Hat Jesus Christus wirklich gelebt?

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Entgegen der landläufigen Meinung und den Ergebnissen der historisch-kritischen Theologie stellen die Texte des Neuen Testaments aus Sicht der Historiker sehr gute Belege für die Authentizität der damaligen Ereignisse dar. Vielfach wurde und wird behauptet, die Schreiber des Neuen Testamentes hatten gar kein Interesse an der historischen Genauigkeit ihrer Werke gehabt. Vielmehr sei es ihnen darum gegangen, allein die Inhalte der »Christus-Botschaft« anhand von fassbaren Beispielen zu vermitteln. Dass dies nicht so ist, möchte ich am Beispiel des Lukas zeigen:

»Im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius, als Pontius Pilatus Statthalter von Judäa war und Herodes Vierfürst von Galiläa und sein Bruder Philippus Vierfürst von Ituräa …« (Lukas 3,1). Jesus Christus lebte also in einer bestimmten Zeit und nicht unbestimmt an irgendeinem Ort zu irgendeiner Zeit wie etwa in einem Märchen. Tiberius regierte in den Jahren 14-37 n. Chr. Das fünfzehnte Jahr seiner Regierung war also 28. bzw. 29. n. Chr. Man kann nicht sagen, Lukas habe kein Interesse an konkreten historischen Aussagen gehabt. Helga Botermann, Professorin für Alte Geschichte in Göttingen, schreibt über Lukas:

»Wie ging er vor? Wie jeder Historiker hatte Lukas sein Quellenmaterial zu organisieren, eine Auswahl zu treffen und das geschichtliche Bild, das er überliefern wollte, durch die Erzählung zu strukturieren. Selbstverständlich muss man auch bei ihm davon ausgehen, dass sein Werk aus einer für ihn individuell maßgeblichen Sichtweise konzipiert wurde. (…) Die Informanten des Lukas waren zugleich seine Kritiker. Das macht die Annahme von vornherein unwahrscheinlich, er hätte willkürlich seine Vorurteile und Intentionen der Geschichtserzählung aufpfropfen können.« Sie fasst wie folgt zusammen:

»1. Lukas will einen wahrheitsgemäßen Bericht geben.
2. Seine Darstellung schöpft weitgehend aus Augenzeugenberichten. Teilweise sind [bei der Abfassung der Apostelgeschichte] eigene Erinnerungen verwendet.
3. Er schrieb für eine zeitgenössische Leserschaft, die aus Erzählungen oder aus eigener Kenntnis ein Urteil von den Dingen besaß. Es besteht also keine Veranlassung, seiner Geschichtserzählung von vornherein mit einem pauschalen Skeptizismus zu begegnen und Lukas die Beweislast zuzuschieben.«

Das ist nur ein Beispiel für die historische Genauigkeit des Neuen Testaments.

Außerbiblische Belege

Flavius Josephus

Früher als bester Geschichtsschreiber gerühmt, kam Josephus aufgrund seiner vielen Übertreibungen schnell in den Ruf, ein unzuverlässiger Historiker gewesen zu sein. Jeden seiner Texte als unglaubwürdig abzuwerten, scheint aber auch bei ihm nicht angemessen. In seinen »Jüdischen Altertümern« schreibt er, wie Jakobus 62 n. Chr. in Jerusalem gesteinigt wurde; er nennt ihn »den Bruder des so genannten Christus«. Diese Angabe macht es wahrscheinlich, dass Josephus bereits an einer früheren Stelle von Jesus gesprochen hat und deshalb den Namen und Titel als bekannt voraussetzen kann. Im 18. Buch dieser Altertümer, dem »Zeugnis des Flavius Josephus«, finden wir einige Sätze zu diesem Thema:

»Um diese Zeit lebte Jesus, ein Mann voll Weisheit, wenn man ihn überhaupt einen Mann nennen darf. Er vollbrachte nämlich ganz unglaubliche Dinge und war ein Lehrer der Menschen die gern die Wahrheit aufnehmen; so zog er viele Juden und viele aus dem Griechentum an sich. Dieser war der Christus. Als Pilatus ihn auf die Anzeige der bei uns an der Spitze Stehenden hin mit der Kreuzigung bestraft hatte, hörten diejenigen, die ihn zuerst ins Herz geschlossen hatten, nicht mit ihrer Zuneigung auf. Er erschien ihnen nämlich am dritten Tag wieder lebend, wie die göttlichen Propheten dies und tausend andere wunderbare Dinge von ihm verkündigt hatten. Noch bis jetzt hat der Stamm der Christen, die nach ihm genannt sind, nicht aufgehört.«

Tacitus

Tacitus war römischer Geschichtsschreiber (ca. 55-110 n. Chr.). Er hat im Zusammenhang mit dem Brand Roms zur Zeit des Kaisers Nero auch über die Christen geschrieben. Sie wurden vom Kaiser fälschlich als Brandstifter bezeichnet. Tacitus berichtet, dass »der Stifter dieser Sekte, Christus (…) unter der Regierung des Tiberius durch den Prokurator Pontius Pilatus hingerichtet worden« ist (Tacitus, Annalen XV,44) – eine genaue Übereinstimmung mit den Aussagen im Neuen Testament.

Sueton

Bei diesem kurz nach Tacitus lebenden Historiker kommen zumindest die Anhänger Christi vor. In seiner Biografie über Nero heißt es: »Mit Todesstrafen wurde gegen die Christen vorgegangen, eine Sekte, die sich einem neuen und gefährlichen Aberglauben ergeben hatte.« Außerdem berichtet er in seiner Claudius-Biographie: »Die Juden vertrieb er aus Rom, weil sie, von Christus aufgehetzt, fortwährend Unruhe stifteten.«

Sicherlich gibt es noch mehr außerbiblische Quellen, die hier nicht aufgeführt werden. Mir erscheinen die ausgewählten Beispiele die wichtigsten und bekanntesten zu sein. Der Glaube von Christen beruht aber vor allem auf den historischen Zeugnissen der neutestamentlichen Schriften – auch wenn manche Menschen diese Texte aus ihrem Glauben ausklammern möchten. Nur zu gerne werden historische Fakten von Wundern und anderen Geschehnissen ins Reich der Mythologie verbannt, um an einen vermuteten »wahren« Kern der einzelnen Verse zu gelangen. Das entspricht jedoch keineswegs dem Selbstzeugnis der Bibel. Es gab schon viele Versuche, der Bibel historische oder archäologische Fehler nachzuweisen. Bisher hat sich allerdings fast alles als korrekt überliefert oder zumindest als sehr wahrscheinlich erwiesen. Wir können uns getrost auf das verlassen, was uns in ihr überliefert wurde.

 

(c) Frank Schulz, Nikodemus