Kirche und Homosexualität

Homo_verstehenSegnung von homosexuellen Paaren?

Einmal abgesehen von der ethischen Frage aus biblisch-christlicher Sicht, muss dieses Vorhaben auf dem Hintergrund der besonderen Promiskuität männlicher homosexueller Paare bedacht werden. Manche betonen, diese Segnung sei gerade eine Hilfe gegen die Versuchung zur Promiskuität, und es sei unverständlich, dass Christen nicht sofort dafür seien. Gewiss ist eine treue homosexuelle Partnerschaft mindestens das kleinere Übel als ein promisker homosexueller Lebensstil, auch wenn sie nicht dem biblischen Ethos entspricht. Der homosexuelle Mann sucht im Sexualkontakt mit einem anderen Mann unbewusst seine männliche Ganzheit zu finden, was ihm aber auf diese Weise nicht gelingen kann (siehe die Kapitel „Entstehung“ und „Therapie der Homosexualität“). Ist es dann sinnvoll, solches Suchen mit einem unangemessenen Mittel noch durch den Segen Gottes unterstützen zu wollen? Hilft Segen gegen Suchtcharakter, ohne dass dieser durch Einsicht durchbrochen wird? Das aber würde zur Auflösung der homosexuellen Partnerschaft führen.

Darum ist der Vorschlag der Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD) in der epd – Dokumentation Nr. 13/96 weise, dass nicht eine homosexuelle Partnerschaft, sondern (wenn überhaupt, Hrsg.) je ein homosexueller Mensch gesegnet wird. Das lässt offen, wie weit der Segen die Person aus einer aktuellen homosexuelle Partnerschaft herausführt, weil sie nicht dem Willen Gottes entspricht, wie es viele erfahren haben. Denn das Fundament einer homosexuellen Partnerschaft ist in der Regel eine bleibende psychische Problematik, die viele verzweifelt überspringen wollen.

Es kam verschiedentlich vor, dass homosexuell orientierte Christen, die in einer homosexuellen Partnerschaft lebten und sich öffentlich zu ihrer Homosexualität und dem Zusammenleben mit einem Mann bekannten, im Frieden mit ihrer Situation schienen, ja sich in einer Kirche für Schwule eingesetzt haben, von Gott damit überrascht (nicht von Menschen gedrängt) worden sind, dass er eine andere Lebensweise für sie vorgesehen habe. Sie erfuhren eine tiefgreifende Veränderung, heirateten oft nach einem Test von fünf Jahren. Die Beispiele in dieser Richtung sind zu vielfältig, als dass sie übersehen werden könnten. Die Betroffenen bestätigen in der Regel, dass dadurch ihre Gottesbeziehung sich wesentlich vertieft habe.

Noel Mosen war in den 70er Jahren aktiv in der Gay Task Force. Er war Mitbegründer der ersten neuseeländischen Schwulenkirche und lebte sehr promisk. 1982 erlebte er eine dramatische Christusvision. Er ist heute verheiratet mit einer Theologin. Ein anderes Beispiel ist Simon Deikstra, der über seine Erfahrung im Zyschtigsklub des Schweizer Fernsehens (Mai 96) berichtet hat. Er ist heute verheiratet und Vater. Joe Dallas hat seit seiner Jugend homosexuell gelebt. Fünf Jahre war er in der Schwulenkirche „Metropoliten Community Church“ als Geistlicher engagiert. Er bezeichnet sich rückblickend als „ein Meister im Formulieren der Schwulentheologie“. Nach dieser Theologie können Christen im Blick auf die in Christus geschenkte Freiheit ihre Homosexualität ausleben. Durch eine geistliche Erfahrung, die tiefer ging als sein bisheriges Christsein, wurde er von dieser Theologie und von seinem homosexuellen Lebensstil weggeführt. Dallas ist heute verheiratet, Vater und Autor von verschiedenen Büchern, die Betroffenen helfen, wenn sie eine Veränderung suchen.

Das Beispiel von Joe Dallas ist das genaue Gegenteil seines Vorbildes, des Schriftstellers Mel White. Dieser hat Bücher im Auftrag von Billy Graham und anderen evangelikalen Großen in den USA geschrieben. White hatte jahrelang versucht, durch Seelsorge und Therapie seine homosexuelle Orientierung zu ändern. Eines Tages gab er auf, verließ seine Familie und schloss sich der Schwulenkirche „Kathedrale der Hoffnung“ in Dallas an. Heute ist er Dekan dieser weltgrößten Gemeinde für Schwule. Für die Forschung würde es sich lohnen, die beiden Beispiele Mel White und Joe Dallas genauer zu studieren. Warum gelingt es dem einen, sich zu verändern, aber dem anderen nicht? War die Motivation von Mel White doch ungenügend (siehe Kapitel Therapie)? Es verzerrt die Wirklichkeit, wenn christliche Gruppen von Schwulen immer nur das Beispiel von Mel White zitieren, als Beleg dafür, dass der Versuch, sich zu ändern, hoffnungslos sei. Wir stellen Mel White und Joe Dallas nebeneinander dar, mit den offenen Fragen, die das hervorruft.

Kirchliche Segnung von homosexuellen Paaren? Wissen die Kirchen, was Gott mit dem jeweiligen Paar vorhat? Bei der Ehe zwischen Mann und Frau zielt die göttliche Ordnung auf eine lebenslange Beziehung ab. Und bei einem homosexuellen Paar? Vom Schwulenpaar Beni und Karl, das in der St. Galler Synode die Diskussion über eine Segnungsfeier ins Rollen gebracht hat, berichtete der „Tages Anzeiger“ vom 2.12.97:

„Karl braucht die Segnung nicht mehr. Er ist wieder Single.“

– Quelle: Homosexualität verstehen, S.19