Wie man mit Büchern (kein) Geld verdient

Bonhoeffer Auswahl Preis

So, auch das letzte Exemplar von Gremmels Bonhoeffer-Büchern ist schließlich verkauft. 6 Bände für sagenhafte 29,95 EUR. Ein gerechter Preis? Nun, es kommt auf den Zeitpunkt an. Nicht das Buch selbst und der Inhalt bestimmen heute den Preis, sondern sein Lebenslauf angefangen vom Druck bis zu seinem ‚Vergriffen‘ Status. Oft auch eine Leidensgeschichte nicht nur des Buches sondern auch seines Händlers, was dieser Beitrag vermitteln soll.

Die Buchpreisbindung macht es schwierig. Kommt ein Buch neu heraus, wird es zum festgesetzten Preis vermarktet und der gemeine Buchhändler springt mit auf den Zug. Er investiert fleißig in einige Exemplare und muss dann zusehen, dass er sie zügig verkauft oder, um im Bild zu bleiben, auf dem Zug verharrt, bis zum Ausverkauf dabei bleibt und nicht vorher schon abgeworfen wird.

Im Schnitt beträgt seine Marge etwa 30%, d.h. kostet ein Buch 10 EUR, kann der Händler es zum Einkaufspreis von 7 EUR beziehen. 3 EUR Gewinn pro Buch, abzgl. Versandkosten für Einkauf (und hier: auch Verkauf). Eine Herausforderung, will man sich und seine Familie davon ernähren. Die Kalkulation bleibt dem Leser überlassen, wie viele verkaufte Bücher es pro Tag bedarf, um etwa 3.000 EUR Rohgewinn zu erreichen, denn Miete und Kosten für Lager und Technik müssen ebenso gedeckt werden, Steuern werden auch erhoben. Allein um seine Krankenkasse bezahlen zu können, muss der Unternehmer schon 100 Bücher im Monat absetzen, vorausgesetzt es läuft alles optimal.

Und nun zur besonderen Schwierigkeit im Buchgeschäft. Beeilen muss sich der Buchhändler, und sich informieren. Wann wurde das Buch veröffentlicht? Wann fällt die Preisbindung? Oder ist das Buch vielleicht so gut wie vergriffen und bietet man eines der letzten Exemplare an? Ist das Buch selten geworden, lassen sich wieder hohe Preise durchsetzen. Doch wie sieht es in Zukunft aus? Ist eine Neuauflage geplant? Dann wird die alte Auflage wieder so gut wie wertlos sein. Der Anspruch an Recherche und Intuition ist jedenfalls hoch, die Preise gehen rauf und runter.

Spurgeon

Es gibt Buchhändler, die bestimmte Bücher nur noch nach Wegfall der Preisbindung kaufen. Dann nämlich gibt es dasselbe Produkt für die Hälfte des Preises oder sogar noch günstiger. War die Marge zu Beginn noch dünn aber wenigstens vorhanden, macht der Händler beim Verkauf zum Ramschpreis hingegen meist deutliche Verluste. So mancher geht das Risiko erst gar nicht mehr ein. Andere bleiben bei dem alten Preis, müssen dann aber Beschwerden (inkl. Rücksendungen) von Kunden entgegennehmen, die später den Billigpreis im Internet entdeckt haben. Der Onlineshop muss aufpassen, dass er mit seinen Angeboten nachkommt, denn Google macht den Preisvergleich einfach und ist gnadenlos im Urteil.

Zankaepfel

Die Screenshots oben zeigen, wovon ich hier schreibe. Es sind deutliche Preisunterschiede zwischen einst grob 50 EUR, sogar 100 EUR, dann 15 EUR und hier: 30 EUR – ein fairer Preis? Ärgert sich nicht auch der Kunde, der stolze 100 EUR bezahlt hat? Was sagen Sie?

Die Bonhoeffer Bände sind bei den Zulieferern vergriffen, es freut sich ganz am Ende nur amazon. Und wenn Sie über diese Seite hier bestellen, bekommen wir Provision – ohne Abzug von Versandkosten, und ganz ohne investierte Arbeitszeit (von diesem Beitrag einmal abgesehen). Verrückt. [Nachtrag: Von amazon distanzieren wir uns mittlerweile, nachdem wir auch dort unsere Erfahrungen als Verkäufer machen durften.]

– Bilder unten: Letztes Exemplar der Autobiographie von Spurgeon bei amazon – für 250 EUR; darunter letztes Exemplar von Schnepper, Zankäpfel der Kirche – für gut kalkulierte 196,90 EUR.