John MacArthur, Die Liebe Gottes

Die-Liebe-GottesWenn Gott Liebe ist, warum erleben wir dann in der Welt soviel Böses, Leiden und Schmerz? Warum müssen Menschen in die Hölle? Warum fiel die Menschheit überhaupt in Sünde? Antworten auf solch schwierige theologische Fragen finden wir nur, wenn wir die Lehre von der Liebe Gottes – ausgewogen, systematisch – verstehen und Gott besser kennenlernen. John MacArthur möchte mit dem Buch dazu beitragen und betont schon in der Einleitung: „Gottes Liebe und Gottes Heiligkeit müssen im Licht seines Zornes gegen die Sünde tiefgründig verstanden werden.“ (S.10)

Etwas jüngere Kirchengeschichte zum Thema „Liebe und Zorn“ liefert Kapitel 1 – angefangen bei Jonathan Edwards, Charles Finney, D.L. Moody bis hin zur liberalen Theologie heute. MacArthur schreibt über die heutige Situation: „Wir müssen etwas von diesem heiligen Schrecken zurückerlangen, der mit einem richtigen Verständnis von Gottes gerechtem Zorn einhergeht. … Nur vor dem Hintergrund des Zornes Gottes kann die volle Bedeutung der Liebe Gottes wirklich verstanden werden. … Nur wer sich selbst als Sünder in den Händen eines zornigen Gottes ansieht, kann die Größe und Faszination seiner Liebe wirklich wertschätzen.“ (S.24) Eine hilfreiche und nötige Korrektur in die eine Richtung.

Aber auch in die andere Richtung korrigiert MacArthur. Einerseits dürfen wir Gottes Zorn nicht vergessen, andererseits aber auch nicht seine Liebe (gerade unter reformierten Christen). Hier wird der Anlass für das Buch noch deutlicher und der Blick auf „Die Liebe Gottes“ langsam aber sicher schärfer. Ergänzend und detaillierter dann die Unterscheidung zwischen der Liebe Gottes zur ganzen Menschheit inkl. der allgemeinen Zusage für alle Menschen (Kapitel 6) und der besonderen Liebe zu den Erwählten inkl. der Lehre von der ewigen Sicherheit (Kapitel 7 und 8).

„Gott ist Liebe“, was heißt das eigentlich? Kapitel 2 behandelt die Liebe als Eigenschaft Gottes, die „Agape“ als übernatürliche Liebe im Vergleich zur natürlichen Liebe und im Sinne von Selbsthingabe – in ihrer höchsten Form als Sühnopfer am Kreuz. Gott ist die Quelle der Liebe, und so sind „nur wahre Christen imstande, wirklich zu lieben.“ (S.42) Den Umkehrschluss für solche, die keine Liebe haben, finden wir im ersten Johannesbrief und MacArthur geht auch darauf ein.

Ausgehend von Römer 11, Vers 22, behandeln Kapitel 3 und 4 die Notwendigkeit einer ausgewogenen Betrachtung von der Liebe und dem Zorn Gottes. Eindrucksvolles Beispiel ist die Geschichte von Ninive, damals Hauptstadt des schrecklichen Großreichs Assyrien. Das Buch Jona lehrt die (Feindes-)Liebe Gottes. Das Buch Nahum dann das Gericht, aber auch dort die Güte Gottes (Nah 1:7). Die Erfüllung der Gerichtsankündigung findet sich in 2. Könige 19:35-37.

Die eingangs gestellten schwierigen Fragen behandelt Kapitel 5 gesondert: „Ist die Liebe Gottes kinderleicht zu verstehen?“ Falsche Antworten wie Allversöhnung, Vernichtungslehre oder auch Hypercalvinismus werden zurückgewiesen. Wichtig ist ein gesundes Gottesbild, das auch offene Fragen zulässt: „Wenn wir über die Liebe und den Zorn Gottes nachdenken, bekommen wir es oft mit Dingen zu tun, die »zu wunderbar« für uns sind.“ (S.100; mit Verweis auf Psalm 139:6)

Angehängt sind noch vier interessante Beiträge. Die Überschrift „Gott hat keinen Zorn“ (Predigt von Thomas Chalmers, 1780-1847) ist etwas irreführend, trifft aber die Richtung: Gott verherrlicht sich vor allem durch die Rettung von Sündern, nicht durch deren Verdammnis. Anhang 2 beschäftigt sich mit der Liebe zu den Nicht-Erwählten (Andrew Fuller, 17. Jh.), Anhang 3 ist eine evangelistische Predigt über Jesus Christus, den „Retter der Welt“ (Thomas Boston, 1724). Das Buch schließt mit einem Text von John Brown (1784-1858) über Johannes 3:16: „Christus starb nicht, damit Gott den Menschen liebe. Er starb, weil Gott den Menschen liebte. … Das Sühnopfer ist somit nicht die Ursache, sondern die Wirkung der Liebe Gottes.“ (S. 222f.)

Das Buch ist reich an wertvollen Gedanken zu dem so wichtigen Thema. Gott hat uns Menschen lieb, auch Dich. Es lohnt sich, das Buch zu lesen und tiefer darüber nachzudenken.