Buchbesprechung: Young, Der Weg

der-wegEine Rezension von William P. Youngs Buch „Der Weg – Wenn Gott dir eine zweite Chance gibt“ durch Yvonne Schwengeler.

Nach einem Unfall fällt der skrupellose Multimillionär Tony Spencer ins Koma und findet sich in einer Zwischenwelt wieder. Dort trifft er auf einen älteren Mann namens Jack, der sich als Jesus zu erkennen gibt, und auf eine zahnlose Grossmutter, die sich als der Heilige Geist offenbart. Tony wird sich der Vergeudung seines bisherigen Lebens bewusst und möchte eine zweite Chance. Er kann auf die Erde zurück, allerdings darf er sich dabei nur der physischen Augen verschiedener Menschen bedienen.

Durch sie sieht er die Welt in einem ganz andern Licht. Um Erlösung zu finden, muss er während dieser geschenkten Zeit einen einzigen Menschen körperlich heilen. Auch seine eigene Heilung könnte er bewirken. Trifft er die Entscheidung gegen seinen Egoismus, wird er die grossen Ungerechtigkeiten seines bisherigen Lebens ungeschehen machen. So passiert es dann auch. Tony heilt ein todkrankes Mädchen und erfährt, dass er somit die Bedingung für den Eintritt ins Himmelreich erfüllt hat. Dann wird er auch noch darüber aufgeklärt, dass ihm in diesem Mädchen «Papa-Gott» begegnet sei.

«Der Weg» lautet der Titel des Buches, aber es ist nicht der Weg, den der biblische Jesus als den einzigen aufzeigt, der zur Gotteskindschaft führt: das Kreuz. Selbsterlösung durch gute Werke, das ist der attraktive Köder, den der Roman dem Leser anbietet und der von jeher gern geschluckt wurde. Man könnte einwenden, es handle sich bei diesem Werk ja um einen Roman und nicht um ein theologisches Sachbuch. Das ist richtig, aber Young verwendet diese Fiktion ganz offensichtlich als Transportmittel für theologische Lehren. Und diese Lehren brechen weitgehend mit dem biblischen Verständnis von Gott und christlicher Theologie. Der Gott, der sich uns in der Bibel offenbart, ist eben nicht nur Liebe, sondern auch Heiligkeit und Gerechtigkeit. «Denn Gottes Zorn wird offenbart werden über alles gottlose Wesen und alle Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten» (Röm. 1,18).

Es gelingt dem Autor, durch eine emotionale Story unsere Fähigkeit zu trüben, die subtilen theologischen Irrtümer auszumachen, die zwischen den Seiten dieses Buches verstreut sind. So wird beispielsweise Versöhnung wirksam für alle, ohne dass sie Glauben zeigen. Es gibt auch kein zukünftiges Gericht, da Papa-Gott sich den Menschen und die Menschen sich ihm in einem Kreislauf der Beziehungen unterwerfen.

Zum Schluss eine kleine Kostprobe aus dem Inhalt: Tony fragt Jesus: «‹Dein Vater, ist das nicht der Gott des Alten Testaments?› Grossmutter (der Heilige Geist) war es, die antwortete, während sie aufstand und sich reckte: ‹Oh, der Gott des Alten Testaments! Der macht mich ganz verrückt!› … Jesus schaute Tony an, und beide lachten.»

Da bleibt nur eines zu sagen: Kommentar überflüssig!

– Yvonne Schwengeler, factum // distomos