Kaiser, Christus allein

Christus_alleinBernhard Kaiser, Leiter des „Instituts für reformatorische Theologie“ (IRT) und Professor für Systematische Theologie an der Selye-János-Universität in Komárno/SLK legt hier eine überarbeitete Neuausgabe einer bereits 1996 erschienenen Schrift vor. Das Buch besteht aus 2 großen Teilen; „Das Heil in Christus“ und „Die Auseinandersetzung“.

Im ersten Teil erörtert Kaiser das in Christus vollbrachte Heil und dessen Zueignung an den Menschen. Er zeigt auf, dass sowohl die Rechtfertigung als auch die Heiligung im Opfertod Christi wurzeln und nur dort zu finden sind. Er stellt in einem Unterkapitel die Frage „Was ist biblischer Glaube?“. Darin arbeitet er die absolute Wichtigkeit des Wortes Gottes heraus. In einem weiteren Abschnitt fragt er „Wiedergeburt durch den Heiligen Geist – was ist das?“ Hier zeigt er auf, dass die Wiedergeburt völlig außerhalb menschlicher Möglichkeiten besteht. Er beschäftigt sich auch mit der Innewohnung Christi und versteht diese nicht wie die meisten Evangelikalen, also dass Christus in uns Wohnung macht, sondern als Rechtskategorie. Der Satz „Jesus lebt in meinem Herzen“, sei eine falsche Vorstellung physischer Innewohnung und läge der Heiligen Schrift völlig fern.

Im letzten Unterkapitel des ersten Teils beschreibt er seine Sicht von Heiligung, die sich aber nicht unwesentlich von der des Pietismus, der Heiligungsbewegung und des heutigen Evangelikalismus unterscheidet. Richtig ist, dass die Heiligung ebenso wie die Rechtfertigung nur im Opfertod Jesu zu haben ist und man nicht in einen „Frömmigkeitsstress“ zu verfallen braucht, worin man immer unfrei bleibt, da man genau weiß, nicht genug getan zu haben, um ein guter Christ zu sein. Kaiser warnt zu Recht immer wieder davor das aktuelle Wirken Gottes an uns heute vom historischen Werk Christi abzukoppeln.

Im zweiten Teil setzt sich der Autor mit aktuellen Strömungen exemplarisch auseinander (Katholizismus, Humanismus, Schwärmerei), indem er diese zunächst beschreibt, sie auf die biblisch geoffenbarte Wahrheit Gottes bezieht und schließlich widerlegt.

Soviel in Kürze zum Inhalt. Kann man das Buch nun empfehlen? Nun, man muss zunächst wissen, dass Kaiser aus einer klar calvinistischen Sichtweise schreibt und auch viel Wert auf das „Sakrament“ legt. Jegliches Agieren des Menschen wird als Werk und somit als Hinzutun zum Opfertod Christi gedeutet. Aus dieser Sicht heraus kann der Mensch, da er ja in Sünden tot ist, nicht einmal reagieren. Eine Entscheidung für Christus gibt es also nicht. Selbst die Behauptung, dass man durch das Hören des Wortes Gottes und des darin wirkenden Heiligen Geistes zu dieser Entscheidungsfreiheit befähigt wird, ist für Kaiser eine spekulative Ansicht. Dabei bemerkt man nicht, dass das eigene Lehrsystem selber in Spekulationen abgleitet und über die Schrift hinausgeht (z.B. Unterscheidung zwischen verborgenen und offenbarten Willen Gottes).

Kaiser schreibt viel Gutes und stellt durchaus berechtigte Anfragen an den Neupietismus, Watchman Nee und andere Vorstellungen. Seine Widerlegung der katholischen Sicht von Rechtfertigung kann man zustimmen. Auch seine Ausführungen zum Humanismus und der Schwärmerei sind in vielen Teilen von bibeltreuen Christen zu bejahen. Dennoch meine ich, dass er das Kind mit dem Bade ausschüttet und sofort von Humanismus oder Schwärmerei spricht, wenn auch nur ansatzweise die menschliche Seite mit seinem Erleben und den damit verbundenen Emotionen zur Sprache kommt. Dadurch bekommen seine Ausführungen einen überzogen rationalen, ja kalten und sterilen Anstrich. Ich weiß nicht, ob es hilfreich ist, jede andere als die eigene reformierte Sichtweise als mystisch, romantisch oder schwärmerisch zu bezeichnen. Sicher ist dies oft durchaus berechtigt, aber nicht zu pauschalisieren.

Dennoch kann ich das Buch wegen seiner vielen biblischen und apologetischen Hilfestellungen und der grundlegend bibeltreuen Ausrichtung, reifen Christen durchaus (bedingt) empfehlen. Jeder möge sich selber ein eigenes Urteil fällen, das Gute behalten und kein vorgefertigtes theologisches Lehrsystem unkritisch übernehmen.

Sebastian Gruner (Erlbach-Kirchberg)