Sollen wir die Bibel verteidigen?

Bibel-Lesen

Ich meine, die Zeit sei vorüber, da man es für eine notwendige Aufgabe hielt, die Bibel zu verteidigen. Sie ist nun so oft verteidigt worden, daß alles Weitere dieser Richtung unnötig ist.

Es geht der Bibel jetzt wie einem Waldkirchlein, das ich einmal sah. Es war vielen Stürmen ausgesetzt, dazu war es auf nicht ganz zuverlässigem Boden erbaut. Darum hatten die guten Leute gemeint, sie von allen Seiten stützen zu müssen, und sie hatten dazu noch einmal so viele Steine verwandt, wie in die Kirche selbst hineingebaut worden waren. So scheint es mir, hat man zweimal soviel zur Verteidigung der Bibel getan als zu ihrer Auslegung. Somit können wir es jetzt wohl der Bibel überlassen, sich selbst zu verteidigen.

Da sehe ich Leute um einen Löwenkäfig versammelt und beraten, wie man den Löwen verteidigen könnte. Mein kurzer Rat lautet: »Laßt ihn nur heraus, er wird sich schon selbst verteidigen!« Hei, wie würden seine »Verteidiger« auseinanderspritzen und alle Feinde dazu!

Unsere Antwort auf jeden Angriff gegen die Bibel ist die Bibel. Wer sie ohne Vorurteil studiert, wird sie auch bald verstehen und finden, daß niemand sie glänzend verteidigen kann wie sie selbst. Wer manche der Verteidigungsschriften gelesen hat, wundert sich am Schluß, daß er noch an diese Bibel glaubt. Er war durch die Verteidigung auf wer weiß wie viele Zweifel gestoßen worden, die ihm bisher noch nie begegnet waren.

Kurz, ich halte es mit dem 119. Psalm: »Dein Wort (dein Wort selbst!) ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege!«

Auch über die Kommentare will ich mit meiner Meinung nicht hinter dem Berge halten. Die meisten von ihnen sind geschrieben, um solche Teile der Bibel zu erklären, die uns selbst längst klar waren, was aber die dunklen Stellen anbetraf, über die wir gern Aufschluß erhalten hätten, so schwiegen sich die »Erklärer« in allen Sprachen aus oder machten das Dunkel noch dunkler.

So kehrte man enttäuscht zu seiner Bibel zurück. Wir wollten den Text liegen lassen. Er war uns zu hoch. Und doch zog es uns immer wieder hin zu ihm. Ob Gott uns gerade durch diesen Text etwas Besonderes sagen wollte? Wir beteten darüber, lasen wieder, schlugen die Parallelstellen auf, besahen jedes einzelne Wort, flehten um Licht von oben, und siehe da saßen wir mit einem Male wie Schatzgräber vor reichen Goldminen. Die Bibel sprach für sich selbst, und der Heilige Geist ließ sein Licht darauf fallen. Da waren wir wirklich »wie einer, der große Beute kriegt«.

Sollten wir da noch verteidigen? Nein, wir müssen verkündigen! Das ist unsere Aufgabe!

C. H. Spurgeon