Müssen wir den Sabbat feiern?

Rabbi-Gebote

Heute werden die »Adventisten« allgemein nicht mehr als »Sekte« eingeordnet. Das hängt damit zusammen, dass sie – wenigstens in Deutschland – ihre Thesen nicht mehr so absolut und fanatisch vertreten. Sie sind inzwischen Gastmitglied in der »VEF« (»Vereinigung Evangelischer Freikirchen«). Auf das Auffällige und Besondere in ihrer Lehre möchte ich hier trotzdem etwas näher eingehen.

Wer sind die Adventisten?

Die »Siebenten-Tags-Adventisten« behaupten u.a., dass man als Christ die Speisegesetze des Alten Testamentes befolgen müsse. Im Zusammenhang damit unterhalten sie in Hamburg das »De Vau Ge-Gesundkostwerk«.

In der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts hat der Baptistenprediger William Miller aus Pittsfield (USA) aus ungewöhnlichen Ereignissen in Natur und Geschichte auf ein baldiges Weltende geschlossen. Mit der Bibel berechnete er die bevorstehende Wiederkunft von Jesus Christus. Er kam dabei auf das Jahr 1843. Als nichts geschah und auch der letzte von Miller angekündigte Termin, der 21.März 1844, vorübergegangen war, kam es zu einer Krise unter seinen Anhängern. Ellen Gould White, die »Prophetin«, meisterte sie indem sie erklärte, Jesus Christus sei zwar nicht auf Erden erschienen, er sei aber in das »himmlische Heiligtum« eingegangen. Dort habe er mit dem »Untersuchungsgericht« über die Erde begonnen. Erst wenn dieses beendet sei, werde er zum »Vollstreckungsgericht« auf die Erde kommen.

Seit dieser Zeit verkünden die Adventisten (Advent = Ankunft), dass die Wiederkunft von Jesus Christus unmittelbar bevorstehe. Frau White wollte außerdem in ihren Visionen erkannt haben, dass die Einführung der Sonntagsfeier an Stelle der Heilighaltung des siebenten Wochentages, des Sabbats, die schwerste Sünde der Christenheit sei. Die Adventisten halten sich selbst für die 144 000 Auserwählten aus der »Offenbarung von Johannes Kapitel 14«, die als einzige treue Erfüller der Gesetze Gottes das Himmelreich ererben werden. Also werben sie als »Missionare« – oft ohne zu sagen, um was für eine »Mission« es sich handelt – für ihre Sache. Sie versuchen Christen von ihrem Glauben und ihrer Kirche abtrünnig zu machen, indem sie rufen: »Kommt zu uns, bei uns findet ihr das wahre Heil!«

Was muss man als Christ zu diesen Lehren und Ansprüchen der Adventisten sagen?

Jeder rechte Christ, der den Herrn Christus lieb hat, wartet auf die Wiederkunft seines Herrn. Dieses Warten ist uns vom Herrn selber geboten (Lukas 12, 35f.) Aber der Herr hat auch gesagt: »Von dem Tag und der Stunde weiß niemand, auch die Engel nicht im Himmel, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater. Sehet zu, wachet und betet; denn ihr wisset nicht, wann es Zeit ist.« (Markus 13, 32f.) »Fasset eure Seelen in Geduld.« (Lukas 21,19) – Also: Jesus Christus hat ganz gewiss nicht gewollt, dass man seine Wiederkunft berechnen sollte!

Alle Ungeduld, die vorher an sich reißen möchte, was noch göttliches Geheimnis ist und bleiben soll, stellt sich gegen Gottes Willen. Darum führen eigenmächtige Berechnungen und falsche Prophezeiungen die Menschen in Irrtum, Enttäuschung, Verzagtheit und Abfall vom Glauben, wie es die Adventisten in ihrer Vergangenheit selber erlebt haben.

Die Adventisten sagen:

Der im Sittengesetz der »Zehn Gebote« gebotene Feiertag, der siebente Tag der Woche, der Sonnabend, ist nach der Lehre von Jesus Christus und der Apostel und ihrem Beispiel als göttlicher Ruhetag anzuerkennen und zu beachten!«

Die Antwort:

Es ist richtig, dass das 3. (4.) Gebot ursprünglich lautet: »Du sollst den Sabbat heiligen!« – Es ist aber falsch, zu meinen, dass die »Zehn Gebote« vom Berg Sinai uns heute noch in der Gestalt gelten, wie sie einst dem Volk Israel gegeben worden sind. Mit Recht sind in Martin Luthers Katechismus beim ersten Gebot, das ursprünglich lautet: »Ich bin der Herr dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus dem Diensthause, geführt habe«, die Worte »der ich dich… usw.« gestrichen worden, weil sie sich ausschließlich auf das Volk Israel beziehen.

Ebenso ist es mit dem Sabbat! Der Herr Jesus hat uns gelehrt, die Gebote Gottes nicht nach dem Buchstaben, sondern nach ihrem Geist zu erfüllen. Wenn es darauf ankommen würde, den Buchstaben zu befolgen, dann wäre die Frömmigkeit der Pharisäer, die Jesus Christus so heftig bekämpft hat – z.B. Matthaus 5, 20; Matthäus 23, 23 – die rechte gewesen. »Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig«, sagt Paulus mit Bezug auf die Stellung des Christen zum Gesetz des Alten Bundes! (2. Korinther 3, 6)

Geist und göttlicher Sinn des 3. (4.) Gebots aber liegen darin, dass Gott dem Menschen nach sechs Arbeitstagen einen Feier- und Ruhetag gewahrt und gebietet. Man würdigt Gott zu einem Kleinigkeitskrämer herab, wenn man behauptet, Gott poche auf den siebenten Wochentag und ließe keinen anderen als Feiertag zu.

Darum sagt Martin Luther: »Der Inhalt des dritten Gebotes ist nicht also an Zeit gebunden, wie bei den Juden, dass es eben müsse dieser oder jener Tag sein; denn es ist keiner an sich selbst besser als der andere. Weil aber von alters her der Sonntag dazu bestellt ist, soll man´s auch dabei bleiben lassen, auf dass es in einträchtiger Ordnung gehe und niemand durch unnötige Neuerung eine Unordnung mache.« (Brief wider die Sabbather)

Der Gott der Adventisten hat große Ähnlichkeit mit dem Gott des jüdischen Talmud, der das Leben seiner Menschen mit Paragraphengesetzlichkeit reglementiert. Ein Christenmensch aber soll in der »Freiheit leben, zu der uns Christus befreit hat!« (Galater 5, 1)

Aber hat nicht auch Jesus Christus den Sabbat gehalten?

Gewiss hat er ihn gehalten, aber nicht, um uns an das Sabbatgesetz zu binden, sondern weil er das Gesetz seines Volkes auf sich nehmen musste, um uns vom Gesetz zu erlösen. So steht geschrieben: »Da aber die Zeit erfüllet ward, sandte Gott seinen Sohn, ge-boren von einem Weibe und unter das Gesetz getan, auf dass er die, so unter dem Gesetz waren, erlöste, dass wir die Kindschaft empfingen.« (Galater 4, 4f.)

Darum war es auch ein deutliches Zeichen ihres Glaubens an den, der sie gelehrt hatte, die Gebote Gottes in Geist, Glauben und Liebe zu erfüllen, wenn die Christen schon sehr früh dazu übergingen, statt des Sabbats, den sie als Glieder ihres Volkes zunächst noch gehalten haben, den Sonntag zu feiern. Schon im Neuen Testament gibt es deutliche Hinweise dafür, dass in der frühen Christenheit bereits der erste Wochentag – nicht als heidnischer Festtag, wie uns die Adventisten weismachen wollen, sondern – als »Tag des Herrn«, d.h. als Gedenktag an die Auferweckung von Jesus Christus begangen wurde. Apostelgeschichte 20, 7; 1. Korinther 16, 2; Offenbarung 1, 10. – Es kann keine Rede davon sein, dass erst Kaiser Konstantin – wie behauptet wird – den Sonntag als Feiertag der Christen eingeführt hat.

Die Adventisten sagen:

»Der Sabbat ist eine tragende Säule im Herzenstempel jedes Adventisten. Bricht er sie, so droht der Einsturz des Tempels. Wer den Sabbat verliert, steht in Gefahr, alles zu verlieren.«

– Adventsbote 1952

Wir fragen:

Wenn das die richtige christliche Einstellung zum Sabbat sein soll, warum hat der Herr in den Seligpreisungen nicht auch die selig gepriesen, welche den Sabbat heiligen? Warum haben die Apostel in ihren Briefen nicht ihre Gemeinden zum treuen Halten des Sabbats ermahnt? Warum haben die Apostel in dem auf dem ersten Apostelkonzil zu Jerusalem (Apostelgeschichte 15) beschlossenen Dekret von den zum Christentum übertretenden Heiden nicht die Heiligung des Sabbats verlangt? (Apostelgeschichte 15, 20+29)

Antwort:

Weil ihnen nichts am Sabbattag lag! Darum schreibt der Apostel Paulus: »So lasset nun niemand euch Gewissen machen über Speise oder über Trank oder über bestimmte Feiertage oder Neumonde oder Sabbate; welches ist der Schatten von dem, das zukünftig war…!« (Kolosser 2, 16f.) Sabbat und Speisegesetze gehören also zum Schatten, der vergangen ist!

Warum sollten wir Christen wieder in den Schatten zurücktreten, wenn wir in der Sonne – Christus – leben können? Warum sollten wir ein Gesetz auf uns nehmen, das uns nicht selig machen kann und das Christus für uns erfüllt und damit abgetan hat? Denn »Christus ist des Gesetzes Ende, wer an den glaubt, der ist gerecht.« (Römer 10, 4)

Wir Christen dürfen den Sabbat nicht feiern

Denn den Sabbat feiern, bedeutet Rückschritt in den Judaismus, wie der Apostel ihn im Galaterbrief so entschieden bekämpft hat. Dort schreibt er: »So besteht nun in der Freiheit, zu der uns Christus befreit hat, und lasset euch nicht wiederum in das knechtische Joch fangen!« (Galater 5, 1) – Das ist an Menschen geschrieben, die – wie die Adventisten – heute meinen, sie wären erst dann richtige Christen, wenn sei einen Teil des jüdischen Gesetzes auf sich nehmen würden.

Wir Christen aber wollen uns nicht auf einen falschen Weg locken lassen, wir wollen uns ernsthaft mühen, die Gebote Gottes im Geist von Jesus Christus zu erfüllen und uns Woche für Woche am »Tage unseres Herrn« das Evangelium von der frei- und seligmachenden Gnade Gottes verkündigen lassen.

 

Literatur:
Pastor Günther Siedenschnur, in Verlag »Kirche und Mann«, Gütersloh