Brief an Frau Käßmann – Was ist zentral?

»Ostern gibt es nicht ohne Jesus und nicht ohne Auferstehung! Ostern sind Eier, Häschen, Küken, Osterfeuer und Osterwasser nur Beiwerk. Zentral ist unser Glaube daran, dass Gott unser Leben über den Tod hinaus hält. Wie das aussehen wird, das wissen wir nicht. Darüber müssen wir auch nicht spekulieren. Aber wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott uns bei unserem Namen gerufen hat und dieser Name bei Gott geborgen sein wird, auch nach unserem Tod.«

– Margot Käßmann, Ostern nicht ohne Jesus

Liebe Frau Käßmann,

immer wieder begegnen Sie mir in Ihren Beiträgen. Von Sympathie sind Sie getragen, dass Ihnen so mancher Fehltritt gerne verziehen wird. Populär sind Sie, man hört Ihnen zu und im Internet werden Sie gelesen. Ganz frisch ist Ihr Artikel über den Antijudaismus von Luther, der sich recht gut liest. Sie werben für Dialog und Toleranz, was immer gut ankommt, ja geradezu aufleuchtet vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte. Der Leser nickt Ihnen zu. Er will einen rühmenden Leserbrief schreiben und selbst mit einsteigen in den „Dialog“, in die nie enden wollende Harmonie der kirchlich Geprägten, die nichts als nur den Frieden verkündigen. Alles läuft gut für Sie, Frau Käßmann, und Sie werden – wenn Gott nicht selbst eingreift – wohl auch so weitermachen und den Menschen genau das bringen, wonach ihnen die Ohren jucken.

Als Christ verzeihe auch ich denen, die gegen mich sündigen, ich vergesse sogar. Auch bin ich für den Dialog und nicht dagegen. Auch für die Toleranz – nur verstehe ich den Begriff anders als Sie. Donald A. Carson, vielleicht kennen Sie ihn, lehrte mich in einem Satz: „Man kann erst tolerieren, wenn man anderer Meinung ist.“ Lassen Sie mich tolerant sein, Frau Käßmann, in genau diesem Sinne. Denn, mit Verlaub, ich bin anderer Meinung als Sie, und zwar in der Wahrheitsfrage. Aber keine Angst, ich werde deswegen nicht den Krieg ausrufen. Nur diesen Blogbeitrag schreiben, mehr nicht.

Darf ich Sie einleitend fragen: Was bedeutet Ihnen „Gottes Wort“? Ist es von Gott? Oder doch nur von Menschen? Lässt es sich pragmatisch gebrauchen, z.B. um den Frieden zu fördern und in Harmonie zu versinken? So schreiben Sie: „Der jüdisch-christliche Dialog hat neu entdecken lassen, was der Apostel Paulus über das Verhältnis von Christen und Juden schreibt: »Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich« (Römer, 11.18).“ Ganz recht haben Sie, genau richtig. Nur versteht es kaum jemand von den heutzutage ach so vielen, die Golgatha für eine Zahncreme halten. Das Eine, was sie verstehen: Die Juden sollen nicht verfolgt werden, sagt wohl auch die Bibel.

Biblische Hermeneutik sieht anders aus. Und mir geht es hier nicht um Luther und die Juden, auch nicht um Sexualethik mit oder ohne Pille. Auch die Frage nach Alkohol und Trunkenheit, sie soll mir heute und an dieser Stelle egal sein. In diesem Brief an Sie geht es mir nur um das Wesentliche, und zwar um nicht mehr und nicht weniger als um das Fundament unseres Glaubens: Die leibhaftige Auferstehung Jesu Christi und das Leben nach dem Tod.

Lesen Sie doch mal bitte Ihr obiges Zitat mit den Augen desjenigen, dem bisher weder Bibel noch Gott etwas bedeuten. Sie wissen doch selbst, wie bibelunkundig die Menschen sind. Was verstehen sie aus dem Gesagten? Gott „hält“ unser Leben über den Tod hinaus, ja. Aber wo leben wir weiter, auf einer Blumenwiese? Was sagen Sie, wir wissen es nicht? Sollen nicht spekulieren? Brauchen wir doch nicht, denn die Bibel lehrt uns über Himmel und Hölle! Und wer kommt wohin? Wen hat Gott „beim Namen gerufen“? Wer ist bei Gott „geborgen“? Der Leser Ihres Beitrags? Etwa alle?

Vielleicht erkennen Sie selbst, worauf ich hinaus will. Sie bringen den Menschen genau das, wonach ihnen die Ohren jucken. Sie winden sich, ohne irgendwie anzuecken oder zu Buße und Umkehr aufzurufen. Eben deswegen sind Sie so beliebt. Am Ende ist bei Ihnen immer alles in bester Ordnung und niemand muss in Sorge sein. Oh, ich wüsste gerne wie Jesus Christus Sie heute nennen würde. Sie wissen, einige nannte er damals Otterngezücht, Söhne des Teufels. Der Herr fand deutliche Titel für Mietlinge und Irrlehrer – aus Liebe zur Wahrheit und zu den Menschen, er will sie ja retten!

Wenn Sie es glauben, sprechen Sie das Bekenntnis auch klar aus: Jesus Christus ist leibhaftig aus dem Grab gestiegen, Er lebt! – im wahrsten Sinne des Wortes. Das Grab ist leer, dann die Himmelfahrt, und nach der Schrift wird er wiederkommen um zu richten und die Menschen zu scheiden. Wenn Sie Ihre Bibel kennen, kennen Sie auch die Schriftstellen. Bibeltreue kennen sie. Was aber bedeuten Ihnen die Worte Jesu?

Ich stelle es mir schwierig vor, wie Sie in der Öffentlichkeit zu stehen, der Erwartungsdruck wird hoch sein. Menschen können zum Mob werden, im Netz nennt man das „Shit Storm“. Auch der Herr Jesus war vorsichtig mit seinen Worten, hat sich oft zurückgezogen, zuletzt sogar – kompromisslos – geschwiegen. Eins hat er jedenfalls nicht getan, nämlich den gottlosen Menschen trügerische Sicherheit gepredigt. Stattdessen hat er stets die Wahrheit gesagt, in einfachen Worten, so dass ihn jedes Kind verstehen konnte.

Warum tun Sie das nicht auch? Glauben Sie denn, was geschrieben steht? Wenn Sie das nächste Mal ins Gebet gehen, machen Sie doch die Tür zu und senken Sie Ihr Haupt vor dem Auferstandenen. Und fragen Sie Ihn selbst, ob Ihr Dienst dem Heil der Menschen und der Ehre Gottes dient. Und lassen Sie sich korrigieren!

Frau Käßmann, predigen Sie die Wahrheit, im Klartext! Wenn nicht, schweigen Sie! Möge Gott der HERR eingreifen, aus Liebe zur Wahrheit und aus Retterliebe zu den Menschen.