Von der Ohnmacht psychotherapeutischen Handelns

Couch»Da haben wir alles analysiert: intuitiv, intelligent, konsequent. Mit Engelszungen und unter psychisch kräftiger Unterstützung des Partners, der Familienmitglieder haben wir jemandem Alternativen schmackhaft gemacht, die er selbst kreativ gefunden hat, haben sie behutsam eingeübt im Schonklima des Trockentrainings. Unser Klient überträgt seine neuen Erfahrungen erleichtert und hoffnungsvoll auf die Wirklichkeit dort draußen in der Familie, im Betrieb, bei den Freunden und Verwandten. Und die Umwelt reagiert sogar in der erwarteten Richtung, spielt mit. Gute Modelle werden erfahren, regen zur Nachahmung an, Lernschritte werden verzeichnet. Behandlungsprogramme erfolgreich abgewickelt. Gute Einfälle bei auftauchenden Widerständen gehabt. Das Zusammenspiel gelingt, unser Muster-Klient spielt immer schöner. Wir vernehmen den äußeren Wohlklang. Fühlen uns als Therapeuten bestätigt. Ein gutgegangener Fall. Obendrein untermauert mit schönen Tiefeneinblicken. Eigene Einfälle des Patienten zu seinen Träumen. Gestalttherapeutisch bearbeitet. Nimmt seinen Schatten an. Bewegende, mutige Selbstaussagen, Annahme peinlicher Gefühlsregungen und Phantasien.

Und da sagt er uns eines Tages doch wieder, dass er sich wertlos fühlt. In mühsamer Analyse der Blick dahinter: dass er nicht im Innersten und dauerhaft verzeihen kann, dass er gegenüber einem bestimmten Menschen, trotz aller inzwischen wohlgelungenen Konfliktlösungsgespräche, einfach immer wieder schlechte Gefühle wie Missgunst oder gar Hass empfinde. Hier nun beginnt sich Psychotherapie ohnmächtig im Kreis zu drehen. Sie kann nicht den inneren Frieden und damit letztlich auch nicht den äußeren machen.«

– Karl Herbert Mandel, Begründer der Kommunikationstherapie, zitiert in Was hilft wirklich?