Esther Ahn Kim

esther-ahn-kimEsther Ahn Kims Biografie ist eines der kraftvollsten Zeugnisse, die ich jemals gelesen habe. Während des Zweiten Weltkriegs und der japanischen Besatzung Koreas begann Esthers Glaubensreise. Sie lehnte es ab, sich vor den Schreinen zu verneigen, die an jeder Ecke ihres Landes aufgestellt worden waren, und kam schließlich für sechs Jahre hinter Gitter, von 1939 bis 1945.

Da sie wusste, dass sie für ihre Weigerung, sich vor den Götzen zu verbeugen, mit Sicherheit inhaftiert werden würde, verbrachte Esther einige Zeit damit, sich darauf körperlich und geistlich vorzubereiten. Jeden Tag fand und aß sie Essen, das am Verwesen war, weil sie wusste, dass sie im Gefängnis nichts anderes bekommen würde. Die Disziplin, die sie darin an den Tag legte, ist demütigend; wie viele von uns würden sich dafür entscheiden, verrottete Nahrung zu essen?

Während sie sich auf die Zeit im Gefängnis vorbereitete, lernte sie mehr als einhundert Kapitel der Bibel und viele Kirchenlieder auswendig, weil sie wusste, dass man ihr die Bibel wegnehmen würde. Sie verbrachte zahllose Stunden im Fasten und Beten vor Gott. In diesen Zeiten führte sie ihr Bibelstudium zu größerer Klarheit, und sie war in der Lage, ihre Furcht vor Folter an Gott abzugeben.

Als ich ihre Geschichte las, wuchs in mir eine Sehnsucht. Mehr Nähe zu Christus. Mehr Liebe für die Menschen. Mehr von Gott in meinem Leben. Und um ehrlich zu sein, auch mehr Disziplin. Sie war eine sehr disziplinierte Gläubige, aber da war nichts Selbstgerechtes an ihr. Ihr Gehorsam Christus gegenüber steigerte nur ihre Fähigkeit, die Stimme des Geistes zu hören, und erfüllte sie in der Folge mit einer überwältigenden Liebe für die Menschen, mit denen sie in Kontakt kam.

Als sie schließlich ins Gefängnis kam, gebrauchte Gott sie auf unterschiedlichste Weise. Eines Nachts wurde eine junge Chinesin hereingebracht, die verurteilt worden war, weil sie ihren Ehemann ermordet hatte. Sie jammerte herzerweichend und schlug gegen die Tür, bis ihr schließlich die Wachen die Hände auf dem Rücken fesselten. Diese Frau legte Gott Esther zu Füßen und vertraute sie ihrer Liebe an. Esther wärmte in dieser Nacht die Füße dieser Frau mit ihren Händen, obwohl sie von ihren Exkrementen bedeckt waren. Obwohl es nur sehr kleine Essensrationen gab, verzichtete Esther drei Tage lang auf ihre zugunsten dieser Frau.

Nach einiger Zeit reagierte die junge Frau auf Esthers Fürsorge, sie ließ sich auf Gespräche ein und akzeptierte schließlich die gute Nachricht des Evangeliums. Die Frau wurde später für ihr Verbrechen hingerichtet, aber sie ging mit Christus in ihren Tod.

Diese Chinesin ist nur einer von vielen Menschen, denen Esther dienen durfte. Mörder und Betrüger, ausgestoßene Menschen wurden vor aller Augen verändert, wenn durch Esther die Liebe Christi ihre Herzen heilte und ihnen Hoffnung gab. Sogar die Gefängniswärter und Regierungsbeamten erkannten, dass Esther an diesem finsteren Ort ein Licht war. Sie hätte ihr Leiden einfach wie ein guter Christ ertragen können, und wir alle hätten ihr applaudiert. Aber sie war nicht damit zufrieden, einfach nur durchzuhalten. Jeden Tag und jeden Augenblick fragte sie Gott: „Wen soll ich heute für dich lieben?“

– Quelle: Francis Chan, „Der unterschätzte Gott“, S. 74f.