Carson, Ach HERR wie lange noch?

Carson Wie lange nochDonald A. Carson hat mit dem vorliegenden Buch wieder mal ein schwieriges und doch so wichtiges Thema behandelt – die Theologie des Leidens.

Geschrieben nicht für aktuell Leidende, sondern für alle Christen, um sich auf das Leiden vorzubereiten. Depressionen und seelische Verletzungen beruhen oft auf falschen Erwartungen. In vielerlei Hinsicht wirkt Carson hier dem falschen Wohlstandsevangelium befreiend entgegen.

Zu Beginn konfrontiert er den Leser mit drei schweren Erlebnisgeschichten und stellt ihm die quälende Frage: „Wo war da Gott?“ Wenige Zeilen später fordert er den Intellekt heraus: „Wenn Gott allmächtig und gut ist, warum verhindert er das Leiden nicht?“ „Wenn Gott will aber nicht kann, ist er dann allmächtig?“ Weit verbreitete aber immer noch falsche Antworten, Theologien und Philosophien deckt Carson zunächst auf und führt dann Schritt für Schritt durch das Thema, bevor er die Einzelteile zu einem Gesamtbild formt und so auf die Fragen ausgewogen antwortet.

Ursache alles Leidens ist das Übel in uns selbst – die Sünde. Ihre Geschichte, ihr Wesen und Gottes Antwort darauf bringen bereits Licht ins Dunkel. Und doch steht nicht jedes konkrete Leiden in direktem Kausalzusammenhang mit konkreten Sünden. Carson baut das Puzzle weiter zusammen, indem er Faktoren wie die Gesellschaft und den Staat, Armut, Kriege und Naturkatastrophen mit in die Betrachtung hineinnimmt. (Im Anhang behandelt er das Thema AIDS gesondert.)

Für Christen im speziellen ist der Abschnitt zur Züchtigung geschrieben. Eine solche ist nie angenehm sondern stets schmerzhaft, egal ob mit oder ohne bibeltreue Theologie. Andererseits hilft es uns sehr, Bibelstellen zu kennen, richtig zu verstehen und in ihnen immer wieder Trost zu finden. Carson behandelt hier vor allem Hebräer 12, Psalm 6, Habakuk und Römer 5.

Ebenso den Christen gelten die Gedanken zu Gegnerschaft und Verfolgung als natürliche Konsequenz der Nachfolge. Abschließend würdigt der Autor das formende und lehrreiche Leiden der geistlichen Leiter, wie es in der Bibel hervorgehoben wird. Leiden ist hier Vorrecht und Segen.

In Kapitel 6 behandelt Carson die Lehre von Gottes Zorn und von der Hölle und erreicht so die höchste Stufe alles Leidens. Er streift die Frage nach den Heiligen Kriegen im AT und Gemeindezucht im NT. Carson betont immer wieder, auch in der Seelsorge den Betroffenen keine falschen Lehren zu vermitteln. Gleichzeitig bietet er einfühlsame Worte an, mit denen man Leidenden praktisch begegnen kann.

Solche Worte brauchen wir besonders im Angesicht des Todes. In Kapitel 7 lehrt Carson über den Tod als letzte Folge der Sünde. Verschiedene Aspekte in der Relation von Tod, Krankheit und Sünde werden offen beleuchtet und der Leser wird so auf Kapitel 8 vorbereitet, in dem endlich die wichtige Perspektive der Ewigkeit eingenommen wird. Das Puzzle wird vollständig mit den theologischen Betrachtungen über Hiob und das Opfer Jesu am Kreuz in Kapitel 9 und 10.

Im Gesamtbild geht Carson besonders auf die bereits gestellte Frage ein, inwiefern Gottes Allmacht und Souveränität mit der menschlichen Verantwortung vereinbar sind. Seine ‚Vereinbarkeitsthese‘ belegt er mit zahlreichen Bibelstellen und lehrt auf dieser Basis, dass gerade Gottes Vorsehung unser größter Trost ist.

Fazit: Weisheit zum schwierigen Thema. Zur Krisenvorsorge besser als Gold.