Francis Chan, Der unterschätzte Gott

Chan_unterschaetzte_GottBekanntlich kann man in 15 Minuten mehr Wahrheit predigen, als der Zuhörer sein Leben lang befolgen kann. Ganz ähnlich ist das Buch „Der unterschätzte Gott“ von Francis Chan ein kurzer, aber herausfordernder Aufruf zu einem radikalen, geisterfüllten Glauben, dem nicht alle Leser folgen werden und zwar auch dann nicht, wenn das Buch mehr als 125 Seiten hätte.

Der Autor schreibt aus einer Unzufriedenheit über den gegenwärtigen Zustand der christlichen Gemeinden in der westlichen Welt heraus. Grund für die zunehmende Erbärmlichkeit ist die fehlende Leitung des Heiligen Geistes, schreibt Chan. Stattdessen leitet der Christ sich selbst und flüchtet sich in falsche Traditions- und Denkmuster, auch und besonders über den Heiligen Geist. Daher beginnt das Buch mit einem Aufruf, dem Thema offen und angstfrei zu begegnen. Chan bemüht sich dabei sehr, nicht aus einer charismatischen Schublade zu schöpfen, sondern verweist auf die Bibel und überzeugt den Leser exegetisch, mit Zitaten. So manche Festung wird dabei durchbrochen inkl. die der charismatischen Egozentrik.

Vieles in dem Buch dient im folgenden der Selbsteinschätzung im Sinne von: „Wann habe ich den Heiligen Geist das letzte Mal eindeutig am Werk gesehen, bei mir oder in meiner Umgebung?“ (S.23) Solche Gedanken und Fragen sollen nicht dazu dienen, sich schuldig zu fühlen, sondern herauszufordern. Nicht (nur) die Theorie über den Heiligen Geist (Kapitel 3) ist entscheidend, sondern vor allem die eigene Lebenspraxis als Christ. Viele bezeichnen sich als „Nachfolger“, ohne wirklich nachzufolgen. Francis Chan legt den Finger in die Wunde, spricht die Wahrheit aus und gibt uns hilfreiche Hinweise, wie wir daran etwas ändern können. Dazu streut er immer wieder kurze Biographien (wie diese) ein, um die Sehnsucht zu fördern und zu zeigen, was bei Gott alles möglich ist – unterschätzen wir Ihn nicht!

Das stärkste Argument ist das eigene Vorbild. Der Autor predigt nicht Wasser, während er selbst aber Wein trinkt. Sein Glaube ist radikal und sein Leben bezeugt es. Tief beeindruckt hat mich der Entschluss seiner Gemeinde auf Seite 116, wie die Urgemeinde leben zu wollen. Schon öfter habe ich mich gefragt, was ich über Apostelgeschichte 2:42-47 denken und den Gemeinden predigen sollte. Hier finden wir den Beweis, dass auch diese Textstelle tatsächlich heute noch anwendbar ist.

Wem das am Ende alles zu verrückt erscheint, dem ist schließlich noch ein Nachwort gewidmet. Christliche Leidenschaft ist nicht etwas Negatives, sondern sollte gefördert werden. Dämpfen und betrüben wir Christen nicht länger den Heiligen Geist.

Das Buch mag dazu ein Anfang sein.