit“ in der beschriebenen Form als neutrale Form sehen? Oder trägt sie mit ihrer Emotionalität, ihren eingeschobenen Gebeten, ihren ekstatischen Höhepunkten nicht etwas Neues und Fremdes in den Gottesdienst hinein? Oder anders gefragt: Was macht sie denn im Vergleich zum bisherigen gottesdienstlichen Singen und Loben so unverzichtbar?

Das „Zungenreden“ sehen charismatische Christen als Zeichen der Empfang der Geistestaufe, als wirksame Form des Gebets und als eine Weise der Prophetie. Ebertshäuser gibt auch im Blick auf diese etwa in Korinth vorkommende Gabe der ersten Stunde zu bedenken, dass sie in den Belehrungen der Apostelbriefe für die Aufbauzeit der Kirche kaum eine Rolle mehr spielt. Er vertritt die These, dass das „Sprachenreden“, wie in 1.Kor 12-14 verhandelt, kein anderes Sprachenreden als dasjenige von Apg 2 war: nämlich ein Reden in einer real existierenden, menschlichen Sprache. In Apg 2 wurde dieses Reden in Fremdsprachen als vorausweisendes Zeichen auf die Zeit der Völkermission geschenkt. In 1.Kor 14,21f stellt es vor allem ein Gerichtszeichen für Israel dar, weil sich Gott von dem verstockten Israel abwendet und den Nationen anderer Sprache zuwendet. In dem Moment, in dem Evangeliumsverkündigung und Gemeindeaufbau tatsächlich in anderen Ländern mit ihrer eigenen Sprache betrieben wird, ergibt ein „Fremdsprachen-Reden“ keinen Sinn mehr. Denn es kommt ja alles gerade auf den Transport des Evangeliums in verständlicher Sprache an! Dann aber erweist sich das charismatische Lallen von Phantasielauten, das gerne als Reden in der Engelsprache ausgegeben wird, als überflüssig.

Kommentar: Der Auslegungsansatz, dass es im 1.Kor um kein anderes Sprachenreden als in Apg 2 ergeht, scheint mir ebenso einfach wie vernünftig und stimmig zu sein. In der Zeit der Kirche und des Gemeindeaufbaus vor Ort macht ein wundersames Reden in fremder oder gar himmlischer Sprache keinen Sinn. Das Evangelium lässt sich nur in verständlicher Sprache vermitteln, die von Missionaren und Bibelübersetzern oft durch mühsames Studium erworben werden muss. Das ist der Normalfall, der nicht durch den Ausnahmefall am Beginn der Kirche überblendet werden darf.

Das Austreiben von Dämonen wird in charismatischen Kreisen sehr hervorgehoben und auch unter gläubigen Christen praktiziert. Ebertshäuser weist darauf hin, dass die Dämonenaustreibungen des Neuen Testaments durchweg an Ungläubigen vollzogen wurden zur Demonstration der Macht des Messias. Gläubige sind dagegen grundsätzlich befreit von der Herrschaft der Dämonen (Kol 1,12-14). Dagegen begibt sich die „Befreiungsseelsorge“ in den Bereich der Geisterbeschwörung und des Spiritismus. Sie läuft Gefahr, gerade solche Verstrickungen hervorzurufen, von denen sie eigentlich befreien will.

Kommentar: Der Vergleich von Missionsgebieten, in denen dämonische Besessenheit aufgrund eines intensiven Okkultismus tatsächlich vorkommt und von verlässlichen Zeugen geschildert wird, mit Europa, wo dieses Phänomen selten auftritt, lässt die charismatische Überbetonung dieses Themas deutlich werden. Hinter ihm dürfte wiederum die Sehnsucht nach einem greifbar-aktuellen Kraftwirken des Geistes stehen, das sich eindrücklich für andere vorführen lässt.

E. Zur Geschichte der Pfingst- und Charismatischen Bewegung

Schon im altkirchlichen Montanismus und in der katholischen Mystik, die viele fragwürdige Visionen und übernatürliche Erfahrungen von Heiligen überliefert und verehrt, sieht Ebertshäuser einen schwärmerischen Geist am Werk, der wegführt vom nüchternen, biblisch gegründeten Glauben. In der Heiligungsbewegung des 19. Jhdt in den USA traten bereits Gruppen auf, die Wunderheilungen und Geistestaufe praktizierten (z.B. die „Feuergetaufte Heiligungskirche“). Die „Geistausgießung“ am 1. Januar 1901 in Topeka in der Bibelschule des Heiligungspredigers Charles F. Parham löste die sogenannte Pfingstbewegung aus, die mit ihren falschen Prophetien und angeblichen Wunderzeichen viel Verwirrung und Spaltung in die Gemeinden hineintrug. Die der Pfingstbewegung verwandte Charismatische Bewegung begann mit der Erfahrung der Geistestaufe des anglikanischen Pfarrers Dennis Bennett im Jahr 1960. Sie gewann überall an Einfluss, z.B auch durch die „charismatische Erneuerungsbewegung“ innerhalb der katholischen Kirche seit 1967. Durch die Vineyard-Gemeinde von John Wimber, die Wort-des-Glaubens-Gemeinden von Kenneth Hagin und die Calvary-Chapel-Gemeinden von Chuck Smith erhielt die Bewegung in den siebziger Jahren zusätzlich Aufwind. Eine wichtige Rolle bei ihrer Ausbreitung spielten überkonfessionelle, weltweit operierende Werke wie Jugend mit einer Mission, Teen Challenge oder Full Gospel Businessmen. Heute gibt es schätzungsweise 520 Millionen charismatische Christen.

Charismatische Gedanken und Praktiken gewinnen im evangelikalen Raum an Einfluss, beobachtet Ebertshäuser. Die Lobpreismusik wird von Evangelikalen übernommen. In der Evangelischen Allianz und bei ProChrist arbeiten Charismatiker mit. Ebertshäuser bewertet diesen Vorgang sehr kritisch: „Der Abfall vom biblischen Evangelium schreitet voran, aber erschreckend viele Evangelikale sind schon so benebelt, dass sie es nicht mehr erkennen können.“ (167)

Kommentar: Wenn neuerdings führende Charismatiker zum Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz gehören, ist es notwendig, neu zu fragen, wie sich denn die Allianzbewegung bzw. die Evangelikalen definieren. Von der geschichtlichen Entwicklung her handelt es sich um zwei verschiedene Verständnisse des Gemeindeaufbaus nach apostolischer Anweisung. Ob sich diese zwei Verständnisse miteinander verbinden lassen? Jedenfalls wäre nötig, dass vor der Verflechtung von Bewegungen Gespräche über Lehrunterschiede und Unterschiede in der Gemeindepraxis stattfinden. Sollten diese Unterschiede verdrängt, überspielt oder auch toleriert werden, ergibt sich tatsächlich eine neue evangelikal-charismatische Allianz, die sich nicht mehr so wie bisher in Übereinstimmung befindet mit Gemeinden, die die charismatische Bewegung hinterfragen.

F. Die bibeltreue Gemeinde in der Auseinandersetzung mit endzeitlichen Verführungen

Die biblische Weisung „Richtet nicht!“ wird gerne gegen Kritiker von neuen christlichen Bewegungen in Anschlag gebracht. Ebertshäuser wehrt sich gegen ein Verbieten von Kritik mit dem Hinweis auf echte Liebe zum Bruder, die die Wahrheit nicht verschweigen kann. Die Prüfung der Geister ist der Gemeinde in 1.Joh 4,1 aufgetragen. Das Neue Testament lehrt nicht die Annahme und Toleranz von Irrlehrern, sondern die klare Trennung von ihnen, weil die Irrlehre das Gemeindeleben wie Sauerteig durchdringt und zersetzt. Nach 2.Kor 6,14ff ist die Scheidung zwischen Kirche und abgefallener, verwirrter Kirche, zwischen Gottes Tempel und Götzentempel geistlich unverzichtbar. Deswegen muss sich die bibeltreue Gemeinde der Auseinandersetzung mit einem falschen Geist stellen und in schwierigen Zeiten gegen den Strom schwimmen und den schmalen Weg gehen, so der Aufruf von Ebertshäuser (mit Hinweis z.B. auf 2.Petr 3,17f „So hütet euch, dass ihr nicht durch die Verführung der Frevler mit fortgerissen werdet.“)

Kommentar: Ebertshäuser greift eine Stoßrichtung des Neuen Testaments auf, die heute gerne verschwiegen wird. Alles, was mit dem Ringen um die Wahrheit, dem Prüfen der Geister und dem Trennen von falscher Lehre zusammenhängt, stellt man gerne zurück, um um so mehr das Tolerieren von alternativen Meinungen und das Bewahren der Einheit zu betonen. So wahr die Einheit der Kirche nach Möglichkeit zu bewahren ist, so wenig darf dies um den Preis der Aufgabe einer klaren Anschauung der Wahrheit apostolischer Lehre geschehen. Die Kirche ist auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut (Eph 2,20). Wenn man sich über dieses Fundament in wesentlichen Punkten nicht einig ist, kann auch keine Kirchen-Einheit künstlich erhalten oder hergestellt werden.

Pfarrer Dr. Tobias Eißler, Gunzenhausen