Auf den Verstand verzichten?

Denker„Verlass dich auf den HERRN von ganzem Herzen, und verlass dich nicht auf deinen Verstand, sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen. Dünke dich nicht weise zu sein, sondern fürchte den HERRN und weiche vom Bösen.“

– Sprüche 3, Verse 5 bis 7

Unseren Verstand halten wir, und das völlig zu Recht, für etwas sehr Wichtiges, Wertvolles und Unverzichtbares. Von jemandem zu sagen, dass er unverständig ist und ohne Verstand handelt, ist ein geradezu vernichtendes Urteil. Fordern die heutigen Verse dazu auf, unseren Verstand aufzugeben und damit unverständig zu handeln?

Das ganz gewiss nicht, aber Verstand ist nicht gleich Verstand. Die heutigen Verse warnen davor, den eigenen menschlichen Verstand absolut zu setzen und damit zum Maß aller Dingen zu machen. Diese Warnung ist umso dringlicher, als durch die Aufklärung die Vernunft zur Göttin erklärt wurde und man sich nach wie vor, wenn auch mehr unbewusst, an dieser Göttin orientiert. Und das ist Götzendienst.

Viele Menschen haben gerade dadurch die größten Probleme zum Glauben zu finden. Durch die Überbewertung des Verstandes, werden an Gott und sein Wort die Maßstäbe menschlicher Vernunft und Logik angelegt. Wer das tut, gerät von einer Verwirrung und Verirrung in die andere! Und es ist manchmal direkt tragisch, wenn man erfährt, was für intellektuelle Klimmzüge Menschen anstellen, die gerne zum Glauben kommen möchten, aber dazu „zuerst alle Widersprüche, die angeblich in der Bibel vorhanden sind, ausräumen müssen“.

Hier sollte bedacht werden, dass der Mensch das Denken nicht erfunden hat, und dass die menschliche Logik und der menschliche Verstand bereits dann an ihre Grenzen stoßen, wenn es darum geht, die Welt zu verstehen, weil im Kosmos und in der Natur Dinge ablaufen, die der menschlichen Logik total widersprechen und für unser Verstehen völlig irrational sind. Um wie viel mehr muss das für die unsichtbare Wirklichkeit Gottes und sein Wort gelten!

Dass ich mich mit meinem Hund nicht über Politik unterhalten kann, ist für jeden völlig klar. Der Hund hat hier eine, für uns erkennbare verstehensmäßige Grenze. Aber dass wir eine gleiche Grenze haben, nur etwas höher angesiedelt, diese Einsicht bereitet nach wie vor Probleme. Gott ist in der Ewigkeit, in der es weder Vergangenheit, Gegenwart noch Zukunft gibt, sondern alle Dinge gleich gegenwärtig sind. Seine Wirklichkeit sprengt all unser Verstehen.

Und weil Gott Möglichkeiten hat, von denen wir nicht das Geringste ahnen, deshalb werden wir davor gewarnt uns mit den begrenzten Erkenntnissen zufrieden zu geben, die wir mittels unseres Verstandes erlangen und dass es töricht ist, sich aufgrund unserer begrenzten Erkenntnisse, für weise zu halten.

Wir tun gut daran, Gott zu fürchten und das Böse zu meiden. Mit anderen Worten: Uns in allen Dingen von IHM und Seinem Wort leiten zu lassen. Wenn wir das erkennen, dann haben wir unseren Verstand in der rechten Weise gebraucht. Gegen diese Art von Verstand richtet sich die Aussage in den Sprüchen nicht.

– Jörgen Bauer // Bild: Der Denker/Wikipedia