Vaterprobleme und Homosexualität

Kind_VaterDer Vater spielt für die gesunde Entwicklung der Jungen eine wesentliche Rolle. Mit seiner starken Präsenz kann er seinen Sohn aus der engen Bindung zur Mutter lösen. Denn Knaben und Mädchen identifizieren sich zuerst mit der Mutter. Sie ist das erste Liebesobjekt. Für den Jungen besteht aber die Herausforderung, sich von der Identifikation mit der Mutter zu lösen und eine Identifikation mit dem Vater aufzubauen.

Hat der Junge einen warmherzigen und verständnisvollen Vater, der sich intensiv mit ihm beschäftigt, kann der Junge die Mutter loslassen. Der Junge braucht den Vater, der ihn bestätigt und ermutigt. Hat er einen abwesenden, kranken oder einen Vater, der ihn abwertet, nicht ernst nimmt oder übersieht, bleibt der Junge bei der Mutter. Die Identifikation mit dem Männlichen ist misslungen. In einem Dossier zur Tagung »Homosexualität« schreiben die Herausgeber:

»Bei ca. 90% der homosexuell Orientierten muss man davon ausgehen, dass sie im Kindesalter in ihren frühesten männlichen Beziehungen Verletzungen erlitten haben. Der Vater war nicht präsent oder die Beziehung zu ihm ist nicht gelungen. Die Gründe dafür liegen beim Vater und beim Sohn. Wie dem auch sei, der Vater ist in jedem dieser Fälle für den Knaben emotional nicht zugänglich. Vielleicht hat der Knabe ein paar Versuche gemacht, sich nach dem Vater ausgestreckt und sich um seine Anerkennung bemüht. Aber er fühlte sich zurückgestoßen, wurde verletzt und hat schließlich frustriert aufgegeben…. Im kindlichen Knaben ist etwas zerbrochen, und er entwickelt ein Verhalten der inneren Distanzierung, nicht nur gegenüber dem Vater, sondern verallgemeinernd gegenüber dem Männlichen und damit auch gegenüber seiner eigenen Männlichkeit.«

Wer diese Entstehung der Homosexualität verstehen will, muss sich den Prozess klarmachen, der hier abläuft. Fachleute sprechen von »innerer Distanzierung« und von »defensiver Abkoppelung« gegenüber dem Vater. Es ist eine ständige Erfahrung in der Arbeit mit Homosexuellen, dass die Beziehung zwischen Vater und Sohn nicht gestimmt hat. Mütter von Homosexuellen haben häufig den eigenen Mann entwertet und negativ beurteilt. Und der Sohn zeigte keine Achtung für den Mann und Vater.

Die Sache wird doppelt problematisch, wenn Mütter ihren Sohn klammern, festhalten und durch Verwöhnung oder Überbeschützung die Männlichkeit untergraben. In der Seelsorge oder Therapie mit Homosexuellen wird immer deutlich,

… dass der Vater fehlte,
… dass der Sohn wenig über ihn berichten konnte,
… dass der Sohn den Vater wie ein Buch mit sieben Siegeln erlebte,
… dass der Sohn wirkliche Identität mit Männlichkeit vermissen ließ.

»Distanziert-abgekoppelte Väter, überinvolvierte Mütter und schüchterner, sehr sensibler Knabe, diese Dreiheit scheint viel offensichtlicher zu Homosexualität zu führen als ein Homosexuellen-Gen.«

Was geschieht mit dem Jungen in der Entwicklungszeit? Die besprochene »defensive Abkoppelung« vom Vater überträgt der Junge auf gleichaltrige Kameraden. Er gehört nicht richtig zu ihnen. Er bleibt auch da auf Distanz. Viele Jungen, die verweichlicht sind, zeigen ein mädchenhaftes Verhalten.

Ich selbst hatte einen jungen Mann in der Beratung, der schon in der Pubertät ausgesprochen homosexuelle Züge zeigte. Sein Vater war Polizeibeamter. Ein ausgesprochener Haudegen. Er wollte aus seinem Sohn einen »richtigen Kerl« machen. Schon im Alter von acht Jahren kaufte ihm der Vater Boxhandschuhe. Der Junge floh zur Mutter, verweigerte sich dem Vater total und erlebte, dass er vom Vater nur noch kritisiert und entwertet wurde. »Du Memme!« schrie der Vater, »flieh nur zur Mutter untern Rock!« Der Junge erlebte sich selbst als schwach, identifizierte sich völlig mit der Mutter und erfuhr sich als Mädchen, das einen »richtigen Mann« suchte. Immer wieder hat der Junge in seiner Entwicklung erfahren, dass er minderwertig sei, fühlte sich nicht zugehörig zu den Jungen seines Alters, erlebte eine Unzulänglichkeit und eine gewisse Unmännlichkeit.

Homosexuell empfindende Jugendliche bemitleiden die raubeinigen Altersgenossen, die frech und aktiv herumtoben, während sie sich eher sauber und gepflegt verhalten. Die männliche Unterlegenheit wird auf den Körper übertragen. Viele kritisieren ihre unmännlichen Körper und demonstrieren eine chronische Unzufriedenheit mit sich selbst. Das Vergleichen mit anderen Männern wird zum Zwang. Viele dieser homosexuell empfindenden Männer sind als Kinder sexuell missbraucht worden. Dieser Faktor verstärkt die homosexuelle Tendenz.

Der amerikanische Forscher Nicolosi, Professor für Psychiatrie und Direktor des »National Association for Research and Therapy of Homosexuality«, beschreibt das Geschehen, das sich in Pubertät und Adoleszenz ereignet, als »erotische Verwandlung« und charakterisiert die sexuelle Anziehung folgendermaßen:

»Wir erotisieren und sexualisieren ja nicht das, womit wir uns identifizieren, sondern das, was uns fehlt und fremd ist. Wir verlieben uns nicht in das vertraute, sondern in das andere. Für den homosexuell Empfindenden ist sein eigenes Geschlecht ein Geheimnis.«

Der homosexuell Empfindende ist also immer auf der Suche nach wirklicher Männlichkeit. Der wirkliche Mann ist aber ein Heterosexueller. So wechselt der durchschnittliche Homosexuelle ständig seine Partner. Die ständig neuen Sexualkontakte sind ein stetes Suchen nach Erfüllung der wirklichen Männlichkeit.

– Reinhold Ruthe, „Ein klasse Vater“, S. 17ff.