Roland Antholzer, Trauern & Trösten

Antholzer_Trauern„Kaum irgendwo erleben wir unsere Hilflosigkeit so bedrängend wie da, wo wir einem Trauernden Trost vermitteln sollen.“ (S. 7) Ist das vielleicht auch Ihre Erfahrung? Das kleine Buch „Trauern & Trösten“ von Roland Antholzer gibt uns zur Hilfe einen guten Einblick in den üblichen Trauerprozess und die Möglichkeiten (und Grenzen) der Begleitung und Seelsorge.

Antholzer erklärt zunächst das Wesen von Trauer ganz allgemein als Reaktion auf eine Verlusterfahrung. Das kann ein Todesfall sein, eine Krankheit oder der Verlust des Arbeitsplatzes. Dem Trauerfall folgen in der Regel vier Phasen: Schock, Kontrolle, Regression und Adaption. Solch ein Trauerprozess – auch Weinen – ist wichtig, um das Erlebte angemessen verarbeiten zu können. Auch unter Christen sollte die Trauer nicht verwehrt werden. Auf die besonderen Punkte „Glaube, Sinn des Leidens, Selbstverleugnung und Hingabe“ geht der Autor in späteren Kapiteln ein.

Die Phasen der Trauer sind komplex und variieren je nach Menschentyp. Dennoch gilt – spätestens seit Hiobs Lebenserfahrung – die Grundregel, seine Worte vorsichtig und sparsam zu wählen. Erst in den späteren Phasen ist der Trauernde empfänglich für mehr Kontakt, emotionale Ordnung und Korrekturen falscher Denkmuster.

Will man wirklich Trost geben, darf man nicht „vertrösten“. Trostpflaster sind Selbstmitleid, Selbstbelohnung, Abwärts-Vergleichen, Beschwichtigungen, falsche Versprechungen und leere Appelle wie: »Kopf hoch!« Echter Trost hingegen „zeichnet sich dadurch aus, dass er in der Realität verankert ist und den so Getrösteten befähigt, in und mit der Realität zu leben.“ (S. 55) Im besten Fall kann der Verlust wieder rückgängig gemacht werden – und wer könnte das besser als Jesus Christus selbst, der den Tod überwunden hat und das Leben schenkt?

Seelsorgerische Voraussetzungen wie  Empathie, Demut und Barmherzigkeit werden hervorgehoben. Biblische Wahrheiten sind „leichter zitiert als durchlebt“. (S. 70) Stimmt die innere Haltung, ist Begleitung möglich und sinnvoll, kann Ermutigung und praktische Hilfe erfolgen.

Fazit: Man kann viel falsch machen, wenn man tröstet. Und dennoch werden wir gebraucht und das umso mehr, je näher man dem Betroffenen steht. Das Buch ist dabei ein guter Ratgeber und hilft, Erlebnisse und Worte richtig einzuordnen und biblisch damit umzugehen.