„Lügenpresse“ – Glosse zum Unwort 2014

Luegenpresse

„Lügenpresse“ ist ein zu starker Ausdruck, doch Informationen werden offenbar öfter einseitig gefiltert. Und manchmal wird man dabei an Desinformation erinnert. Ehe jemand die Nazizeit bemüht, sollte er sich erinnern, dass diesen Begriff die 68er wieder aufgriffen und einer ihrer Slogans lautete: „Springer-Presse – halt die Fresse“. – Voltaire soll gesagt haben: „Wenn du wissen willst, wer dich beherrscht, musst du nur herausfinden, wen du nicht kritisieren darfst.“

Wen darf man heute nicht mehr kritisieren? Z.B. die Homosexuellenlobby? Wer sich zum Thema kritisch äußert, muss sich warm anziehen. Ihm wird nicht nur ein Feindbild unterstellt, er wird oft genug pathologisiert, gilt als homophob. Das aber ist kein Zeichen von Toleranz, sondern erinnert eher an autoritäre Ideologien. Es muss also die Frage erlaubt sein, inwiefern es im Zeitalter politischer Korrektheit noch real objektiven Journalismus geben kann? Die politische Korrektheit richtet sich ja nicht nach der Wirklichkeit, sondern nach ideologisch diktierten Vorgaben.

So kann man sich „trösten“ mit einer Weisheit, die schon Wilhelm Busch formuliert hat: „So manchmal steht im Zeitungsblatt, was sich nicht ereignet hat!“ Aktualisiert für unsere Tage könnte es heißen: „In der Tagesschau ist oft zu sehen, was in der Tat so nicht geschehen.“ Oder sollte man es gar mit Eugen Roth halten? „Ein Mensch, der Zeitung liest erfährt, die Lage ist noch ungeklärt. Da dies seit Adam so gewesen, warum dann noch die Zeitung lesen?“

– Alexander Seibel, in BGDL ( Februar 2015) // Bild: ©pixabay (CC0 1.0)