Ryrie, Ihr werdet Kraft empfangen!

Ryrie_KraftDie etwas reißerische Übersetzung des englischen Titels „The Holy Spirit“ wird bei vielen falsche Erwartungen wecken. Wollen auch Sie es (nur) kaufen, um „Kraft“ zu empfangen? Vielleicht schenkt Gott es Ihnen sogar, dann aber auf Grundlage gesunder Lehre und nicht durch ein unbiblisches Wunder, wie es von vielen heutzutage versprochen wird. Nehmen wir es vorweg: Die sog. „Geistestaufe“ wird als einmaliges Ereignis bei der Bekehrung behandelt, später die sog. „Geisterfüllung“ in klarer Abgrenzung dazu. Phänomene wie den sog. „Toronto-Segen“ beurteilt der Autor unter „Salbungen“. Von schwärmerischer Charismatik distanziert sich das Buch, lesen Sie z.B. den treffenden Kommentar zu christlichen Spektakeln. (S.196)

Charles C. Ryrie hat im Buch ein „emotionales Thema sachlich aufgearbeitet“, so beschreibt es ein Rezensent bei amazon. Nach seiner Empfehlung hatte ich das Buch gekauft und wurde nicht enttäuscht. Es ist tatsächlich eine ausgewogene, biblisch-fundierte Ausarbeitung über die Lehre vom Heiligen Geist, detailliert geschrieben über 22 Kapitel auf 216 Seiten, dazu ein hilfreiches Sachregister. Für manche mag sie zunächst etwas trocken sein, auf jeden Fall sachlich und nüchtern, im Ergebnis aber ist sie für Christen (wie mich) einfach spannende Lektüre, weil sie die Wahrheit aufdeckt und so Licht ins Dunkel bringt. Machen wir uns nichts vor, in den meisten Gemeinden herrscht Verwirrung über den Heiligen Geist, sei es auf der einen oder auf der anderen Seite vom sprichwörtlichen Pferd.

Eine gesunde Beurteilung solcher Verwirrungen baut sich wie von selbst auf dem zuvor gelegten Fundament gesunder Lehre. Der Autor behandelt nahezu alles, was die Bibel über den Heiligen Geist offenbart: Sein Wesen (nicht Kraft, sondern Person), seine Gottheit, biblische Darstellungen (wie Feuer, Öl und Taube), seine Rolle bei Schöpfung, Offenbarung und Inspiration, sein Dienst für die Menschen im AT und für den Herrn Jesus im NT. Wer den Heiligen Geist auf den ersten 70 Seiten so gut kennengelernt hat, der ist ausreichend gerüstet für die Frage, in welcher Beziehung wir zum Geist Gottes stehen.

Kapitel 9 hakt ein großes Thema ab. Einleitend schreibt Ryrie: „Man muss nicht sehr lange im Dienst stehen, um mitzubekommen, wie oft Menschen durch die Möglichkeit beunruhigt sind, sie könnten den Heiligen Geist gelästert und damit jede Vergebung für sich unmöglich gemacht haben.“ (S.73) Klarheit der Lehre wird hier so manchen frei machen.

Darauf aufbauend ist weiter Raum für die Lehre der allgemeinen und besonderen Gnade sowie dann folgerichtig von der Wiedergeburt, der Innewohnung des Geistes, der Geistestaufe, der Versiegelung mit dem Geist, die Gaben des Geistes, Zungenrede, Geisterfüllung und Wirkungen des Geistes. Ryrie schließt mit 4 Seiten Eschatologie und etwas Kirchengeschichte. Anschauliche Grafiken und Tabellen verdeutlichen seine Position.

Der Leser (wie der Rezensent) wird dem Autor nicht auf allen Seiten 1:1 zustimmen. Mit der Bibel in der Hand aber kann eine solch umfassende, biblische Betrachtung über den Heiligen Geist nur ein Gewinn für jeden Christen sein. Zuletzt schreibt Ryrie:

„Die Geschichte lehrt uns, dass die orthodoxe Lehre nicht nur wichtig für den Glauben ist, sondern gleichermaßen wesentlich für das Leben. Und vielleicht ist die Vermählung von Wahrheit und Leben nirgendwo wichtiger als im richtigen Verständnis und in der richtigen Anwendung der Lehre über den Heiligen Geist.“

Ein empfehlenswertes Buch zum guten Preis.