Heißes Eisen Organspende

OrganspendeDr. med. Peter Beck ist Chefarzt an der Klinik für Innere Medizin der Rems- Murr-Klinik Waiblingen. Zuvor war er Arzt in einem Zentrum für Organtransplantationen. Eine Stellungnahme.

Als Arzt an der Medizinischen Hochschule in Hannover – einem Zentrum für Organtransplantationen – war ich noch von der Richtigkeit der Transplantationsverfahren überzeugt. Das änderte sich, als ich als Chefarzt – letztinstanzlich – einen Patienten auf der Intensivstation für tot erklären musste. Die Explantation wurde entsprechend den allgemeingültigen Kriterien durchgeführt. Dramatisch hat mir aber Gott deutlich gemacht, dass ich Ihn nicht gefragt habe – für Ihn ist Hirntod nicht gleich Ganzkörpertod, für Ihn ist das Gehirn nicht das wichtigste Organ, für Ihn besteht der Mensch ausserdem aus Leib und Seele und Geist (1.Thess 5,23).

Organentnahme setzt in vielen Fällen, zum Beispiel bei der Niere und der Knochenmarkspende, nicht den Tod des Spenders voraus. Es ist eine Lebendspende möglich. Die Entfernung des Herzens, der ganzen Leber und der ganzen Lunge setzt jedoch den Tod des Spenders voraus. Früher wurden diese Organe gleich nach dem Ganzkörpertod des Spenders verpflanzt und hatten, auch wenn sie nur kurz tot waren, eine schlechte «Angehrate», das heisst, der Transplantationserfolg war sehr gering. Im Dezember 1967 transplantierte Prof. Barnard erstmals erfolgreich ein Herz. Daraufhin wurden vier weitere Herzen weltweit transplantiert. Im August 1968 schlug die Kommission der amerikanischen Universität Harvard vor, den Hirntod als gleichbedeutend mit dem Tod des Menschen zu erklären. Danach stieg die Zahl der Herztransplantationen in den USA und weltweit rasant an.

Bei der Diagnose des Hirntods lassen sich in mehreren Untersuchungen zu verschiedenen Zeitpunkten keine Gehirnaktivitäten mehr messen. Ob aber der betreffende Mensch dann auch keine seelischen Empfindungen mehr hat, die ja nicht messbar sind, lässt sich nicht feststellen. Jedenfalls produziert das «hirntote» Gehirn im Falle von hirntoten Frauen noch Hormone, die die Schwangerschaft steuern, bis das Kind erfolgreich zur Welt kommt.

Der Hirntod wird heute oft mit dem Tod des Menschen gleichgesetzt. Dieser Tote hat aber Organe, die gerade sehr lebendig sein sollen, sein müssen, damit sie erfolgreich transplantiert werden können. Sind sie es nicht, dann «gehen sie nicht richtig an». Die Krankenkassen bezahlen festgelegte Preise für entnommene Organe: Der (Hirn-)Tote wird auf der Intensivstation sehr aufwändig weiterbeatmet und -gepflegt, damit die Organe, wenn man sie braucht, in bestem Zustand entnommen werden können. Die Krankenkassen zahlen also für die oft tagelange Pflege eines angeblich Toten. Nach den Organentnahmen werden die Beatmung und alle Infusionen abgeschaltet – erst jetzt ist der Mensch «richtig» tot. Was war er dann aber vorher? Jedenfalls war er nicht ganz körpertot.

Spätestens seit wir erlebt haben, dass «hirntote» Frauen sogar Kinder ausgetragen haben, müssten wir unsere Diagnose und unser ganzes Gedankengebäude von Hirntod und Transplantation hinterfragen. Die Krankenkassen zahlen für die lebenden Organe eines Hirntoten. Erst nach dem Herztod sind auch alle Organe tot – dann bringt die Organtransplantation nichts mehr.

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Gemäss 3. Mose 17 liegt das Leben jedes Fleisches in seinem Blut: «Denn die Seele des Fleisches ist im Blut» (3.Mo 17,11). Es heisst also nicht: Das Leben liegt in seinem Gehirn oder Kopf oder ähnlichem, sondern in seinem Blut. Das bedeutet auch: Erst wenn das Blut nicht mehr fliesst, ist der Mensch bei Gott tot. Dann erübrigt sich aber auch jede Transplantation, da dann die Organe auch nicht «angehen».

Als Notarzt wird man auf der Strasse niemals allein nach neurologischen Kriterien entscheiden, ob jemand tot ist. Tot ist der Mensch erst dann, wenn das Herz nicht mehr schlägt, der Kreislauf beendet ist, ebenso die Atmung, zum Schluss auch das Gehirn keine Reflexe mehr zeigt. Ärzte messen also mit zweierlei Mass den Tod des Menschen: einmal zum Zwecke der Organentnahme und zum anderen wie allgemein verständlich und gültig. Genau genommen ist der Hirntote also im Sterbensprozess: Ohne künstliche Beatmung würde das Herz rasch stillstehen, der Mensch wäre bald tot, aber er ist eben noch nicht ganz tot. Somit ist Hirntod nicht gleich Ganzkörpertod.

Nun zur anderen Seite: die der Organempfänger. Transplantierte Organe «gehen» nur bei eineiigen Zwillingen ohne Medikamente «an». Für alle anderen Menschen gilt, dass wir durch unsere Körperabwehr (Immunologie) alles Fremde abwehren, also auch andere Organe. Diese Fähigkeit hat Gott geschaffen. Daher muss die Körperabwehr bei dem Organempfänger ein Leben lang mit sehr starken Medikamenten unterdrückt werden. Dies hat entsprechende Folgen: Die Infektionsrate dieser Menschen ist stark erhöht, ebenso Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, Osteoporose etc. Besonders aber ist das Krebsrisiko um das mindestens 15-fache gegenüber der Normalbevölkerung erhöht. Daher bin ich überzeugt, dass eine lebenslange chemotherapieähnliche Unterdrückung der Körperabwehr nach der Transplantation nicht gottgewollt ist.

Obwohl die Menschen schon früher die inneren Organe wie Herz und Nieren kannten und obwohl Gott, der Schöpfer, auch Schöpfer des Gehirns ist, wird das Wort «Hirn» oder «Gehirn» in der Bibel nicht erwähnt. In der Bibel ist das Herz das Zentrum des Lebens. Tote sind in der Bibel immer ganz tot, nicht nur nach bestimmten Kriterien.

Nach dem Wort Gottes ist unser Körper ein Tempel des Heiligen Geistes (1.Kor 6,19), das heisst, er gehört uns nicht. Wir haben uns nicht selbst erschaffen. Auch meine Niere, meine Lunge, mein Herz gehören nicht mir, sondern Gott. Ihm gegenüber bin ich verantwortlich. Ihn allein muss ich fragen: «Willst Du, Gott, dass ich meine Organe weitergebe?» Natürlich kenne ich die Not und das Leid vieler Patienten, die auf ein neues Herz, eine neue Lunge hoffen. Letztendlich hoffen sie aber, dass jemand für sie stirbt.

Bestimmte Begriffe sind in der Bibel grundsätzlich wichtig, so wie «die Grenze». Es heisst, «verflucht ist, wer die Grenze eines anderen versetzt» (5.Mo 27,17), das heisst, nicht nur seine Grundstücksgrenze versetzt, sondern nach meiner Meinung jede Grenze des anderen, also auch die Grenze zwischen Leben und Tod. Es heisst auch: «Du sollst nicht begehren nach allem, was dein Nächster hat» (2.Mo 20,17) – auch nicht sein Herz, seine Lunge, seine Leber etc. Viele schwerkranke Menschen hoffen, dass sie bald ein neues Herz oder eine neue Leber bekommen. Sie wollen «gar nicht wissen, von wem das neue Organ kommt» (Zitat zahlreicher Patienten). Sie hoffen letztlich auf den Hirntod eines anderen Menschen, um dessen Organe zu begehren.

Gott hat in Seiner Schöpfung alles sehr gut gemacht, gerade auch den Menschen (1.Mo 1,31), also auch seine Körperabwehr. Damit wird der Mensch auf grossartige Weise gegen alles Fremde geschützt. Diese Körperabwehr muss nun beim Patienten, der ein fremdes Organ erhält, ein Leben lang massiv unterdrückt werden – also entgegen der schöpfungsgemässen Ordnung.

Es heisst in der Bibel auch: «… wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn» (Röm 14,8). Wir gehören nicht uns selbst, auch nicht unser Körper. Und so, wie der Ruf in Bezug auf die Forderung nach Abtötung eines Ungeborenen (Abtreibung) falsch ist: «Mein Bauch gehört mir!», so gehören auch unsere Organe nicht uns selbst, sondern Gott.

Ich kann also auch keinen Organspende-Ausweis haben, ohne – letztendlich – das Einverständnis Gottes dafür zu haben. Wir müssen Ihn, und nicht die Kirchen oder die Ärzte oder die Juristen, fragen: «Willst Du, Gott, dass ich meine Organe spende bzw. dass ich fremde Organe in meinen Körper, der Dir gehört, aufnehme?» Gott sagt aber auch manchmal Ja zu Ausnahmen von der Regel, wie Beispiele aus dem Alten Testament zeigen. Von daher könnte ich mir vorstellen, dass bei Lebend-Organspenden solche «göttlichen Ausnahmen» möglich sind. Aber es ist immer noch Gott, der das entscheidet. Ihn müssen wir fragen! Selbst in der Präambel zum deutschen Grundgesetz wird betont, dass wir alle Dinge in Verantwortung vor Gott tun sollen.

– Dr. med. Peter Beck, in Mitternachtsruf

 

Wussten Sie schon…?

  • Hirntote müssen auf dem Operationstisch festgeschnallt werden. Sie erhalten Medikamente zur Ruhigstellung.
  • Beim Einschnitt in den Körper kann es zu Blutdruck-, Herzfrequenz- und Adrenalinanstieg kommen. Bei anderen Operationen gelten diese Zeichen als Hinweise auf Stress bzw. Schmerz.
  • Viele Anästhesisten geben vorsichtshalber Schmerzmittel und Narkose, andere noch nicht einmal das. Kein Mensch weiß sicher, was der Hirntote empfindet.
  • Die Bauchdecke wird vom Hals bis zum Schambein aufgeschnitten. Die Hautlappen werden so gehalten, dass eine „Wanne“ entsteht, die mit bis zu 15 Liter eiskalten Wassers gefüllt wird. Die Organe werden mit eiskalter Perfusionslösung durchspült, das Blut wird abgesaugt. Die Ärzte legen die Organe bei schlagendem Herzen frei und präparieren sie für die Entnahme.
  • Die Beatmungsgeräte und Monitore werden erst nach der Explantation abgestellt.
  • Ein friedvolles und behütetes Sterben, vielleicht im Beisein von Angehörigen, ist bei einer Organentnahme nicht möglich. Sterbebegleiter sind die Transplantationsmediziner, die in Teams anreisen und nacheinander die Organe entnehmen.

Zur Frage einer Aufklärung über Organspende erklärte Prof. Dr. jur. Hans Lilie, Geschäftsführender Direktor des Interdisziplinären Zentrums Medizin-Ethik-Recht der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg bei seinem Vortrag „10 Jahre Transplantationsgesetz – Verbesserung der Patientenversorgung oder Kommerzialisierung?“ auf dem 110. Deutschen Ärztetag in Münster am 16. Mai 2007:

Anders als bei herkömmlichen Heileingriffen erfordert die freiwillige Erklärung zur Organspende keinerlei ärztliche Aufklärung. Eine Ausnahme von dem Verzicht auf ärztliche Aufklärung besteht nur bei der Einwilligung in eine Lebendspende gemäß § 8 Abs. 1 Nr. 1b TPG. In allen anderen Fällen bleibt es den Einzelnen überlassen, sich selber die notwendigen Informationen zu besorgen, sodass eine Organspende auch dann zulässig ist, wenn der Betreffende sich für die Spende ausgesprochen hat, ohne über die Einzelheiten zuvor aufgeklärt worden zu sein. Dogmatisch erklärt sich das aus der Tatsache, dass es – anders als beim ärztlichen Heileingriff – bei der Organspende nicht um die Verletzung der körperlichen Integrität eines Lebenden und den damit verbundenen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht geht. Bei der postmortalen Organspende wird nur das über den Tod hinaus wirkende Persönlichkeitsrecht des Verstorbenen verletzt, wenn die Organentnahme ohne Einwilligung erfolgt.

Der Deutsche Berufsverband für Pflegekräfte e.V. (DBfK) stellt fest:

Die Würde des Menschen und die Achtung vor dem Tod treten gegenüber den Interessen der Transplantationsmedizin und wirtschaftlichen Interessen zurück.

www.initiative-kao.de