Meine Lebenswende – wie Gott mir Glauben schenkte

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Meine Bibelschulzeit und die Historisch-kritische Methode
von Anita Kupfermann

Durch die Erziehung meiner Eltern bin ich schon früh mit den Inhalten des christlichen Glaubens vertraut gemacht worden. Ich besuchte regelmäßig die Kindergottesdienste und ließ mich schließlich mit 14 Jahren taufen. Gut zehn Jahre später verspürte ich, während meiner Tätigkeit als Erzieherin, den starken Wunsch, mir eine sinnvolle Auszeit zu nehmen. Es war mir ein Anliegen, mich dem Wort Gottes zu widmen und über mein Glaubensleben nachzudenken. Denn obwohl ich mich hatte taufen lassen, merkte ich, dass mir die Bibel fremd war und mir eine lebendige Beziehung zu Gott fehlte. Ich sehnte mich danach, in meinem Glauben zu wachsen und wollte tiefer verstehen lernen, was es bedeutet, als Christ zu leben. So entschied ich mich dafür, eine zehnmonatige Bibelschule zu besuchen. Die vor mir liegenden Monate, so meine große Hoffnung, sollten mir in meinem Glaubensleben weiterhelfen.

Schon gleich zu Beginn meiner Bibelschulzeit wurde ich mit der Bibelkritik in Form der „historisch-kritischen-Methode(n)“ (HKM) konfrontiert. Die HKM ist die gängige Arbeitsweise an deutschen Universitäten bzw. freikirchlichen Hochschulen, um biblische Texte auszulegen. Die Bibel wird dabei nicht mehr als die von Gott inspirierte Heilige Schrift, sondern als ein sich widersprechendes und fehlerhaftes, menschliches Werk verstanden, welches, wie jedes andere Buch der Weltliteratur, kritisch hinterfragt werden muss. Diese Herangehensweise an den Text der Bibel führt zumeist zu einer Enthistorisierung, was bedeutet, dass die geschichtliche Zuverlässigkeit der biblischen Berichte in Frage gestellt wird. Kurzum, die meisten Dinge, die die Bibel berichtet, seien in Wirklichkeit nie so passiert.

Ich möchte anhand eines Beispiels aufzeigen, wie diese historisch-kritische Bibelforschung arbeitet.

Die Entstehungszeit des Markus-Evangelium wird auf die Zeit um bzw. nach dem Jahre 70 n. Chr. datiert. Und zwar aus folgendem Grund: Die kritische Bibelforschung schließt kategorisch aus, dass Jesus Christus die Zukunft voraussehen konnte. Dieses Evangelium berichtet aber davon, dass Jesus Christus die Tempelzerstörung voraussagte. Im Jahre 70 n. Chr. erfüllten sich die Worte Jesu buchstäblich; der Jerusalemer Tempel wurde durch die Römer zerstört. Der Großteil der kritischen Forscher ist nun der Ansicht, dass es sich hierbei um eine unechte Prophezeiung handelt (vaticinium ex eventu). Sie gehen davon aus, dass die Ankündigung der Tempelzerstörung erst im Nachhinein, also nach 70 n. Chr. Jesus in den Mund gelegt wurde. Das Markus-Evangelium könne nämlich keine Voraussagen über die Tempelzerstörung enthalten, also müsse es auch nach der Tempelzerstörung entstanden sein. Mit diesem festgelegten und ungläubigen Vorverständnis wird die gesamte Heilige Schrift kritisch begutachtet, bis letztendlich fast alle ihre Berichte in Frage gestellt werden. Um besser verstehen zu können, was die Erträge der modernen bibelkritischen Forschung sind, möchte ich einige Ergebnisse nennen:

• Adam und Eva hätten niemals existiert, sondern seien lediglich literarische Symbole für die gesamte Menschheit. Somit hat auch der Sündenfall nicht stattgefunden.

• Noah mit seiner Arche sei eine Legende und keine wahre Begebenheit.

• Die 5 Bücher Mose stammen nicht von Mose, stattdessen von mindestens drei Verfassern, die über einen langen Zeitraum hinweg an dieser Komposition arbeiteten und sich teils sogar widersprächen.

• Die zehn Gebote seien nicht von Gott empfangen worden, sondern durch einen langwierigen Wachstumsprozess entstanden (viel später als Mose).

• Die Eroberungskriege, wie sie z.B. im Buch Josua beschrieben werden, hätten nie stattgefunden.

• Die Worte und Taten Jesu in den Evangelien seien oftmals von den späteren Christen erfunden und Jesus in den Mund gelegt bzw. ihm zugeschrieben worden. Vieles also, was die Evangelien berichten, sei historisch gesehen Fiktion. Z.B. sage Jesus nie etwas über seinen Tod geschweige denn über seine Auferstehung. Auch dass er der Sohn Gottes oder der Christus ist, sei sich später ausgedacht worden. Außerdem hätte er nie im Sinn gehabt, eine Gemeinde zu gründen oder die Heiden zu erreichen.

• Paulus sei nicht der Verfasser der neutestamentlichen Briefe an die Kolosser, Epheser, Thessalonicher (2.), Timotheus (1.+2.) und Titus und auch Petrus habe nicht die Petrusbriefe geschrieben usw.

Dies sind nur einige von unzähligen Beispielen. Die Ergebnisse der historisch-kritischen Herangehensweise an die Bibel wurden mir während der Bibelschule, sowie besonders in meinem späteren Studium nicht bloß vorgestellt (um zu wissen, dass es solche Sichtweisen gibt), sondern von meinen Dozenten vertreten und mit Überzeugung gelehrt. Unter dem Einfluss dieser Lehre wurde für mich die Glaubwürdigkeit der Bibel immer mehr in Frage gestellt. Immer schlüssiger erschien mir der Gedanke, dass die Bibel nicht Gottes unfehlbare Worte widergibt, sondern vielmehr einem Sammelsurium von menschlichen und damit fehlerhaften Gedanken über „Gott und die Welt“ gleicht.

Hinter jeder Person und jedem Ereignis der Bibel setzte sich nun ein dickes Fragezeichen. Neben meiner neuen „Erkenntnis“, dass die meisten biblischen Erzählungen keine wirklichen d.h. historischen Begebenheiten überliefern, wurden auch meine ethischen Prinzipien neu in Frage gestellt. Wir unterhielten uns in der Bibelschule über Themen wie Homosexualität und vorehelicher Verkehr, mit der Frage, ob diese nicht doch als unbedenklich einzustufen seien. Kurzum verspürte ich zunehmend, wie sich immer heftigere Zweifel gegenüber dem christlichen Glauben und der Bibel einschlichen. Besonders eine Frage drängte sich mir immer mehr auf: Wenn das alles so nicht stimmt, wie es geschrieben steht, was kann ich dann noch glauben? Meine Skepsis gegenüber dem Christentum wuchs erstrecht, als im Unterricht die anderen Weltreligionen intensiv behandelt wurden. Ich stürzte in eine tiefe und anhaltende Glaubenskrise und überlegte ernstlich, mein Christsein aufzugeben. Meine Bibelschullehrer waren sich so sicher, dass es nur gut für mich sein kann, wenn ich mein altes Glaubensfundament überdenke und niederreiße („dekonstruiere“), um so einen neuen „reflektierten, mündigen und erwachsenen Glauben“ zu erhalten. Das waren ihre positiven Aussichten für mein Leben und ich hoffte innigst, dass sie Recht behalten sollten.

Meine Zeit am Theologischen Seminar

Nach dem Ende der zehn Monate ging ich zunächst für ein Jahr in meinen alten Beruf zurück. Doch spielte ich mit dem Gedanken, mich weiterzubilden. Und weil mich nach wie vor die unbeantworteten Fragen der Bibelkritik beschäftigten, lag es für mich nahe, ein Theologiestudium zu beginnen. Zudem gefiel mir der Gedanke, eine Pastorin zu werden, außerordentlich und so begann ich im Jahr 2007 mit meinem Studium der Theologie an der Fachhochschule des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden. Eine Berufung durch Gott erlebte ich jedoch nicht, wenn gleich ich mir dies versuchte einzureden. Ich sprach viel mit Menschen über meine Gedanken, aber nicht mit Gott selbst.

Inzwischen wehrte ich mich nicht mehr gegen bibelkritisches Denken, denn so manches Ergebnis der historisch-kritischen Forschung war mir bereits aus der Bibelschulzeit vertraut. Jedoch nahm die Bibelkritik im Studium noch weitaus größere Ausmaße an.

Ich erinnere mich, wie z.B. ein Dozent den Lehrsaal verließ und zwischen Tür und Angel sprach: „Morgen bringen wir Mose um“. Damit meinte er, dass wir am nächsten Tag erfahren sollten, dass es Mose, wie die Bibel ihn beschreibt, geschichtlich wohl nie gegeben hätte. Wiederum lernte ich, dass viele der altteststamentlichen Erzählungen Mythen und Legenden wiedergäben, die nur sehr wenig Zusammenhang mit der historischen Wirklichkeit hätten und die jüdische Gottesverehrung (Tempel, Gottesdienst, religiöse Feste, Gebote usw.) zum größten Teil von der religiösen Umwelt Israels abgeschaut worden sei. Die Texte der Bibel seien über viele Jahrhunderte hinweg von zahlreichen unbekannten Schreibern ergänzt, verändert und bewusst manipuliert (umgeschrieben) worden. Darum seien auch zahlreiche Widersprüche (Spannungen) in der Bibel vorhanden. Die Bibelkritik gewinnt, wenn sie einmal zugelassen wird, eine gewisse Eigendynamik und überschüttet lawinenartig jegliche Glaubensinhalte, bis letztlich jede Art von Glaubensgewissheit abhanden gekommen ist.

Ich habe viele Studenten sagen hören, dass sie diese Erkenntnisse der „Wissenschaft“ als Bereicherung empfinden,- auch ich habe damals so empfunden bzw. mir eingeredet, dass es so sei. In Wirklichkeit aber erntete ich nun die bitteren Früchte meines neuen, mündigen Glaubens: Gegen Ende des zweiten Semesters entschied ich mich ganz bewusst, die Bibel als völlig unglaubwürdiges Dokument beiseite zu legen und sortierte sie in das unterste Fach meines Regals ein, um sie aus meinem Sichtfeld zu verbannen. Ich hatte keinerlei Bedürfnis mehr, darin zu lesen, geschweige denn gemäß ihren Aussagen zu leben. Ich betete nicht mehr, oder bat Gott in irgendeiner Form um Weisheit und Hilfe. Viel zu sicher war ich mir mit meiner kritischen Haltung. Obwohl ich innerlich keinerlei Verbindung mehr zu Gott oder seinem Wort hatte, gab ich mich doch äußerlich noch als zukünftige Pastorin; ich predigte und stellte mich fromm, zumindest in der Gemeinde. Unter meinen Kommilitonen hingegen hielt ich mich nicht zurück. Ich betrank mich nun zunehmend auf Partys und verlor meine Scheu zu lügen und zu betrügen. Besonders über andere Kommilitonen zu lästern, bereitete mir immer größere Freude. Dabei waren mir gerade die jungen Männer ein Dorn im Auge, die der Heiligen Schrift uneingeschränkt Glauben schenkten. Es gab einen kleinen Kreis in meinem Semester, der sich auch im Unterrichtsgeschehen für die Glaubwürdigkeit der Bibel einsetzte. Mich und andere Kommilitonen störte dies ungemein, weshalb wir ausgiebig über sie lästerten. Bei all dem verspürte ich nicht den leisesten Ansatz eines schlechten Gewissens. Ehrfurcht vor Gott oder gar Angst vor einer ewigen Strafe hatte ich schon lange verloren. Die ermahnenden Worte der Schrift waren mir gleichgültig. Der Gott, den ich in meinem Studium kennengelernt hatte, zürnt nicht, respektiert jeden Zweifel und vergibt letztendlich allen Menschen. Warum sollte ich mich also fürchten? Warum nicht Spaß haben und das Leben in vollen Zügen genießen, so wie ich es will? Gemäß diesem Vorsatz lebte ich vor mich hin, bis sich die anfängliche Euphorie legte und es mir im Laufe der Zeit immer schlechter ging, bis ich schließlich den Boden unter meinen Füßen verlor. Eine innere Leere machte mir zunehmend deutlich, dass mir wahres Leben und wahrer Frieden fehlte. In bibelkritischen Büchern und in Gesprächen mit Mitmenschen suchte ich das zu finden, was ich nicht besaß, jedoch vergeblich.

In dieser Zeit vertraute ich mich im Anschluss einer Gemeindeveranstaltung einem fremden Evangelisten an und bat ihn um Fürbitte. Ich sehnte mich danach, eine echte Beziehung zu Gott zu haben, doch selbst darum zu bitten, konnte ich nicht. Es war mir, als hätte ich jegliche Fähigkeit zu Beten verloren.

Meine Lebenswende

Einige Wochen später sollte das Fürbittegebet des Predigers erhört werden. Am 06. Dezember 2008 öffnete mir der HERR die Augen und ich erkannte meine große Schuld und mein gottloses Leben.

Auslöser für diese Einsicht war eine öffentliche, polemische Rede eines Dozenten im Seminar, welche im Rahmen eines Filmabends gehalten wurde. Sie verhöhnte vor allem jene, die der Bibel wörtlich Glauben schenken. Einer der Verspotteten, der auch in meinem Semester war, saß direkt vor mir und ließ die Worte über sich ergehen. Ich sprach ihn anschließend darauf an und er versicherte mir, dass er sich seines Glaubens nicht schäme. Sein innerer Frieden und seine Glaubensgewissheit brachten mich zum Nachdenken. Auch fragte ich mich, wie wohl der Rest der verspotteten „Bibeltreuen“, welche oft einfach die „Fundis“ (Abkürzung für Fundamentalisten) genannt wurden, reagieren wird. Zu meinem großen Erstaunen ließen sie sich nicht auf die Idee eines Unterricht-Boykotts ein. Stattdessen kamen sie, wie sie es jeden Tag zu tun pflegten, zum gemeinsamen Gebet zusammen, und traten auch für den Spötter und das gesamte Seminar fürbittend ein. Ich erkannte, dass der HERR ihr Schutzschild ist und sie einen festen Glauben besitzen. In der Bibel steht geschrieben, dass Christen nicht mehr für sich selbst leben, sondern für den, der für sie gestorben ist. Bei diesen jungen Männern aus meinem Semester durfte ich erkennen, dass sie durch die Gnade Gottes dazu befähigt waren, nicht ihr eigenes Recht und Ansehen zu verteidigen. Das empfand ich in der Situation damals als „nicht normal“ und sehr beeindruckend. Sie konnten die Demütigungen an Christus abgeben, so dass Zorn und Rachegefühle keinen Raum gewannen.

Nach all diesen Ereignissen und Eindrücken, welche mich nicht losließen, fuhr ich über Weihnachten nach Hause zu meiner Familie und erkannte hier immer mehr, dass ich Gott durch meine bibelkritische Lebenseinstellung verachtet hatte. Ich hatte Gottes Wort verleugnet, Gottes Gnade verachtet und Gottes Diener verlästert. Vor allem aber, dass ich mich Christin nannte und doch zugleich das Sühneopfer Christi für nichts erachtete, erkannte ich als unfassbar schweren Fehler an. In diesen Tagen tat ich unter Tränen über Vielem Buße, ich suchte Gott im Gebet und durfte seine Vergebung erfahren. Mit frohem Herzen erwarb ich mir eine neue Bibel und begann eifrig darin zu lesen – bis zum heutigen Tag habe ich nicht aufgehört, dies mit voller Freude zu tun. Ich rief den Namen des Herrn Jesus Christus an und demütigte mich vor Ihm. Ich vertraute Christus mein Leben an und sprach zu Ihm, dass ich von nun an Seinem Wort glauben werde, egal, wie viele Fragen mir auch begegnen mögen. Ich habe nicht auf alles eine Antwort, doch bin ich nun von ganzem Herzen gewiss, dass die Heilige Schrift von Gott inspiriert und die Bibel in sich schlüssig und fehlerfrei indem ist, was sie lehrt. Ich danke dem Herrn, meinem Gott, von ganzem Herzen für seine souveräne Gnade über meinem Leben, für die Sündenerkenntnis und Vergebung, die Er mir geschenkt hat.

Gott hat mein Leben reich beschenkt und ich darf durch Seine Gnade glauben, dass Sein Wort die vollkommene Wahrheit ist (Joh. 17,17). Es ist so schön, einfach wie ein Kind glauben zu können und ich lege heute alle Zweifel und wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Seite, die die Glaubwürdigkeit der Bibel kritisieren. Stattdessen finde ich in Christus, wie Ihn die Schrift offenbart, alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis. Schenken wir doch unserem Herrn und Heiland unser Vertrauen; ich bin gewiss, dass Er dies segnen wird. Ich bete zum Herrn, dass Sie vor Unglauben bewahrt bleiben und Ihr Vertrauen auf Gott und Sein Wort gestärkt wird.

Quelle: Lebenswende_Anita Kupfermann in Ethos, Ausgabe 11/2012, 29. Jahrgang (www.ethos.ch)

 

Bibelkritik: „Morgen bringen wir Mose um“

Heftige Kritik am Theologischen Seminar Elstal (bei Berlin) des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten- und Brüdergemeinden) hat eine ehemalige Studentin geübt.

Sie sei aufgrund der dort gelehrten historisch-kritischen Bibelauslegung in eine schwere Glaubenskrise geraten, schreibt die Erzieherin Anita Kupfermann in einem Erfahrungsbericht. Er wurde in der Zeitschrift des Bibelbundes (Berlin) veröffentlicht, der jede Bibelkritik ablehnt. Die 30-Jährige hatte nach eigenen Angaben 2007 mit dem Theologiestudium an der Fachhochschule begonnen. Dort habe man gelehrt, dass die Bibeltexte „über viele Jahrhunderte hinweg von zahlreichen unbekannten Schreibern ergänzt, verändert und bewusst manipuliert worden“ seien. Ein Dozent habe beim Verlassen des Lehrsaals gesagt „Morgen bringen wir Mose um“.

Kupfermann: „Damit meinte er, dass wir am nächsten Tag erfahren werden, dass es Moses, wie die Bibel ihn beschreibt, geschichtlich wohl nie gegeben hätte.“ Die ehemalige Theologiestudentin entschied sich nach eigenen Angaben am Ende des zweiten Semesters, „die Bibel als völlig unglaubwürdiges Dokument“ beiseite zu legen: „Ich hatte keinerlei Bedürfnis mehr, darin zu lesen, geschweige denn gemäß ihren Aussagen zu leben.“ Dennoch habe sie gepredigt und sich fromm gestellt, zumindest in der Gemeinde. Ansonsten „betrank ich mich auf Partys und verlor meine Scheu zu lügen und zu betrügen“. Nach einer anfänglichen Euphorie habe sie eine innere Leere in ihrem Leben gespürt, so Kupfermann. Daraufhin bat sie einen Evangelisten um Fürbitte, dessen Gebet erhört worden sei: „Am 6. Dezember 2008 öffnete mir der Herr die Augen und ich erkannte meine große Schuld und mein gottloses Leben.“

Freikirche weist Vorwürfe zurück

Unterdessen hat das Präsidium der Freikirche die Vorwürfe zurückgewiesen: „Die Einschätzung von Anita Kupfermann teilen wir nicht. Wir kennen und erleben unser Seminar und seine Mitarbeitenden anders.“ Insbesondere weise man die Unterstellungen zurück, dass an dem Seminar ein „unbiblisches Gottesbild“ vermittelt und die Glaubwürdigkeit der Bibel gezielt untergraben werde. Ziel des Theologiestudiums sei es auch, Menschen zu einem mündigen Christsein anzuleiten.

Dazu gehöre es, „sich kritisch-konstruktiv mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen und in dieser Auseinandersetzung einen eigenen Standpunkt zu entwickeln“. Ein solches Studium könne auch persönliche Glaubenskrisen auslösen: „Aber nur, wer sich, vielleicht auch durch Krisen hindurch, eigene Überzeugungen erarbeitet hat, kann andere in diesem Prozess des Mündigwerdens angemessen leiten und begleiten, wie es die Aufgabe ordinierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Gemeinden ist.“ Nach Angaben des Präsidiums der Freikirche hat der Erfahrungsbericht von Frau Kupfermann „für einige Unruhe und Verunsicherung im Bund gesorgt“. Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden ist mit 82.700 Mitgliedern die größte Freikirche in Deutschland.

Quelle: idea