Brenscheidt, Freiheit für Blasphemie?

Freiheit_BlasphemieEnde 2012 gab es mindestens zwei große Skandale auf religiösem Gebiet: Erstens die Sendung massiver Gotteslästerungen in Fernsehen und Kino in Form der Serie „Götter wie wir“ und des Kinofilms „Jesus liebt mich“. Zweitens die Tatsache, dass führende neoevangelikale Gremien (z.B. die Deutsche Evangelische Allianz) sich zwar teilweise dem Protest gegen die blasphemische Serie „Götter wie wir“ anschlossen, gleichzeitig aber eine führende neoevangelikale Einrichtung wie der Evangeliumsrundfunk (ERF) bezüglich des genauso gotteslästerlichen Films „Jesus liebt mich“ nach dem Roman von David Safier Entwarnung blies und diesen sogar noch empfahl!

So verlieh ihm ERF Fernsehen die Note 2 und kommentierte: „Der augenzwinkernde Umgang mit dem Thema ist keinesfalls lästerlich oder herabwürdigend.“ Ein Kommentator schrieb danach treffend auf die Homepage von ERF Fernsehen: „Es ist schon erstaunlich, dass dieser Film vom ERF als nicht blasphemisch eingestuft und mit Note 2 bewertet wird, obwohl der Film Aussagen enthält, die absolut unbiblisch sind und die Heiligkeit Gottes ins Lächerliche ziehen (z.B. ´Jesus will vor der Apokalypse die Menschen kennen lernen`). Der Zeitgeist lässt leider grüßen.“

Das Buch von Thorsten Brenscheidt bringt eine Fülle von Original-Zitaten, die die Gotteslästerungen in „Götter wie wir“ und „Jesus liebt mich“ eindeutig und massiv belegen. Insofern ist das Buch nicht leicht zu lesen. Nur gefestigte Christen sollten es unter Gebet lesen, um nicht von den blasphemischen Zitaten angefochten zu werden.

Brenscheidt hält es für notwendig, dem Leser diese Zitate zuzumuten, damit er informiert ist. Die meisten Original-Zitate nimmt er allerdings in den Anhang seines Buches. Als Begründung schreibt er (auf Seite 8):

„Da sowohl der Roman als auch die ZDF-Serie eine Vielzahl von Gotteslästerungen wiedergibt, sei für die explizite Darstellung derselben auf den Anhang dieses Buches verwiesen. Dem Leser bleibt es so selbst überlassen, ob er die gotteslästerlichen Originalzitate beziehungsweise Handlungen nachlesen möchte. Der christliche Leser muss nicht unnötig mit Blasphemie konfrontiert und belastet werden. Der gotteslästerliche Inhalt wird in den folgenden Kapiteln auch ohne die Anführung von Originalzitaten ausreichend genug charakterisiert.

Andererseits ist es erforderlich, die Primärquellen zu kennen, um adäquat gegen die Blasphemie Stellung beziehen zu können. Wie sollte man die Gotteslästerung aufzeigen, biblisch beurteilen und davor warnen können, wenn man keine oder nur eine oberflächliche Kenntnis über sie hat? Die ausführlichen Zitate im Anhang dienen keinesfalls der Werbung der blasphemischen Inhalte, sondern ausschließlich einer gründlichen und fundierten Auseinandersetzung mit den selbigen.“

Es war dringend notwendig, dass Thorsten Brenscheidt dieses Buch schrieb. Der Rezensent, der selber beide Protestaktionen (sowohl gegen die Fernsehserie als auch gegen den Kinofilm) mitinitiiert hatte, hatte Thorsten Brenscheidt zur Abfassung dieser Aufklärungsschrift angeregt. Dieses Buch ist wichtig, dass der Protest gegen derartige Blasphemien, wie die Öffentlichkeit sie in immer unverschämterer Weise zugemutet bekommt, nicht verebbt. Immerhin haben fast 38.000 Menschen in kürzester Zeit eine Petition gegen „Götter wie wir“ bei cxflyer unterschrieben, was sehr erfreulich ist.

Dieses Buch bringt die Missstände auf den Punkt und weist auf die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit Blasphemie hin: „Zumindest bibeltreuen Christen kann und darf es nicht gleichgültig sein, wenn … Gott gelästert wird. Viel zu scharf und entschieden verurteilt die Heilige Schrift, das Wort Gottes, jegliche Form von Blasphemie, als dass ein Christ stillschweigend darüber hinwegsehen könnte“ (Seite 7).

ERF_Jesus_liebt_mich

Der Skandal der Gotteslästerung und der fehlenden politischen Gegenmaßnahmen gegen diese wird in dem Buch von Thorsten Brenscheidt schonungslos aufgedeckt. Der Skandal allerdings, dass ein führendes neoevangelikales Werk wie der ERF solche Blasphemien verharmlost und den gotteslästerlichen Film „Jesus liebt mich“ auch noch empfiehlt, findet in dem Buch leider keine Erwähnung. Das erstaunte viele, da Thorsten Brenscheidt in anderen Büchern auch „kein Blatt vor den Mund nimmt“.

Trotzdem: alles in allem ein empfehlenswertes und notwendiges Buch, das freilich nur im Glauben gefestigte Christen lesen sollten, um informiert zu sein und gotteslästerlichen Büchern und Filmen gezielt entgegentreten zu können.

– Dr. Lothar Gassmann, Pforzheim