MacArthur, Biblische Seelsorge

biblische_seelsorgeEin Süchtiger fragte unseren Pastor um Hilfe. Auf dem Treffen mit den Ältesten waren sich alle einig, für solche „Fälle“ seien „Experten“ zuständig. Ist das auch Ihre Meinung? Ich persönlich hatte damals nicht zustimmen können, und das vorliegende Buch ist mir eine wertvolle Bestätigung.

Zum wichtigen und aktuellen Thema beginnt MacArthur: „Ungefähr im Laufe der vergangenen 40 Jahre hat sich die Seelsorge beständig aus der Gemeinde in die Kliniken verlagert. … Doch hat sich der geistliche und emotionale Zustand der Gläubigen durch diesen Trend verbessert?“ (S.16)

Wer in diese Rhetorik nicht einstimmen kann, hat sich entweder mit dem Thema noch nicht wirklich befasst, oder aber er hat die psychotherapeutische Brille schon längst aufgesetzt. Beiden sei das Buch empfohlen. Es erhebt zurecht den Anspruch eines „Lehrbuchs für biblische Seelsorge oder für Pastoraltheologie an weiterführenden christlichen Schulen und auf akademischen Niveau.“ (S.9)

Sehr ausführlich wird darin der seelsorgerliche Standort der heutigen Gemeinden beschrieben bzw. kritisiert und die von vielen Christen sooft gepriesene Psychotherapie zurückgewiesen, um an ihre Stelle den biblischen Weg der Seelsorge aufzuzeigen und zu verteidigen. „Christliche Psychologie“ ist ein Widerspruch in sich selbst, da sich die biblischen und säkularen Grundannahmen gegenseitig ausschließen, z.B.:

  • ist die menschliche Natur entweder böse oder gut
  • ist die Weisheit entweder bei Gott oder beim Menschen
  • ist die Verantwortung meine oder die der anderen
  • ist das Problem Sünde oder ich bin einfach krank

Nach dem bekannten Seelsorger Jay E. Adams ist Seelsorge „Konfrontation, die in dem Bemühen und zu dem Zweck geschieht, etwas zu verändern, das Gott verändert sehen will.“ (S.51) Ihre Ausrichtung ist theozentrisch, ihr Ziel ist die Heiligung. Allein die biblische Wahrheit macht frei und nur der Geist Gottes schenkt die nötige Kraft im Kampf gegen die Sünde. Damit ist auch klar, dass hier nur Christen den Christen helfen können. Allen anderen steht der biblische Weg der Seelsorge nicht offen.

Wayne Mack, Seelsorger in MacArthurs Gemeinde, behandelt in Teil III ausführlich die praktischen Schritte der Seelsorge: (1) Aufbau von Vertrauen auf Grundlage von Mitgefühl, Respekt und Aufrichtigkeit; (2) Vermitteln von Hoffnung ohne Leugnen der Realität; (3) Sammeln und Interpretieren von Information aus biblischer Sicht; (4) Unterweisen mit hilfreichen Methoden; (5) Motivieren nach biblischen Prinzipien und Widerstände überwinden; (6) Einbindung des Gelernten in den Lebensalltag.

Gegen Ende des Buches schreibt noch einmal MacArthur und lehrt über den Dienst biblischer Seelsorge in Bezug auf Predigt („Sola Scriptura“), Geistesgaben (vs. „Experten“) und Gemeinde. Abschließend wird noch einmal auf bestimmte Fragen und Einwände eingegangen, im Anhang findet sich ein hilfreicher persönlicher Fragebogen zum ersten Kennenlernen in der Seelsorge. Ausführlich werden im eigenen Kapitel 18 weiterführende Bücher und Materialien vorgestellt, wovon auch einiges in deutscher Sprache erhältlich ist.

Theologisch solide wirken die verschiedenen Autoren dem unheilvollen „Psycho-Trend“ in den Gemeinden entgegen und erinnern nicht nur unseren Pastor an seinen seelsorgerlichen Auftrag. Das Buch macht allen Christen Mut, ihr Vertrauen in allen „Fällen“ wieder auf Gott und sein allgenügsames Wort zu setzen. Viele praktische Punkte dienen dem Christen in seinem Bestreben, Christus ähnlicher zu werden bzw. als großer oder kleiner Seelsorger anderen Christen auf diesem Weg zu helfen.