Schlagwort-Archiv: Bibelkritik

Der alte Mann und die gerechte Sprache

Gerechte Sprache

Dem alten Mann fällt auf, dass sich die Sprache in den christlichen Gemeinden geändert hat. Das ist an und für sich kein großes Problem. Bedenklich ist, dass diese Wandlung konsequent in eine bestimmte Richtung geht. Dabei orientieren sich die christlichen Gemeinden am Zeitgeist und am Trend der Gesellschaft.

Nicht einmal die Bibel, das Wort Gottes, wird von diesem Wandel verschont. Auf die sogenannte „Volxbibel“ folgte die „Bibel in gerechter Sprache“. Man behauptet, die Bibel sei ein intolerantes, frauenfeindliches, patriarchalisches Machwerk und müsse deshalb an vielen Stellen verbessert werden. Die männliche Dominanz müsse gebrochen werden. Viele Bibelverse wurden in diesem Sinn verändert und gefälscht.

Weiterlesen

Die »Heilige Schrift« im Verständnis von Otto Rodenberg

Holzbruecke

Mir ist der intellektuelle Zweifel, der Einwand vom Verstand her, sehr bekannt. Ich kam aus dem letzten Krieg, vollgepackt mit Zweifeln an allem, was der Verstand überhaupt nur bezweifeln kann. Dabei war manches, was anderen leichter und unangefochtener zu glauben möglich erscheint. Besonders über die biblische Aussage von der »Jungfrauengeburt« fühlte ich mich hoch erhaben. Bei diesem Dogma »muss doch entmythologisiert werden!«, das war meine Überzeugung. Ich gehörte nie zu der orthodoxen Richtung, in welcher der »Glaube an die Jungfrauengeburt« gefordert wird. Auch heute gehöre ich nicht dahin, wo Glaube gefordert wird.

Bei meinem intellektuellen Zweifel habe ich übersehen, dass die Bibel bezeugt: »Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen; denn es muss geistlich beurteilt werden!« – 1. Korinther 2, 14

Weiterlesen

Vulgata

hieronymus

Auch im Westen des Römischen Reiches stießen die Missionare auf Sprachgrenzen. In Rom sprachen die Gebildeten seltsamerweise Griechisch, deshalb konnte Paulus den Römerbrief auf griechisch abfassen. Aber in Spanien und Nordafrika war Latein die Umgangssprache. So entstanden schon um das Jahr 150 erste Übersetzungen ins Lateinische. Bald war das Problem nicht mehr das Fehlen einer Übersetzung, sondern zu viele Übersetzungen, die voneinander abwichen und teilweise auch fehlerhaft waren.

Weiterlesen

Septuaginta

septuaginta

Die Juden von Alexandria hatten ein Problem. Seit Generationen gab es bereits eine ansehnliche Kolonie von ihnen in der Metropole am Nildelta. Im zweiten Jahrhundert vor Christus lebten sie als geachtete Minderheit unter den Ägyptern. Wie die meisten Bürger der Stadt sprachen sie Griechisch; nur wenige beherrschten noch Hebräisch, die Sprache der Väter. So gingen auch die Lesungen am Sabbat in der Synagoge über ihre Köpfe hinweg. Sollte die Heilige Schrift nicht jegliche Bedeutung für sie verlieren, dann mußte eine Übersetzung her. Eine Anzahl jüdischer Gelehrter stellte sich dieser Aufgabe.

Weiterlesen

Tischendorf-Erinnerungen, zum Codex Sinaiticus

Tischendorf_ErinnerungenDie Erinnerungen an Tischendorf (1815-1874) sind uns erhalten geblieben durch seinen Schwiegersohn, dem Pastor und Theologen Ludwig Schneller (1858-1953). Zentrales Thema ist, wie schon der Untertitel des Buches sagt, „Die abenteuerliche Entdeckung des Codex Sinaiticus“, eine griechische Handschrift auf Pergament aus der Mitte des 4. Jahrhunderts nach Christus, in großen Unzialbuchstaben. Sie beinhaltet 22 Bücher vor allem des Alten Testaments, dazu Apokryphen der Septuaginta, und alle 27 Bücher des Neuen Testaments, dazu den Barnabas- und den Hermas-Brief. (S. 88) Zu sehen ist die Sinaihandschrift heute im Britischen Museum in London und online auf der Webseite Codexsinaiticus.org

Das damalige geistliche Klima scharfer Textkritik veranlasste Tischendorf zu seiner Lebensaufgabe, die alten Handschriften der Bibel bzw. des Neuen Testaments neu zu entdecken und zu entziffern:

„Es war damals die Zeit, wo berühmte Theologen in Deutschland, in der Meinung, damit der geschichtlichen Wahrheit zu dienen, alles aufboten, um mit den schärfsten Mitteln untersuchender Wissenschaft die Unechtheit der meisten neutestamentlichen Schriften nachzuweisen und so dem Neuen Testament sozusagen das Lebenslicht auszublasen. Tischendorf war überzeugt, daß es zur Zeit keine wichtigere Aufgabe in der Theologie gäbe, als die ältesten Handschriften, d. h. die geschriebenen Bücher des Neuen Testaments, aufs genaueste zu durchforschen, seine Echtheit auch auf diesem Weg nachzuweisen und so die Gegner mit den Waffen der Wissenschaft aus dem Felde zu schlagen.“ (S.10f.)

Weiterlesen

Biblische Manuskripte – die Chester-Beatty-Papyri

Chester_Beatty_P45Im Jahr 1930 kam es zu einem Fund von biblischen Manuskripten, der in seiner großen Bedeutung nur dem Fund des „Codex Sinaiticus“ zu vergleichen ist. Nördlich vom Memphis, gegenüber Fayum, an der Ostseite des Nils, wurden auf einem koptischen Friedhof bei Aphroditopolis von einigen Arabern verschiedene Krüge gefunden, die antike Papyri in griechischer Sprache enthielten. Sie wurden über Antiquitätenhändler in Kairo zum Verkauf angeboten. Sofort war das Interesse der großen Museen und Institute wach, aber die Händler verlangten derart unverschämte Preise, daß an den Erwerb zunächst nicht zu denken war.

Weiterlesen

Textus Receptus oder Nestle-Aland?

Anmerkung: Liebi beginnt mit Hintergrundwissen zur Debatte, führt alte, alexandrinische Papyri zur Stützung der Echtheit der Evangelien an und übernimmt ihr von vereinzelten Experten höchstmögliches Alter, ohne auf – berechtigte – Kritiken der Kollegen hinzuweisen. Das ist schade und ein eher schwacher Beginn eines ansonsten sehr hilfreichen Vortrags.

Weiterlesen

Rühle, Landeskirche ohne Gott

Landeskirche-ohne-Gott-Wolfgang-RuehleDer Autor dieses Buches ist seit seinem 22sten Lebensjahr bekennender Lutheraner und regelmäßiger Kirchgänger. Er arbeitete viele Jahre in verschiedenen Leitungsgremien auf Gemeinde- und Kirchenbezirksebene der Sächsischen Landeskirche mit, litt dabei aber vermehrt unter den bibelfeindlichen Entwicklungen dieser Institution. Im Gegensatz zu den meisten gläubigen Kirchenmitgliedern ertrug er diesen Zustand aber nicht in der Stille, sondern führte eine intensive Auseinandersetzung mit den verantwortlichen Pfarrern und Gremien. Diese nannte er „Kirchenkampf“ und dokumentierte alles sorgfältig. Heute gehört er zur SELK („Selbständige Evangelisch Lutherische Kirche“) in Dresden.

Wolfgang Rühle zeigt in diesem Buch auf, wie es um die evangelische Kirche in Sachsen steht. Seine Beobachtungen finden sich, unter Berücksichtigung regionaler Unterschiede, in ähnlicher oft noch verstärkter Form im gesamten deutschen Raum und decken sich mit denen vieler Christen, die das Wort Gottes ernst nehmen.

Weiterlesen

Toter Buchstabenglaube?

Buchstaben

„Denn der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig.“ (2. Korinther 3,6) Toter Buchstabe? Von wegen! Das hört man ja immer wieder: Man dürfe nicht am bloßen, toten Buchstaben kleben, das sei toter Buchstabenglaube usw. Aber nirgends in der Bibel ist von „toten Buchstaben“ die Rede – im Gegenteil heißt es dort: „Der Buchstabe tötet.“ Wer tötet, ist selbst nicht tot – das Töten ist ja gerade der Beweis seiner Lebendigkeit. Was ist also hier mit „Buchstabe“ gemeint? Die Schrift als Gesetz.

Weiterlesen