Was ist „Biblical correctness“?

„Biblical correctness“ ist die Bezeichnung für die von der Bibel vorgegebene Leitlinie ihres Selbstverständnisses. Es gibt viele Methoden der Betrachtung der Heiligen Schrift, wobei sie meistens dem eigenen Vorverständnis oder den eigenen Vermutungen unterworfen wird. Am bekanntesten ist die „Historisch-Kritische Methode“. Ihr innewohnend ist die „Literarisch-Kritische Methode“, die besonders von jüdischen Schriftauslegern benutzt wird.

Es haben sich viele daran gemacht, der Bibel ihre Meinungen, Wünsche und Vorstellungen aufzuprägen. In den letzten Jahrzehnten war es besonders der Gedanke von den „Abrahams-Religionen“, der die öffentliche Debatte beherrschte. Das Ziel war die Gleichstellung jüdischern, christlichen und muslimischen Schriftverständnisses, kurzgefasst: Alle drei glauben an den gleichen Gott. In „Biblical correctness“ (BC) dagegen manifestiert sich die Bibel in ihren Selbstaussagen über die Entstehung der Welt, des Volkes Israel, des Verlaufs der Geschichte und die Bedeutung Jesu von Nazareth für den Menschen und die Zukunft des Kosmos.

Von der Herabwürdigung zu einem Märchenbuch, über ein bloßes Gesetzbuch, bis hin zur Sammlung religiöser Vorstellungen und einer esoterischen Geheimschrift wurde ihr schon alles unterstellt, was Menschen sich erdenken können. Ihre Selbstaussagen über ihre Entstehung, die Berichte über geschichtliche Ereignisse und die Bedeutung der in ihr genannten Personen, Könige, Priester und Propheten, Jesus Christus, seine Jünger und die Apostel wurden und werden nicht ernst genommen oder wegdiskutiert. „Biblical correctness“ räumt mit dieser Verzerrung der Wirklichkeit auf und bringt die Aussagen des Wortes Gottes über die Ereignisse von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf einen Generalnenner.

Abweichungen und Auslegungstricks hat es zu allen Zeiten gegeben. Schon das Volk Israel musste Gott auf der Wüstenwanderung ermahnen (5.Mose 5,32): „So habt nun Acht, dass ihr tut, wie euch der HERR, euer Gott, geboten hat, und weicht nicht, weder zur Rechten noch zur Linken.“ Immer wieder hat es Klüglinge gegeben, die mit gestelzten Formulierungen zu beeindrucken suchten. So gab man kürzlich einem Referenten den Auftrag, sich doch einmal über den „Österlichen Mehrwert des Glaubens“ auszulassen.

„Biblical correctness“ in der Bibel

Zunächst aber wenden wir uns dem Begriff „korrekt“ zu, abgeleitet von lat. „correctus“ und bedeutet dort „zurechtgebracht“ bzw. „berichtigt“. Der adäquate grie. Ausdruck, den wir in der Heiligen Schrift finden, heißt „akribaes“ und ist uns als Fremdwort „Akribie“ bekannt. „Akribisch“ meint: genau, präzise, sorgfältig und zeigt uns damit auf, wie das Wort Gottes sich uns prä-sentiert. Im NT kommt „akribisch“ in 10 Textstellen in unterschiedlicher Bedeutung vor:

– Matth. 2,7 7 Da berief Herodes die Weisen heimlich und erlernte mit Fleiß 
– Matth. 2,8 Herodes… : Ziehet hin und forschet fleißig nach dem Kindlein
– Luk. 1,3 Lukas… nachdem ich’s alles von Anbeginn mit Fleiß erkundet habe
– Apg. 18,25 Apollos… und lehrte mit Fleiß von dem HERRN, …
– Apg. 18,26b…legten ihm den Weg Gottes noch fleißiger aus.
– Apg. 22,3 Paulus… gelehrt mit allem Fleiß im väterlichen Gesetz
– Apg. 23,15 als wolltet ihr ihn – Paulus – besser verhören
– Apg. 26,5 Paulus (Pharisäer)…die strengste Sekte unseres Gottesdienstes
– Eph. 5,15 Gläubige Epheser… 15 So sehet nun zu, wie ihr vorsichtig wandelt
– 1.Thess.5,2 Gläubige in Thessalien… 2 denn ihr selbst wisset gewiss ,

Worum geht es? Um nicht mehr und nicht weniger als um die Wahrheit. „Das Gebot Gottes ist heilig, recht und gut“ (Röm. 7,12), es ist korrekt. „Die Befehle des Herrn sind richtig“ (Ps. 19,9), sie sind korrekt. In der evangelikalen Diskussion wird von den Gläubigen „authentisches“ Selbstsein verlangt, aber Jesus Christus erwartet von uns, dass wir uns selbst verleugnen und uns mit ihm identifizieren, es geht um „Identität“ und nicht um „Authentizität“. So identifiziert sich Jesus mit dem Wort Gottes und das Wort Gottes mit ihm. Die akribische Notierung der alt- und neutestamentlichen Ereignisse erfordert auch eine „biblisch akribische“ Befolgung der biblischen Vorgaben durch die Gemeinde. Wie wichtig, wenn, wie jemand hinterhältig im Periodikum einer Bekenntnisschule schrieb: „Wir müssen uns verändern, um die Gleichen zu bleiben.“

Nun wird wahrscheinlich schnell gegen diese Festlegung opponiert und protestiert werden, es gehe dem Verfasser nur um theoretische Überlegungen. Dem steht entgegen, dass die objektive Wahrheit der Heiligen Schrift als Dokument durch die mit ihr identische subjektive Wahrheit in der Person Jesu von Nazareth zugleich der lebendige Beweis für die Wahrheit ist. ER hat nicht nur die Wahrheit gesagt, sondern sie auch gelebt, von Schöpfungsaktivitäten (Wunder) bis hin zur Erlösung, durch seinen Opfertod am Kreuz und seine Auferstehung. Jesus ist biblisch korrekt!

Korrekt meint fehlerfrei

Korrekt meint „fehlerfrei“ oder auch „anständig“. In den Adjektiven steckt die Bedeutung von „richtig stellen“, „Fehler beseitigen“. Was wünschen wir uns mehr, als dass die Bibel fehlerfrei wahrgenommen, also nicht durch die Brille einer vorgefassten Meinung betrachtet wird. Sie möchte so verstanden werden, wie sie sich selber in ihrer Gesamtheit präsentiert. Was würden wir über einen Menschen denken, den wir immer nur partiell wahrnehmen? In seiner Jugend war er nicht in der Lage, schwere Lasten zu heben. Im Alter fehlt ihm die jugendliche Unbekümmertheit. Und immer würde ihm unterstellt, das eine passe mit dem anderen gar nicht zusammen. Es müsse auch jedes für sich genommen das Eigentliche repräsentieren. Keinesfalls dürfe man die Person als eine Einheit verstehen. Erst nach der Korrektur des einen Details durch andere wird die Person aber als Ganzes wahrgenommen, wie sie in Wahrheit ist. Und das Wort Gottes ist ja „lebendig“ (Hebr. 4,12), darin ähnelt es einer Person, und in Jesus von Nazareth ist es ja Person geworden.

Nachdenkenswert sind auch die Synonyme, für „korrekt“, an ihnen kann man etwas von der Wahrhaftigkeit des biblischen Redens und Handelns lernen:

richtig genau gründlich zuvorkommend sittsam tadellos sorgfältig detailliert präzis makellos fehlerfrei gewissenhaft unbeeinflussbar wohlerzogen fließend geordnet charakterfest perfekt ordentlich anständig gesittet unbescholten einwandfrei exakt dem Anstand entsprechend fehlerlos (synonyme.woxikon.de)

Wenn doch so der Umgang mit dem uns so lieb gewordenen Wort Gottes wäre. Stattdessen werden ihm alle nur denkbaren Entstehungsmythen angehängt und seine Schreiber nur als Namensgeber für die Arbeit irgendwelcher Schreibwerkstätten gesehen. Den Wegerklärern geht es vor allem darum, das Vertrauen in die Heilige Schrift als Gottesoffenbarung zu zerstören. Wo das gelingt, wird auch das Evangelium als Leitkultur zerstört, wie wir an der Zulassung von Homosexualität sehen.

Es hat sich in den letzten Jahren ein Standartvorwurf vom „wortwörtlichen Verständnis der Bibel“ herausgebildet, der – verkürzt als „Fundamentalismus“ – bei jeder sich bietenden Gelegenheit in die Debatte geworfen wird. Während man den Koran gern in der Nähe der Bibel ansiedeln möchte, um ihn gesellschaftlich aufzuwerten, wird gleichzeitig ein ähnlich striktes Verständnis der Bibel in die Nähe des islamistischen Terrors gerückt. Ein Prof. Geldbach verstieg sich sogar zum Vorwurf des „Wortterrors“. „Biblical correctness“ räumt mit diesem Verwirrspiel auf und fasst das Selbstverständnis der Heiligen Schrift in einen klar umrissenen Begriff.

Seit dem Aufkommen der 68er geistert der Begriff von der „Political correctness“ (PC) durch die Medien. Dieser, bereits 1793 in den USA in einem Prozess vor dem obersten Bundesgericht gebrauchte Begriff wurde von Linksliberalen angeblich zum Schutz von Minderheiten kreiert. Ein einfaches Beispiel zeigt uns die Tendenz. Zigeuner werden entgegen ihrer eigenen Bezeichnung als Sinti und Roma gehandelt. Zigeuner sei von „Sie Gauner“ abgeleitet, während es für diese Volksgruppe eine Sammelbezeichnung ist, unter der Sinti und Roma eigene Clans bilden. „Mit der Aussage, dass etwas „politisch nicht korrekt“ bzw. „politisch inkorrekt“ sei, soll ausgedrückt werden, dass eine Norm verletzt, eine Äußerung (oder Handlung) allgemeinen moralischen Normen zuwider handelt oder gar ein Tabu gebrochen wird.“ (WIKIPEDIA) Zu diesen Minderheiten zählen natürlich aus deren Sicht nicht die bibeltreuen Christen. „Political correctness“ verlangt, dass Christen ihren Sonderstatus aufgeben. „Biblical correctness“ verlangt, dass der Sonderstatus der Heiligen Schrift gegenüber allen religiösen Auffassungen gewahrt wird.

Was dem einen recht ist, muss dem andern billig sein. Wenn sensible Politagitatoren schon den eingebürgerten Allgemeingebrauch von – ihrer Meinung nach – schädlichen Begriffen attackieren, sollte es uns erlaubt sein, Gottes Wort in ähnlicher Weise vor Missbrauch und Verzerrung zu schützen. Mit „Biblical correctness“ besetzen wir das verbale Niemandsland, in dem jedermann glaubt, sich nach eigenem Gutdünken tummeln zu dürfen. Ein eklatantes Beispiel war die Sendung im ZDF in der Serie „Terra X“ am 25.11.2012 unter dem Leitgedanken: „Bibelrätsel Teil 1 – Gottes Karriere“ mit der ehemaligen „Bischöfin“ Kässmann als Moderatorin. Er avancierte danach von einem „Gott der Vulkane“, über den „Stammesgott eines Nomadenvolkes“ und „Gott des Gesetzes“ durch die „Unterstützung seines Sohnes Jesus zum Vater“. Was den meisten Bundesbürgern trotz der schon fast hundertjährigen Vorherrschaft der HKM bisher im Allgemeinen kaum bewusst war, wurde ihnen in dieser und wird in folgenden Sendungen mit vollendeter Klarheit geboten. Wer auch nur einigermaßen wachen Sinnes die Sendung verfolgt hat, konnte danach eigentlich nur kurz entschlossen erklären: „Glaube ade, ich trete aus der Kirche aus. Wenn das sooo ist, was soll dann der ganze Zirkus?“

Paradigmen der „Biblical correctness“

Es genügt nicht, nur diesen Begriff in Umlauf zu setzen. Die Interessierten und die Kritiker werden gleichermaßen fragen, was sich dahinter verbirgt. Die Definition sollte nicht schwerfallen. Die Bibel gibt genügend Hinweise darauf, wie sie verstanden werden möchte. 10 Paradigmen in Auswahl reichen aus, um zu erklären, was mit „Biblical correctness“ gemeint ist:

1. Und Gott sprach (1. Mose 1,3)
2. Und Gott schuf (1. Mose 1,1)
3. Und Gott rief (2. Mose 3,4)
4. Und Gott machte einen Bund (5. Mose 5,2)
5. Und Gott befahl (Ps. 19,9)
6. Im Anfang war das Wort (Joh. 1,1)
7. ICH bin der Weg, die Wahrheit und das Leben (Joh. 14,6)
8. Mein Blut ist zur Erlösung für viele (Matth. 26,28)
9. ER sitzt zur Rechten Gottes (Kol. 3,1)
10. ER wird wiederkommen, um zu richten (2. Tim. 4,1)

Die 10 Punkte sind sozusagen der „Ehrenkodex“ eines jeden wahren Christen.

Der Einzigartigkeit unseres HErrn Jesus Christus entspricht auch die Einzigartigkeit der Bibel und umgekehrt. Aber selbst aus unseren eigenen Reihen wird uns entgegengehalten: „Wir glauben nicht an die Bibel, sondern an Jesus.“ Das hört sich so an, als sei es noch mal etwas ganz anderes, an Jesus zu glauben, als die Bibel ernstzunehmen. Die Agitatoren wissen um die psychologische Wirkung von Worten, dass nämlich die schlichten Bibeltreuen, sich davon beeindrucken lassen: „Ist das überhaupt wichtig für uns?“ Und schon hat man einen Keil zwischen den Gläubigen und Gottes Urkunde getrieben. Apropos „Urkunde“, da wird selbst von gestandenen Brüdern inzwischen eine andere Lesart verbreitet: „Ur Kunde“. Das soll heißen, es handle sich nicht um eine von Gott diktierte Niederschrift, sondern um die „Kunde“, die aus der „Urzeit“ bis zu uns hinübergelangt sei.

Da wird den Verfassern der biblischen Schriften der Makel angehängt, sie seien, wenn es sich wirklich um Gottes Offenbarungen gehandelt habe, willenlose Schreibwerkzeuge gewesen. Wo sei da ihre Persönlichkeit geblieben? Merkwürdig, dergleichen hat man im Blick auf Schreiber, die etwa Goethes Werke zu Papier brachten, nie gehört. Was wäre wohl geschehen, wenn einer seiner Schreiber, vielleicht der dichterisch begabte Lenz, an manchen Stellen eigenmächtig „Verbesserungen“ vorgenommen hätte, weil sie mehr seinem Gusto entsprochen hätten?

„Der Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes erörterte auf der Mitglieder-Versammlung des Dachverbandes die »Bibelkritik von rechts«: Nach Ansicht Morgners drücken Begriffe wie bibelgläubig, bibeltreu und schriftgläubig nicht nur hohen Respekt gegenüber der Heiligen Schrift aus, sondern signalisieren auch eine Schwerpunktverlagerung: Die Bibel bekomme für den Glauben denselben Stellenwert wie Jesus Christus. Damit werde die Bibel zu einem Buch degradiert, dessen Geheimnisse man mit Hilfe der Vernunft entschlüsseln könne.“ (Ron 5.2. 2009) So wird allenthalben der Glaube an die Bibel als inspiriertes Wort Gottes diskriminiert.

Die Definition der PC lässt sich gut auf die „Biblical correctness“ anwenden: „Mit der Aussage, dass etwas „politisch nicht korrekt“ bzw. „politisch inkorrekt“ sei, soll ausgedrückt werden, dass eine Norm verletzt, eine Äußerung (oder Handlung) allgemeinen moralischen Normen zuwider handelt oder gar ein Tabu gebrochen wird.“ „Mit der Aussage, dass etwas „biblisch nicht korrekt“ bzw. „biblisch inkorrekt“ ist, soll ausgedrückt werden, dass die biblische Norm verletzt, eine Äußerung (oder Handlung) allgemeinen biblischen Normen zuwider handelt und das Tabu der Alleinverbindlichkeit der Heiligen Schrift gebrochen wird.“ Mit „Biblical correctness“ fordern wir diese Norm von allen ein, die behaupten, wiedergeborene Christen zu sein. Dass es sich dabei um einen der Bibel zugeordneten Anglizismus handelt, muss uns ausnahmsweise einmal nicht stören.

Es hat sich seit der „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ (GE) herausgebildet, unvereinbare Positionen nicht mehr benennen, sondern sie als überholt hinzustellen. Ähnliches geschah mit der „Berliner Erklärung“ zum Umgang mit dem Pfingstgeist, die durch die „Kasseler Erklärung“ ersetzt wurde. Man etabliert nicht mehr eine neue Lehre, sondern verändert Bestehendes durch „Transformation“, indem man mit neuen Begriffen eine Bewusstseinsänderung herbeiführt. So wurde ein amerikanischer Buchtitel „Purpose driven“ („Auftragsorientiert“) unter dem Titel „Leben mit Vision“ in Deutschland verbreitet. Wir kennen keinen anderen Jesus, als den der Bibel.

Eigentlich müsste man vielen, die die Bibel seit ihrer Jugend kennen, keine Gebrauchsanweisung liefern, aber schon der Apostel Paulus war genötigt, der von ihm gegründeten Gemeinde in Korinth zu erklären, dass er nichts anderes meine, als das, war er schreibe (2. Kor. 1,13). Da gibt es keine zweite, geheimnisvolle mythische Ebene, versteckte Handlungsanweisungen oder Bevorzugung bestimmter Bibelstellen, sondern es ist alles klar und offen dargelegt. Und unser HErr hat in seinem Evangelium die Vorgabe gemacht, Joh. 8,31-32: „31 Da sprach nun Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten: So ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr meine rechten Jünger 32 und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“ Martin Luther war auf diesem Weg, als er erkannte: „Die Bibel legt sich selber aus“. Entscheidend ist das Vertrauen in Gottes Wort. Nur wer dem Wort in allem vertraut, vertraut auch Jesus.

Kontra Sekten

Die Beachtung der „Biblical correctness“ hätte die Gemeinde Jesu vor manchen Sekten bewahrt. Da hielt es jemand für nicht hinnehmbar, dass der Sonntag als Erinnerungstag der Auferstehung Jesu gefeiert wurde, da doch im Alten Testament ständig auf den Sabbat gepocht wurde. Der Sonntag sei ein heidnischer Feiertag, da ihn Constantin d. Gr. zur Verehrung des Sonnengottes – sol invictus – eingeführt habe. Der und die so Wohlmeinenden – der sich daraufhin bildenden „Adventisten-Gemeinden“ – übersahen dabei, dass Maria und die Jünger am „ersten Tag der – jüdischen – Woche“ (also nach dem Sabbat) zum Grab Jesu gingen (Matth. 28,1) und man in Fortsetzung dieses Ereignisses auch in den Missionsgemeinden an diesem Tag zusammenkam (Apg. 20,7). Welch ein Glück für die junge Gemeinde, dass Constantin gerade diesen Tag zum „Sonnentag“ erklärte.

Und ein anderer meinte, die Probleme in den Kirchen und Gemeinschaften kämen daher, dass es keine apostolische Autorität mehr gebe. Also müsse ein neuer Apostel her, der die Dinge wieder zurechtrücke. So wurde der „Stammapostel“ der „Neuapostolischen“ geboren.

Und wieder ein anderer kam auf die Idee, Gott könnte beleidigt sein, weil er nicht mit dem richtigen Namen angeredet würde: Gott, Jahweh, Gott des Himmels, der Allmächtige. Nein, er müsse, wie es in einer Bibelübersetzung stehe, mit „Jehova“ angeredet werden. Dabei übersah man, dass es diesen Namen in der Bibel gar nicht gibt. Er ist eine Mixtur aus den Konsonanten von „Jahweh“ (JHWH) und den Vokabeln von „Adonija“ (aoija), „übersetzt“ mit Herr, so wie die Juden Gott ansprechen, um den heiligen Gottesnamen „Jahweh“ nicht zu missbrauchen.

Inzwischen werden ja nicht nur sektiererische Vorstellungen und Konzepte aus der Bibel abgeleitet, sondern die Bibel selbst eigenmächtigen Veränderungen bei Übersetzungen unterzogen, ob es nun die Fäkalsprache in der „Volxbibel“ ist, oder ob es die Verdrehungen in der „Bibel in gerechter Sprache“ sind. Von der „Neue Welt-Übersetzung“ der „Zeugen Jehovas“ bis Jacob Lorbeer haben sich viele erdreistet, die Bibel ihren abstrusen Vorstellungen zu unterwerfen.

Aber es geht nicht nur um „amtlich anerkannte Sekten“. Auch manche Gepflogenheiten etwa im evangelikalen Lager haben sektiererische Züge, z.B. falsche Koalitionen, etwa mit Kirchen, die die HKM zulassen oder als Grundlage ihrer Theologie betreiben. Man ließ sich auf einer Allianz-Konferenz gefallen, dass ein katholischer Bischof eine Art „Christianisierung“ empfahl, in dem er von einer „Fermentierung“ der Gesellschaft sprach, in der das Evangelium „wie Zucker und Salz in einer Speise unsichtbar aufgelöst würde“ und den „Geschmack verändere“. Da war von Bekehrung keine Rede, und kein Evangelikaler protestierte. Wo blieb da die „Biblical correctness“? Inzwischen haben sich die Evangelikalen durch Liaison mit den Charismatikern zu „Neoevangelikalen“ gewandelt, und aus ihnen taucht mittlerweile die „Emerging Church“ auf, bei der die temporäre Lehre aus dem jeweiligen Aktivitätszustand herausdestilliert wird. Mit der Etablierung neuer Begrifflichkeiten (Newspeak), wie „authentisch“, wird schleichend ein „anderer Jesus“ (2. Kor. 11,4) eingeführt.

Auslegung- u. Handlungsanweisung

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ „Biblical correctnes“ zeigt sich nicht nur in richtigen Gedanken über die Bibel und Schlussfolgerungen aus Zusammenhängen innerhalb eines ihrer Bücher und im Kontext mit anderen, sondern auch im rechten Handeln. Die Apostelgeschichte beginnt einleitend mit dem, „was Jesus anfing zu tun und zu lehren“ (Apg. 1,1).

Die Bibel ist sowohl „Offenbarung“ als auch autoritative „Ansprache“ an den Menschen. Offenbart werden Geheimnisse (Eph. 1,9-10): „…9er hat uns wissen lassen das Geheimnis seines Willens nach seinem Wohlgefallen, so er sich vorgesetzt hatte in ihm, 10 dass es ausgeführt würde, da die Zeit erfüllet war, auf dass alle Dinge zusammengefasst würden in Christo, beide, das im Himmel und auf Erden ist, durch ihn,…“ Und die „Ansprache“ weist auf Lebensumstände und Verhaltensmuster hin (Mich 6,8): „ 8 Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. Wir brauchen nichts nötiger als die „Biblical correctness“.

– Gottfried Meskemper // Bild: ©Fotolia/Lincoln Rogers