Wie viele Israeliten wanderten durch die Wüste?

KarkarIn der Schlachter steht’s geschrieben: „Was in Israel kriegstauglich war, ihre Gesamtzahl betrug 603.550.“ (4. Mose 1:46)

Auch wenn nach seinen Worten „Textverderbnisse“ über den langen Überlieferungszeitraum nicht ausgeschlossen sind, tendiert der Ausleger Gerhard Maier in der „Wuppertaler Studienbibel“ für diese über 600.000 Mann als korrekte Zahl und fügt hinzu: „Rechnet man die wehrfähigen Männer als ein Viertel des ganzen Volkes, dann müßte Israel damals ca. 2,5 Millionen Menschen umfaßt haben.“ (S. 44)

Berechnungen zufolge ist diese überaus große Zahl von Menschen zumindest nicht ausgeschlossen. Und dennoch sind Bedenken angebracht, nicht aufgrund von liberaler Textkritik sondern aus archäologischen wie innerbiblischen Überlegungen, so Uwe Zerbst in „Keine Posaunen vor Jericho?“

1. Archäologische Schätzungen beziffern die Bevölkerungszahl Kanaans zur Zeit der Wüstenwanderung auf grob 100.000 Menschen. Eine Streitmacht von mehr als einer halben Million hätte sicher keinerlei Probleme gehabt, zunächst die Ägypter zu besiegen und später Kanaan zu erobern. Die Bibel selbst sagt jedoch, die Völker waren größer und stärker als Israel. (5. Mo 1:28, 7:1) In 4. Mose 31:25ff. errechnet auch Maier eine Wehrmacht von knapp 30.000 Midianitern, die Israel damals gegenüberstand. (S. 415)

2. Weiterhin wird die Bevölkerungszahl zur Zeit nach der Landeinnahme auf weniger als 100.000 geschätzt. Von mehr als zwei Millionen Menschen wäre ein entsprechender archäologischer Befund zu erwarten. Zudem überliefert uns die Bibel, das Volk war zu klein, um das ganze Land zu bewirtschaften. (2. Mo 23:29f.) Israel besiedelte zunächst nur das 56 x 144 km große Bergland – ausreichend für ein Millionenvolk? Und hätte vorher das Nildelta in Ägypten ausgereicht, ein solch großes Volk zu ernähren?

3. Der Durchzug durch das Schilfmeer von etwa 2,5 Millionen Menschen wäre bei einer Marschordnung von 50 Menschen pro Reihe und 90 cm Abstand zwischen den Reihen etwa 36 km lang gewesen.

4. Die Zahl der männlichen Erstgeborenen war nach dem Exodus 22.273. (4. Mo 3:43) Waren es entsprechend viele Mütter, hätte jede von ihnen 50-100 Kinder haben müssen um den Zahlen zu folgen.

Folgt man der Exegese von Zerbst, waren es damals etwa 40.000 Israeliten, die durch die Wüste zogen. Gottes Versorgung eines Millionenvolkes wäre sicher ein größeres Wunder gewesen. Auf der anderen Seite müssen wir uns fragen, inwieweit das Volk die Hilfe Gottes denn nötig gehabt hätte, gegen zahlenmäßig weit unterlegene Völker in den Krieg zu ziehen.

Es war damals wie heute: ein kleines Volk hat mit Gottes Hilfe einen großen Sieg errungen.

 

– Bild: Kurkh Stela des assyrischen Königs Shalmanaser mit Informationen über die Streitkräfte in der Schlacht von Karkar. (853 v. Chr.) König Ahab sendete 10.000 Soldaten und 2.000 Streitwagen.