Paul Maier, Rom in Flammen

rom-in-flammen-maierDie letzten Worte des Vorworts sind vielsagend und wichtig: „Obwohl einige der Episoden auf den folgenden Seiten uns erschaudern lassen oder unser Feingefühl beleidigen mögen, sind alle historisch – keine ist erfunden; es wäre unaufrichtig gewesen, diese Stellen auszusparen.“ (S.8)

Und so bekommt der Leser in einfach zu lesender Romanform einen z.T. unterhaltsamen, manchmal schwer verdaulichen, aber auf jeden Fall realistischen Einblick in die römische Kultur zur Zeit der großen Christenverfolgung unter Nero. Wie waren die politischen, gesellschaftlichen und moralischen Verhältnisse damals? Wer war Nero, von welcher Herkunft war er? (Seine schreckliche Mutter Agrippina gab ihrer Geburtsstadt den Namen „Colonia Agrippinensis“, heute: Köln.) Wie kam es zur großen Christenverfolgung? In welcher Beziehung standen Paulus und Petrus zu Rom und Nero? Wie erging es den Christen damals, welchen Stand hatten sie in der Gesellschaft?

Der Historiker Paul L. Maier, Professor für Alte Geschichte, beginnt einige Jahre vor Nero, bei seinem Vorgänger Claudius. Sprachgewand zeichnet er die verworrenen Familienverhältnisse der Kaiser und des römischen Adels, die Intrigen der damaligen Zeit sowie die unmoralischen Entwicklungen, die gegen Ende von Neros Leben schließlich ihren Tiefpunkt erreichen. Die knapp über 500 Seiten sind schnell gelesen und jedes der 32 Kapitel wird mit Anmerkungen zu den entsprechenden historischen Überlieferungen untermauert. Es ist die Authentizität der Geschichte, die sie so spannend macht.

Bekanntlich lässt sich aus der Geschichte lernen: (1) Früher war eben doch nicht alles besser. (2) Kein Wunder, warum die Christen damals „Rom“ mit „Babylon“ umschrieben haben. (3) Kein Wunder auch, warum Rom brannte wie lange vor ihr schon Sodom und Gomorrha. (4) Die Ausbreitung des Christentums geschah in allen gesellschaftlichen Schichten. (5) Wer damals Christus als seinen Herrn bekannte, der musste wirklich mit Konsequenzen rechnen. Der heutige Bibelleser durchlebt mit ihnen die Vergangenheit, die mahnenden wie tröstenden Bibelverse bekommen ihr Gewicht zurück.

„Rom in Flammen“ ist ein Schatz aus 2002, gefunden unter bereits aussortierten Büchern und heute nur noch selten, dann allerdings zum Ramschpreis zu haben. Nicht für alle, aber doch für einige ein echtes Leseerlebnis, aufgrund des biblischen Bezugs besonders für Christen.

 

„Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht zu töten vermögen; fürchtet vielmehr den, der Seele und Leib verderben kann in der Hölle! Verkauft man nicht zwei Sperlinge um einen Groschen? Und doch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater. Bei euch aber sind selbst die Haare des Hauptes alle gezählt. Darum fürchtet euch nicht! Ihr seid mehr wert als viele Sperlinge. Jeder nun, der sich zu mir bekennt vor den Menschen, zu dem werde auch ich mich bekennen vor meinem Vater im Himmel; wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den werde auch ich verleugnen vor meinem Vater im Himmel.“

– Matthäus 10,28-33