Was ist Missionsarbeit?

Missionsarbeit

Egal in welchem Land, egal in welchem Kulturkreis: Was ist christliche Missionsarbeit? Seit 15 Jahren leben wir als Missionare – in Gambia, in Korea, seit langem in Deutschland. Wir haben studiert, bilden uns fort, führen Gespräche, erleben dieses Projekt und jene „Initiative“ und machen uns dabei selbst viele Gedanken, wie wir unseren Glauben leben und dabei missionarisch arbeiten sollen. Wir wollen uns von Gott führen und auch korrigieren lassen. Immer wieder stellen wir uns dabei die simple Frage: Was ist eigentlich Missionsarbeit? Oder andersrum: Was ist es nicht? Ist das, was wir machen und erleben, schon (oder immer noch) Missionsarbeit?

Brücken bauen ist ein Anfang

Missionseinsätze sind i.d.R. eher unpersönlich. Man trifft auf Menschen, die man nicht kennt, um ihnen freundlich zu begegnen und um dann – kurz – mit ihnen über den christlichen Glauben zu sprechen. Im klassischen Fall verteilt man Traktate, hat einen genehmigten Stand (oder Bus) mit vielen Schriften, Büchern und Bibeln, nach Möglichkeit in mehreren Sprachen.

Solch ein Einsatz ist wie eine Brücke zu den Menschen. Man erreicht viele, um mit einigen vielleicht hinterher in Kontakt bleiben zu können. Es ist ein missionarischer Anfang, mehr ist es noch nicht. Gleiches gilt für Ideen wie Ausstellungen, Feste, Konzerte, Sozialarbeit, etc.

Kreative Brücken haben ihre Berechtigung, werden aber oft überbewertet. Es ist eher selten, dass sich ein Mensch aufgrund eines einfachen Traktats oder eines Konzerts bekehrt. Oft tröstet man sich am Ende eines Verteileinsatzes mit den Worten: „Und wenn (!) sich heute auch nur ein Mensch bekehrt hat, hat sich der Einsatz schon gelohnt.“ Das stimmt natürlich, aber die Statistik gibt uns ein realistisches Bild. Einer Umfrage unter Christen in Deutschland ergab:

Wodurch fandest du zum Glauben und zur Gemeinde?

Besondere Notsituation……………………………………………………………….. 8 %
Spontaner Gemeindebesuch………………………………………………………. 12 %
Pastor…………………………………………………………………………………………. 22 %
Besuchsprogramm……………………………………………………………………….. 4 %
Großevangelisation……………………………………………………………………….. 5 %
Gemeinde-Programm……………………………………………………………………. 4 %
Radio / Fernsehen………………………………………………………………………. 0,5 %
Freunde / Verwandte…………………………………………………………………… 76 %

(Quelle: IAM)

Missionsgesellschaften schätzen den Bevölkerungsanteil von Christen in Deutschland auf knapp 3%. Gemeinden werden älter, Kinder bleiben fern, Mitglieder treten aus. Die Tendenz ist insgesamt eher negativ. Natürlich gibt es immer noch Bekehrungen, aber nicht so sehr viele. Vor diesem Hintergrund kann man nun vielleicht selbst eine statistische Wahrscheinlichkeit hochrechnen, dass sich nach einem Verteileinsatz „heute jemand bekehrt hat.“

Gottesdienste, Gemeindearbeit und Bibelkreise

Das ist der übliche, gewohnte, auch der wesentliche „Grundpfeiler“ des christlichen Lebens – die Gemeinde. Im Regelfall hat der Missionar eine „sendende Gemeinde“ als Basis. Eine Gemeinde, die für ihn betet und ihn finanziell trägt. Und so steht die Gemeinde sowohl am Anfang als auch am Ende jeder Missionsarbeit – zu Beginn trägt sie, und am Ende ist eine neue Gemeinde entstanden, die wiederum selbst tragen kann und den Missionar nicht mehr braucht.

7Schritte

(Bild: DGM)

Zurück zur Frage: Was ist Missionsarbeit? In der Regel beginnen viele Missionare mit einer „Gemeindegründungsarbeit“ in dem Sinne, dass ein Gottesdienst angeboten und fleißig dazu eingeladen wird. Man freut sich über jeden Besucher und zählt gerne ihre Anzahl, um Erfolg oder Misserfolg irgendwie bemessen zu können. „Wie viele kommen denn da so?“, war immer eine der ersten Fragen bzgl. unseres Dienstes, ich schreibe aus Erfahrung.

Damit mehr Besucher kommen, lässt man sich etwas einfallen. Die einen feiern Feste als Anlass zur besonderen Einladung, die anderen ersetzen die Versammlung durch einen „Kulturabend“. Wir haben es oft erlebt, dass man von Nachbargemeinden Hilfe holt und so den Raum füllt. Das schraubt zwar die Besucherzahl nach oben, ist aber keine Missionsarbeit. Das äußerliche Wachstum einer Gemeinde beruht dann auf Verschiebung, nicht auf Bekehrung.

Dabei gibt es auch Nachteile hoher Besucherzahlen. Zum einen fällt es nicht mehr so sehr auf, wenn jemand fernbleibt. In einer kleineren Gruppe gibt es mehr Verbindlichkeit als in der großen Anonymität. Und es ist für Neulinge meist viel schwerer, in einer großen Versammlung Anschluss zu finden, man wird einfach nicht so sehr wahrgenommen. Zuletzt, im schlimmsten Fall, ist man unter Christen mehr mit sich selbst beschäftigt, anstatt Missionsarbeit zu tun.

Was aber ist der Kern von Missionsarbeit?

Jüngerschaft als Missionsauftrag

„So geht nun hin und macht zu Jüngern alle Völker, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles halten, was ich euch befohlen habe.“

– Matthäus 28:19f.

Echte Missionsarbeit beinhaltet vor allem Jüngerschaft. Werden Brücken gebaut, kommt der Neuling in den Gottesdienst, dann beginnt der Missionar mit seiner Arbeit am Menschen. Er trifft sich mit ihm, begleitet ihn, lädt ihn zu sich nach Hause ein, hört ihm zu, führt Gespräche, und erklärt ihm nicht nur das Evangelium, sondern – im Idealfall – den „ganzen Ratschluß Gottes“. (Apg 20:27) Und das alles nicht nur als Pflicht, sondern von Herzen wie Paulus, der für die Gemeinde wie für seine Kinder gelitten hat: „Meine Kinder, um die ich noch einmal Geburtswehen leide, bis Christus in euch Gestalt gewinnt…“ (Gal 4:19)

Wir erinnern uns an den Ausspruch: „Und wenn (!) sich heute auch nur ein Mensch bekehrt hat, hat sich der Einsatz schon gelohnt.“ Das mag im seltenen Fall sein, aber dann fängt die Arbeit ja gerade erst an! Dem Missionar sollte dann auch nicht egal sein, wie es mit dem Menschen weitergeht, wer ihn aus der Bibel lehrt und welche Gemeinde er besucht. Die Not ist groß und das Risiko hoch, dass er schlechten Vorbildern oder sogar Irrlehrern begegnet.

Wer aber nun den Aufbau von Beziehungen als seine missionarische Arbeit versteht, der kann keine großen Zahlen vorweisen, sondern erlebt Enttäuschungen. Er begleitet sie jahrelang, baut freundschaftliche Beziehungen auf, und am Ende bricht der Kontakt wieder ab. Vielleicht durch Umzug, durch Konflikte, oder durch irgendwelche Gründe, die unbekannt bleiben. Wir haben vieles erlebt. Wie auch immer, es ist echte Arbeit, meistens sind es nur „kleine Brötchen“, aber es gibt m.E. keinen anderen Weg der Missionsarbeit als diesen.

Jesus Christus ist denselben Weg gegangen. Zwar hat er auch vor großen Volksmengen gepredigt, doch sein Schwerpunkt lag auf wenige Jünger, die er täglich lehrte. Keine großen Gottesdienste, sondern die Lehre in der kleinen Gruppe. Das war die erste Missionsarbeit, und eben daraus entstanden dann am Ende – bis heute – auch die großen Gemeinden.

Also, was ist Missionsarbeit? Was sollten wir tun? Welche Erwartung haben diejenigen, die Missionare unterstützen? Was lesen wir in den sog. Missionsbriefen? Dieser Beitrag soll eine Antwort gerade an solche sein, die eine falsche Vorstellung haben.