Carine, 43, lässt sich töten

Totenkopf

Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit ereignete sich in Belgien eine Weltpremiere: Ärzte leisteten bei einer 43 Jahre alte Patientin auf deren Wunsch hin aktive Sterbehilfe. Sofort danach entnahmen andere Mediziner ihr die Nieren, die Leber und die Bauchspeicheldrüse. Wie üblich nach einer Tötung auf Verlangen wird auf Carmens Totenschein »natürlicher Tod« vermerkt. Willkommen in der Welt der utilitaristischen Ethik in der Kultur des Todes, mitten im (noch) reichen Europa:

„An ihrem selbst gewählten Todestag wirkt Carine Geerts* aufgeregt und glücklich. Die 43-jährige Frau aus Belgien hat ein Krankenzimmer in der Universitätsklinik Antwerpen bezogen, für wenige Stunden nur, bald braucht sie es nicht mehr. Bei Carine sind ihre drei Kinder, 17 bis 21 Jahre alt, und ihr Freund. Sie trinken gemeinsam ein letztes Glas Weißwein. Seit einem Schlaganfall ist Carine behindert. Über ein Jahr lang hat sie versucht, sich in ihr altes Leben zurückzukämmen, doch nun hofft sie nicht mehr auf Besserung oder Heilung. Sie will sterben, hier in der Klinik, durch die Hand eines Arztes. »Ich will meinen Körper los sein. Er geht nicht mehr«, hat sie zwei Tage vor ihrem Tod dem Hausarzt gesagt. …

Als eine internationale Medizinerschaft 2009 beim europäischen Anästhesiekongress in Mailand mit Carines Fall konfrontiert wird, hält sich die Kritik in Grenzen. Ein Anästhesist allerdings fragt, warum die Chirurgen nicht auch noch Carines Herz transplantiert hätten, erinnert sich Cras. Die Frage ist als Provokation gemeint: Herzen sind besonders empfindlich gegen Sauerstoffmangel. Wenn sie einmal zu schlagen aufgehört haben, ist es nahezu ausgeschlossen, sie zu transplantieren. Hätte man auch Carines Herz verpflanzen wollen, so hätte man es der jungen Frau unter Narkose entnehmen müssen – vor ihrem Tod. Carine wäre dann nicht durch die Medikamente getötet worden, sondern infolge der Organentnahme. Die Antwerpener Ethikkommission hatte diese Möglichkeit im Vorfeld tatsächlich diskutiert – und sich dagegen entschieden. Weil die Tötung von der Organentnahme komplett getrennt sein musste, sagt Cras.“

– Quelle: theoblog.de / zeit.de // Bild: pixelio/rudolf ortner

 

Zahl der Selbsttötungen steigt

Die Zahl der Selbsttötungen ist im vergangenen Jahr in Deutschland auf über 10.000 gestiegen. Das geht aus Angaben des Therapiezentrums für Suizidgefährdete am Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf hervor. Danach nahmen sich im vergangenen Jahr 10.021 Personen das Leben, 405 mehr als 2009. Die Marke von 10.000 Selbsttötungen war zuletzt 2005 überschritten (10.260) worden.

Den Angaben zufolgen sterben mehr Menschen durch Suizid als durch Verkehrsunfälle (3.648), Mord und Totschlag (2.218), illegale Drogen (1.237) und Aids (550) zusammen. Die Zahl der Selbsttötungen pro 100.000 Einwohner stieg von 11,4 (2007) auf 12,3 (2010). Nach Angaben des Therapiezentrums zufolge setzt in Deutschland alle 53 Minuten ein Mensch seinem Leben ein Ende. Alle fünf Minuten finde ein Suizidversuch statt. (idea)