Bibeltreue Erziehung ist ein Segen

Mutter_Kind

Evangeliumschristen haben in der Regel große Familien. Lilli und Helmut Schuh haben zehn Kinder. Robin, der Älteste, ist 17 Jahre alt, hat gerade seinen Realschul-Abschluss gemacht (Durchschnitt 1,4) und beginnt demnächst eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Josia mit seinen drei Monaten ist der Jüngste im Bunde und zufrieden, wenn er auf Mamas Schoß sitzen kann.

Dazwischen kommen Patrick (15), Tobias (14), Laura (12), Lea (9), Noah (7), Rabea (5), Naemi (3) und Hanna (2). Die Kinder werden von klein auf dazu angehalten, Verantwortung zu übernehmen. Die Älteren erledigen Aufgaben im Haushalt und schauen nach ihren Geschwistern. So liefern die Grundschulkinder die Jüngeren auf dem Weg zur Schule im Kindergarten ab. Und die Älteren decken morgens den Tisch. Pflichten wie Hausaufgaben werden schon früh selbstständig erledigt – mit Erfolg, denn alle Kinder sind gute Schüler: Der schlechteste Zeugnisdurchschnitt in diesem Schuljahr: 1,8.

Gebete sind wichtig

Eine zentrale Rolle im Familienalltag nimmt das Gebet ein. Dafür nehmen sie sich morgens, mittags und abends Zeit. Das gibt besonders ihren Kindern Gottes Schutz, der sie den ganzen Tag begleite, sind sie überzeugt. Diese geschützte Atmosphäre, in der ihre Kinder aufwachsen, ist Lilli und Helmut Schuh sehr wichtig. Die Außenwelt könne so etwas nicht bieten, im Gegenteil: Sie wird eher als Gefahr für die Entwicklung der Kinder wahrgenommen. Denn dort wird unter anderem geraucht, Alkohol getrunken oder es werden Schimpfwörter benutzt. Da die Evangeliumschristen diese Gefahren bei Vereinen oder mehrtägigen Klassenfahrten sehen, gehen sie auf Distanz. Da lässt sich Helmut Schuh gerne sagen, er würde seine Kinder unter einer Käseglocke großziehen. In einer heilen Welt, die sie nicht auf das wirkliche Leben vorbereite. „Jedes wilde Tier beschützt seine Jungen“, sagt er. Das müsse doch für Menschen erst recht gelten. Aber das Thema Vereine oder Klassenfahrten müsse jeder für sich entscheiden, fügt er hinzu. Das Thema Schutz vor der Außenwelt ist zentral für Evangeliumschristen. Früher in Russland war die Abschottung schon fast lebensnotwendig. Helmut Schuh weiß aus den Erzählungen der Älteren, dass es keine Seltenheit war, von der Polizei zu Verhören abgeholt zu werden. Oder gar für seine Überzeugung, seinen Glauben im Gefängnis zu sitzen. „Diese Erfahrungen stecken noch bei vielen Älteren im Hinterkopf“, sagt er.

Er selbst wurde in Deutschland geboren, seine Frau Lilli kam mit ihrer Familie 1987 als Spätaussiedler nach Pforzheim – die beiden haben sich übrigens im Gemeindezentrum der Evangeliumschristen auf dem Haidach kennen- und lieben gelernt. Als die Generation seiner Eltern in Deutschland ankam, seien sie erstaunt über den Unglauben gewesen, der hier herrsche. Da sie keine Glaubensgemeinschaft vorfanden, die nach ihrer Auffassung strikt nach dem Wort Gottes gelebt hat, haben sie in Deutschland eine eigene Gemeinde gegründet, der sich anfangs viele Aussiedler aus dem Osten angeschlossen haben. Mittlerweile gibt es auch Mitglieder aus der hiesigen Bevölkerung. Das Gemeindeleben biete jede Menge Abwechslung, betont das Ehepaar. Neben den beiden Gottesdiensten am Sonntag sei auch während der Woche viel geboten, gerade für Kinder gebe es zahlreiche Aktivitäten. Unter anderem ein Blasorchester – sehr passend für die Kinder der Familie Schuh, kommt doch einmal pro Woche ein Musiklehrer ins Haus. In der Ferienzeit werden Freizeiten angeboten, an denen zwei Töchter teilgenommen haben – und bei denen sich auch Helmut Schuh engagiert hat. Ihre Kinder seien in der Familie und in der Gemeinde total beschäftigt, sagen Lilli und Helmut Schuh.

Wenn sie erst einmal groß sind, müssten sie dann selbst entscheiden, wie sie leben wollen. Es gebe keinen Zwang, betonen die Eltern. „Wir wollen nur Liebe weitergeben und hoffen, dass sie wissen, was gut und schlecht ist.“

– Sabine Mayer-Richard in PZ News vom 29.8.2012 // Bild: ©pixelio/Helene Souza