Der Teufel – Wie steht es mit dem Bösen?

Teufel

»Alle Leute sagen, es gäbe keinen Teufel, es gäbe keinen Teufel. Kannst du mir sagen, wo die Angst herkommt? Kannst du mir sagen, wo die Sucht herkommt? Kannst du mir sagen, wo die Lust herkommt?« In diesem Lied geht es um den Teufel und sein Wirken. Was findet sich in der Bibel zu dem Thema? Dort wird keine Lehre über den Teufel, auch Satan genannt, entfaltet, und über seinen Ursprung wird keine genaue Aussage gemacht.

Doch wer die Bibel liest, entdeckt, dass der Satan ein willentlich handelndes und zudem intelligentes Wesen ist. Zweifelsohne gibt es »das Böse«. Auch dass es seinen Sitz im Herzen des Menschen hat, wird von vielen gesehen, was unter anderem auch in der Bibel steht. Doch ist damit das Geheimnis gelüftet?

Das heißt aber nicht, dass dadurch dem Menschen die Verantwortung für sein Tun abgenommen wird. Der Gegensatz zwischen Gott und Satan tritt im Neuen Testament offen zutage. Der deutsche Ausdruck Teufel ist eine Umformung des griechischen Wortes diabolos, was »der Durcheinander-werfer« bedeutet. Und dazu hat er für einige Zeit Macht. Das ist auch der Grund, warum ihn Jesus den Fürsten dieser Welt nennt.

Der Auftakt des teuflischen Kampfes gegen Jesus wird in Lukas 4,1-13 beschrieben. Nachdem Jesus in der Wüste vierzig Tage gefastet hat, stürzt der Versucher auf ihn. Obwohl Jesus dem Satan widersteht, heißt es am Schluss, dass er nur »eine Zeitlang« von ihm gewichen ist. Paulus rechnet fest mit der Realität des Teufels, aber hat nicht Angst vor ihm, weil Gott ihn besiegt hat.

Gott hält den Satan am Zügel

In der Bibel ist auch von einer Größe die Rede, die übermenschliche Züge trägt, die als Widersacher Gottes beschrieben wird.

Im Buch Hiob erscheint der Satan als ein Mitglied des Hofstaates der Gottessöhne. Der Satan hat Zugang zur himmlischen Wirklichkeit Gottes. Beim Propheten Sacharja allerdings tritt der Satan eindeutig als Feind Gottes auf. Das zeigt, dass der Satan eine erfahrbare, übermenschliche Größe ist. Trotzdem kann er nur mit Gottes Erlaubnis tätig werden.

Die Existenz des Teufels wurde von den Kirchenvätern nicht in Frage gestellt. Augustin (354 – 430), hat das Wesen des Bösen als »das, was Schaden anrichtet« bezeichnet. Demnach ist alles böse, was die gute Schöpfung Gottes verdirbt. Im Mittelalter wurde versucht, die Boshaftigkeit des Teufels deutlich zu machen, indem man ihm viele Gestalten gab. Er war schwarz, hatte einen Pferdefuß und hinkte wegen seines Sturzes vom Himmel. Als geflügelter Jüngling war er elegant, aber von gelber Farbe.

Man sah ihn dreiköpfig oder als zweiköpfige Schlange. Es wurde stark an die Anwesenheit des Teufels geglaubt und die Angst vor ihm war groß. Politische Gegner oder Andersdenkende wurden häufig mit dem Teufel in Verbindung gebracht und unschuldig getötet. Doch letztlich ist der Teufel immer ohnmächtig, wenn sich jemand auf Gott verlässt. Denn Gott beschützt ihn. Das war zur Zeit Jesu so. Das galt im Mittelalter. Das gilt auch für die Gegenwart.

Während Luther sich noch ständig persönlich vom Teufel bedroht sah und auch in den reformatorischen Bekenntnissen ganz klar vom Teufel als Urheber alles Bösen gesprochen wird, verblasste im Laufe der Jahrhunderte im weiteren theologischen Denken immer mehr der Glaube an den Teufel als eine Person. Auch für viele Menschen spielt er mittlerweile keine Rolle mehr.

Wenn sich Menschen dem Teufel verschreiben und sich als Satanisten bezeichnen, hilft er ihnen tatsächlich, aber er hilft ihnen nicht nur, er bindet sie auch an sich. So sehr jemand sein schuldhaftes Verhalten selbst verantworten muss, so ist er doch niemals nur der Treibende, sondern immer auch der Getriebene. Dazu hat sich der Theologe Paul Schütz geäußert:

»Es gibt eine Frage, die der Kirche auf Herz und Nieren brennt, in der alle Not der Kirche und der Zeit zusammengefasst ist. Es ist die Frage nach dem Feind Gottes. Es ist die Genialität des Teufels, dass er sein eigenes Dasein vor unseren Sinnen wie vor unserer Vernunft zu verdunkeln versteht. In der Leugnung seiner selbst erweist sich der große Zauberer. Wie der Heilige Geist, so weht auch der böse Geist, wo er will. Niemand weiß, von wann er kommt und wohin der fährt.«

Die Macht und das Wesen Satans liegt zunächst in der Verstellung und bewussten Irrerührung. Und dabei beruft er sich sogar auf Bibelworte, wie zum Beispiel in der Begegnung mit Jesus in Mt 4,6, wo der Sohn Gottes versucht wird.

Das Böse wirkt nur eine begrenzte Zeit

Das falsch ausgelegte und falsch angewandte Bibelwort war schon immer eine mächtige Waffe in der Hand des Bösen. Schon die Schöpfungsberichte zeigen, dass die Lüge ihre Überzeugungskraft aus der Wahrheit bezieht, die in ihr steckt. Die Lüge verkehrt die Wahrheit ins Gegenteil. Satan stellt sich gegen Gott, indem er sich an seine Stelle zu setzen sucht. Diese Auflehnung gegen Gott kennzeichnet das Wesen der Sünde. Der Teufel versucht, zwischen Schöpfer und Geschöpf die Sünde zu schieben.

Darum ist es falsch, die Wirklichkeit des Bösen zu leugnen. Genauso verkehrt ist es, diese Wirklichkeit zu verharmlosen. Alles Böse führt von einem hohen Geist her, der mit großer Macht und Klarheit seine Zwecke verfolgt und ist nicht etwas Unbestimmtes. Eine alte Anekdote erzählt, der Teufel habe sich in Wittenberg vor Martin Luthers Haus aufgebaut und drohend zum Fenster, aus dem der Reformator gerade herausschaute, empor gerufen: »Wohnt der Doktor Luther hier?« Darauf kam aus Luthers Mund die Antwort: »Nein, der ist schon lange tot. Hier wohnt jetzt der Herr Jesus Christus.« Was blieb dem Teufel anderes übrig, als sich schleunigst davonzumachen?

Der Theologe Karl Barth betonte: »Weil der Satan durch Christus entmachtet ist, lohnt es sich nicht, ihm Respekt zu erweisen. Sicher ist das auch mit ein Grund dafür, dass in keinem christlichen Glaubensbekenntnis der Teufel vorkommt. Gerade wenn wir um die Existenz des Teufels wissen, müssen wir uns davor hüten, ihn überall an die Wand zu malen. Vor allem müssen wir uns davor hüten, ihn dort an die Wand zu malen, wo es ganz natürliche Gründe für die Erklärung eines Schadens oder Fehlers gibt.«

Die größte Angriffsfläche für den Teufel bei Christen ist der geistliche Hochmut, wenn ein Christ meint, er sei so fest und treu in der Nachfolge Jesu, dass ihm seitens des Teufels nichts mehr passieren kann. Jesus hat in diesem Zusammenhang deutlich gemacht, dass nur der Stärkere den Starken binden kann. Und mit dem Stärkeren meint er sich. Aus sich selbst heraus sind die Jünger Jesu ohnmächtig und unfähig. Jeder nur menschliche Versuch, Dämonen aus eigener Kraft zu überwinden, scheitert und endet im Chaos. Es ist wichtig, das Leben bewusst unter die Herrschaft Jesu zu stellen und auftretende Probleme mit einem erfahrenen Seelsorger zu besprechen.

Die Existenz eines übernatürlichen Wesens, das sich gegen Gott empört, wirft notwendigerweise die Frage nach der Allmacht Gottes auf. Dabei zeigt die Bibel zwei Aspekte, die mit unserem menschlichen Verstand letztlich nicht zu fassen sind. Einerseits ist Satan eine Wirklichkeit, die gegen Gott steht und das Böse selbst verantworten muss. Insofern stehen sich Gott und Satan in je eigener Souveränität gegenüber. Andererseits hat der Satan mitsamt seinen »Dämonen« keine göttliche Macht. Er bleibt in seinem Wirken auf die Zulassung Gottes angewiesen.

Gott wirkt also letztlich alles in allem. Das heißt, er ist auch im Handeln des Teufels gegenwärtig, nicht nur als Zuschauer, sondern auch als Handelnder. Aber das Ziel des Handelns ist verschieden: Der Teufel will zerstören, Gott will heilen. Gott hält den Teufel am Zügel. Gott begab sich in Jesus in dieselbe Anfechtung wie wir.

Wäre der Teufel ein »Gegengott«, dann wäre Gott nicht allmächtig. Wäre er aber Gottes Geschöpf, dann wäre Gott nicht gütig und heilig oder der Böse wäre nicht so schlimm. Oder wir wären nicht verantwortlich. Der Satan ist weder ein Gegengott – wir brauchen keine Achtung vor ihm zu haben – noch ist er von Gott extra dafür geschaffen, sondern er ist Gottes Widersacher, der aber schon verloren hat und dessen Ende bereits bestimmt ist. Er tobt sich zwar jetzt noch auf dieser Erde aus, aber eines Tages wird er endgültig gerichtet werden. Das Reich Gottes ist in Jesus bereits zu uns gelangt.

Alle von Gott verliehene Macht des Satans in Bezug auf Naturkatastrophen, Krankheiten und Tod ist begrenzt und kann die Kinder Gottes nur noch schrecken, aber nicht mehr aus Gottes Hand reißen. Und das Handeln des Satans kann auch nicht den Heilsplan Gottes zunichte machen, er wird vielmehr in den Heilsplan Gottes eingeordnet. Durch sein Sterben hat Jesus den Tod, und damit auch den Satan besiegt. Seine Auferstehung steht für eine neue Schöpfung, in der Gerechtigkeit wohnt.

Ein gekürzter Rundfunkbeitrag von Pastor Udo Vach in »Die Gemeinde« 28/2002