Christen in der Ehe – der Versuch einer Korrektur

Über die Ehe ist viel geschrieben worden. Das wissen jene, die sich aus der eigenen Not heraus mit dem Thema beschäftigen wollen oder müssen. Eheleute sind frustriert, weil ihr selbst gestecktes Ziel einer „glücklichen Ehe“ (anstelle von „Christusähnlichkeit“) in weiter Ferne scheint. Die folgenden Gedanken basieren auf dem Buch „Beyond Companionship“ von Garland, zusammengefasst und ergänzt. Hier eine Antwort auf vier gängige „Mythen“ über die Ehe:

Mythos Nr. 1:

Es gibt nur ein Schema für eine Ehe, die zu allen Zeiten und für alle Menschen gilt.“

Das gesellschaftliche Idealbild einer Ehe ändert sich von Zeit zu Zeit und von Kultur zu Kultur. Arrangierte Ehen sind in Teilen Asiens normal, im Westen eher undenkbar. Beispiele aus dem Alten Testament sind die Vielehen der Patriarchen und Könige sowie die damalige Normalität der Schwagerehe. Heute hingegen gilt weitestgehend die neutestamentliche Monogamie.

Demnach ist auch die Bibel kein Handbuch für die ideale Ehe. Es gibt nicht viele Bibelstellen, in denen konkret über die Ehebeziehung gelehrt wird. Paulus antwortet in 1 Korinther 7 auf die dringendsten Fragen der Gemeinde. Andere Stellen erheben den Mann zum „Haupt“, was im destruktiven Fall zum militärischen Miteinander missinterpretiert wird. Wahrscheinlich am hilfreichsten sind die Sprüche, die allgemein über das Zusammenleben lehren (und z.B. vor Zänkereien warnen). Das Hohelied der Liebe zeichnet ein unerreichbares Ideal, welches der Situation eines anfänglichen Verliebtseins mehr ähnelt als den „guten sowie schlechten Zeiten“ aus dem Ehegelübde zweier Sünder.

Vor diesem Hintergrund müssen Ehe-Ratgeber und Vorbilder aus aktueller oder vergangener Zeit in den eigenen Lebenskontext so hineinreden, dass sie tatsächlich helfen.

Mythos Nr. 2:

„Wenn du nur lange genug an deiner Ehe arbeitest, kannst du eine gute Ehe haben.“

Wer sich scheiden lässt, hat einfach nicht lange genug ausgehalten und dabei nicht lange genug versucht, seine Ehe zu retten, so die Annahme. Aber kann man seine Ehe überhaupt „retten“?

Ist eine gesunde und glückliche Ehe „machbar“? Oder gibt es Fälle, in denen bereits alles gemacht und versucht wurde, es aber dennoch mit der Ehe irgendwie nicht funktionieren will? Und inwieweit ist der Segen Gottes letztlich entscheidend? „Wenn der HERR nicht das Haus baut, dann arbeiten umsonst, die daran bauen.“ (Psalm 127,1) Immer beeinflussen auch äußere Faktoren die Ehe wie z.B. Kinder, Arbeit, Krankheit, die Wohnsituation oder das soziale Umfeld der Familie. Statistisch ist die Scheidungsrate unter den Armen höher als unter den Reichen.

Damit ist nicht gesagt, dass Eheleute sich keine Mühe geben sollten. Aber die Mühe allein reicht nicht. Das sollten auch diejenigen im Blick haben, die auf Geschiedene herabsehen.

Nicht das Eheversprechen ist die Wurzel eines langen Zusammenlebens, sondern ein gutes Zusammenleben ist Basis und Ursache dafür, dass man zusammenbleibt. Nicht die Scheidung ist die Sünde, sondern die Sünde ist Ursache für die Scheidung. Heiraten zwei Sünder, sündigen sie gegeneinander. Der eine leidet mehr, der andere weniger. Nur Gott kann da helfen.

Mythos Nr. 3:

„Die Ehe ist die wichtigste Beziehung im Leben.“

Trotz hoher Scheidungsrate ist die Ehe populär heutzutage. Die meisten Menschen heiraten früher oder später. Auch eine Wiederheirat zeigt, dass man trotz der negativen Vorerfahrung die Ehe als solche schätzt. Einerseits ist die Gesellschaft freizügig und sexualisiert, andererseits sehnt sich der Mensch nach einer glücklichen Ehe und macht sie zur Voraussetzung für ein glückliches Leben. Und auf dieser Basis ist man dann gezwungen, an der Ehe zu arbeiten…

Wer aber den Ehepartner zur höchsten Quelle seiner Freude erhebt, setzt ihn an die Stelle Gottes. Die Ehe wird zum Götzendienst. Nicht der Ehepartner, sondern Gott sollte unsere Lebensquelle sein. Leben beide mit der richtigen Priorität, so in Umfragen, stärkt das die Ehe.

Aber auch andere Menschen sind ebenso wertvoll wie der Ehepartner. Kinder brauchen den Vater und die Mutter. Die Bibel lehrt, die Eltern nicht zu vergessen. Noch am Kreuz sorgt Jesus für seine Mutter. Witwen sollen von der Gemeinde versorgt, Armen geholfen werden. Mitglieder in der Gemeinde brauchen Seelsorge. Die Mitarbeit im Gottesdienst ist wichtig und macht Freude. Letztlich haben wir noch den Missionsauftrag, Menschen in aller Welt von Jesus zu erzählen.

Ist die Ehe das Allerwichtigste, hat das auch den negativen Nebeneffekt, das eigene soziale Umfeld zu vernachlässigen. Man pflegt kaum noch Freundschaften. So bleibt am Ende nur noch der Ehepartner übrig, alle Bedürfnisse des anderen zu befriedigen, was ihm aber unmöglich ist.

Die Ehe bleibt nicht in Ewigkeit. (Mk 12,25) Gehorsam im Glauben kann zur Scheidung führen. (Lk 18,29) Wir sollen „ohne Ablenkung beständig beim Herrn bleiben.“ (1 Kor 7,35)

Mythos Nr. 4:

„In einer idealen Ehe können die Partner endlos über ihre Beziehung reden.“

Das letzte Ziel der Ehe ist nicht, jederzeit intimen Austausch miteinander haben zu können über die jeweiligen Emotionen, Verletzungen und Bedürfnisse. Umfragen haben sogar gezeigt, dass manche Ehe eher darunter gelitten hat, dass der eine dem anderen seine Unerfülltheit ausbreitet. Wie schon geschrieben, kann der Ehepartner ja nicht alle Bedürfnisse befriedigen, selbst wenn er wollte. Ein gesundes Maß an persönlichem Austausch ist hilfreich. Was darüber hinausgeht, schadet der Ehe. Die Kurve zeigt die Relation zwischen Reden und Stärke der Beziehung:

Gott schuf den Menschen als Mann und Frau. Tatsächlich ist es „nicht gut, dass der Mensch allein sei.“ (1 Mose 2,18) Also schuf Gott dem Mann eine Frau zur Partnerin. Dann gab er ihnen eine gemeinsame Aufgabe, die sie partnerschaftlich erfüllen sollten. Sie hatten den Garten Eden zu bebauen und zu bewahren. Sie sollten jedoch nicht den ganzen Tag über sich selbst reden. Auch die Beziehung zwischen Christus und der Gemeinde ist Vorbild für die Ehe. (Eph 5,32) Wir wissen aber, dass Christus der Gemeinde Aufgaben gibt. Der Gottesdienst ist nicht alles.

Das erinnert an Mythos Nr. 3. Die Ehe ist nicht das Wichtigste. Konzentrieren sich beide (mehr) auf Gott als auf sich selbst, wird das – oft – auch die Ehe stärken. Insbesondere dann, wenn es beide gemeinsam schaffen, von sich wegzusehen und anderen zu dienen.

Schlussgedanken

Der Beitrag gibt Tipps zur Stärkung der Ehe und korrigiert falsche Denkweisen. Punkte 1 und 2 rufen zu mehr Realismus auf. Die Ehe ist zeitlich begrenzt und hat kein ewiges Gewicht. Zur Hilfe brauchen wir Gott. Wer den Ehepartner zum Götzen macht, kann keinen Segen erwarten. Leben beide Ehepartner jeweils ein gesundes Leben in der Gemeinschaft mit Gott und innerhalb eines stabilen sozialen Miteinanders, wird auch die Ehe am ehesten gelingen.

Drei Buchrezensionen zum Thema Ehe finden sich hier: