Steuerschätzung

Mantelbögen

»Es begab sich aber …« An diesen Worten wird Gottes Eingreifen deutlich, der Neues entstehen lässt, schafft und setzt – so die Grundbedeutung dieses griechischen Wortes. Das Wort „aber“ unterstreicht, dass etwas ganz Neues, Unerwartetes geschieht: Gott greift ein in die Welt und handelt einzigartig in Raum und Zeit. Er setzt den Wendepunkt der Weltgeschichte, die nun ganz neu gezählt wird. Er bedient sich der Großen unserer Welt mit ihren strategischen Plänen – die dabei zu Statisten reduziert sind, um Gottes Heilsgeschichte zu wirken. Gott handelt in der Hauptstadt Rom und im letzten Winkel der Welt, und der Herr der Geschichte kommt zum Ziel!

»Es begab sich aber …« Was schwingt alles in diesen Worten mit. Vom Geschichtsschreiber Lactanius lesen wir (über eine spätere Volkszählung), wie brutal die römischen Soldaten dabei vorgingen: „Scholle um Scholle wurde vermessen, jeder Weinstock und Obstbaum gezählt, jedes Stück Vieh registriert, die Zahl der Menschen notiert, Leute unter Folter verhört, Söhne gegen Väter ausgespielt, Knechte zu Aussagen gegen ihre Herren gezwungen, Frauen gegen ihre Männer. Schließlich folterten sie die Steuerpflichtigen, bis sie gegen sich selbst aussagten und schrieben steuerpflichtigen Besitz auf, der gar nicht existierte.“

Dieser Zensus war wahrlich kein Volksfest. Er verletzte die religiösen Gefühle der gesetzestreuen Juden aufs tiefste; sie sahen in der Volkszählung nicht nur ein Symbol römischer Unterdrückung, sondern einen Frevel (2. Samuel 24), denn das verheißene Land gehörte alleine Gott. Der Aufruhr in der Bevölkerung war so groß und es floss so viel Blut, dass selbst Jahrzehnte später noch davon berichtet wurde (Apostelgeschichte 5, 37). Und Gott lässt es zu, verbirgt sein Antlitz, lässt der Sünde ihre Macht, damit sie ihr hässliches Gesicht zeigen muss. Und wie lange mussten Maria und Josef wohl in Bethlehem warten, bis ihre Steuererklärung endlich angenommen und die Steuerhöhe festgesetzt war?

 

»Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt. Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger…«

– Lukas 2:1-5