Rühle, Landeskirche ohne Gott

Landeskirche-ohne-Gott-Wolfgang-RuehleDer Autor dieses Buches ist seit seinem 22sten Lebensjahr bekennender Lutheraner und regelmäßiger Kirchgänger. Er arbeitete viele Jahre in verschiedenen Leitungsgremien auf Gemeinde- und Kirchenbezirksebene der Sächsischen Landeskirche mit, litt dabei aber vermehrt unter den bibelfeindlichen Entwicklungen dieser Institution. Im Gegensatz zu den meisten gläubigen Kirchenmitgliedern ertrug er diesen Zustand aber nicht in der Stille, sondern führte eine intensive Auseinandersetzung mit den verantwortlichen Pfarrern und Gremien. Diese nannte er „Kirchenkampf“ und dokumentierte alles sorgfältig. Heute gehört er zur SELK („Selbständige Evangelisch Lutherische Kirche“) in Dresden.

Wolfgang Rühle zeigt in diesem Buch auf, wie es um die evangelische Kirche in Sachsen steht. Seine Beobachtungen finden sich, unter Berücksichtigung regionaler Unterschiede, in ähnlicher oft noch verstärkter Form im gesamten deutschen Raum und decken sich mit denen vieler Christen, die das Wort Gottes ernst nehmen.

In dieser Bestandsaufnahme nimmt der Autor kein Blatt vor den Mund und benennt klar die katastrophale Situation einer Kirche, in der die Bibel längst nicht mehr das fehlerlose Wort Gottes ist, sondern lediglich menschliche Erfahrungen mit Gott schildert und bestenfalls noch Gottes Wort vermischt mit Menschenwort enthält; einer Kirche, in der die meisten Predigten humanistische Kurzandachten sind und deren Mitglieder größtenteils lediglich auf dem Papier dazu gehören.

Sehr lesenswert ist das Kapitel „Für und Wider“, in dem Rühle 26 immer wiederkehrende Argumente für einen Verbleib in der Kirche analysiert und diese sachlich widerlegt. Letztlich muss jeder sein Gehen, aber auch sein Bleiben vor Gott, aber auch vor Menschen verantworten.

Das Buch enthält „20 Anlagen zum Thema Kirchenkampf“, in denen der Autor seinen Briefwechsel mit verantwortlichen Pfarrern und anderen kirchlichen Organen dokumentiert. Sehr aufschlussreich ist dabei die Analyse eines Kursbuches für Konfirmanden, welches voller Bibelkritik steckt und in seinen Aussagen nicht glaubensfördernd, sondern glaubenszerstörend ist. So wird es als völlig selbstverständlich gesehen, dass das biblische Christentum nicht die einzige Wahrheit darstellt und dass der Gott der Bibel doch derselbe sei, wie der des Islams. Es wird behauptet, dass die Welt durch Evolution entstand und die Bibel Dinge berichtet, die man heute besser weiß. Diese Reihe ließe sich noch weit fortsetzen.

Interessant ist auch, dass fast keiner der Personen und Gremien mit denen der Autor korrespondierte bereit war, sich der sachlichen Kritik zu stellen und darüber zu diskutieren. Vielmehr wurde entweder die Taktik gewählt den Kritiker zu diffamieren und als lieblos, fundamentalistisch oder kritiksüchtig hinzustellen oder es wurde geschwiegen und auf Mails und Schreiben einfach nicht reagiert. Dem Rezensent sind derartige Reaktionen ebenfalls bekannt.

Das Buch ist, trotz der konfessionellen Prägung, die ich nicht in jedem Fall vertreten kann (Autor vertritt Säuglingstaufe, aber immerhin keine Taufwiedergeburtslehre), auf alle Fälle zu empfehlen, besonders für Christen die zur Landeskirche gehören. Man kann dem Autor nur danken für seine klare, aber nie lieblose Aufarbeitung der aktuellen Situation und sich wünschen, dass dieses Buch vielen die Augen öffnet. Leider lehrt aber die Erfahrung, dass derartige Bücher von den betreffenden Verantwortlichen totgeschwiegen werden anstatt sich den Inhalten sachlich zu stellen.

– Sebastian Gruner (Erlbach-Kirchberg)