Deutschland: Wo bleiben die Proteste?

Jesus lebt

Es ist im Protestantismus unklar geworden, was eigentlich Christsein ausmacht. Zu diesem Thema das Bekenntnis eines langjährigen Spitzenmanagers, warum er Christ ist.

Ich wäre nie auf die Idee gekommen, nach einem Gott zu suchen, der so handelt wie Jesus Christus. Damit stehe ich nicht allein. Denn obwohl sich das Christentum viel mehr mit der Wirklichkeit des täglichen Lebens beschäftigt als alle anderen Religionen, dringt es zu den meisten Menschen nicht vor. Es wird z. B. von zahlreichen Europäern nicht als Lebenswirklichkeit wahrgenommen – oft nur als „Religion“. Schauen wir uns mal Deutschland an:

62 % aller Deutschen gehören einer Kirche an, aber nur 34 % aller Bundesbürger glauben, dass Jesus Christus von den Toten auferstand. Das Neue Testament macht aber sehr klar, dass Menschen, die das nicht glauben, keine Christen sind. Das heißt: Deutschland ist zumindest im Westen (im Osten zählen sich nur 10 bis 20 % zu einer Kirche) zwar noch ein kirchliches Land, aber auch hier kein christliches Land. Wir müssen das zunächst einmal zur Kenntnis nehmen: Wenn die Umfrage stimmt, dann sind ca. 54 Millionen Deutsche keine Christen.

Wo es wachsende Kirchen gibt

Wir sehen schon aus diesen wenigen Zahlen, dass die Kirchen vielleicht keine gute Arbeit geleistet haben bei den Bemühungen, ihren Mitgliedern klarzumachen, wer ein Christ ist und wer nicht. Wenn wir Länder erleben wollen, in denen der christliche Glaube lebt und wirkt, dann müssen wir Europa verlassen. In Teilen Chinas, in Südkorea, in einigen Ländern Zentralafrikas und Südamerikas finden wir sehr aktive und überzeugende Kirchen, von denen wir hier in Europa nur träumen können.

Wo bleiben die Proteste?

Jedes Jahr sterben weltweit über 100.000 Christen als Märtyrer, weil sie an Jesus glauben. Neulich fragte die Wiener Tageszeitung „DIE PRESSE“: Warum bewegt diese brutale Folge von Christendiskriminierung nicht mehr Menschen? Wenn in Dänemark oder anderswo Mohammed-Karikaturen erscheinen, dann brennen Botschaften, sterben Menschen und gehen weltweit zigtausende Moslems auf die Straße. Frage: Wer protestiert dagegen, wenn einige Länder offen sagen, dass sie das Christentum ausrotten wollen? Wenn einer von uns bei der Einreise nach Nordkorea oder Saudi-Arabien mehrere Bibeln im Koffer hat, dann landet er im Gefängnis. Moslems führen aber in großen Mengen den Koran in unsere westlichen Länder ein – völlig ungehindert.

Wenn der Satz „Jesus lebt“ geglaubt würde

Warum gehen Menschen für einen harten „Gott“ wie Allah auf die Straße – und für einen barmherzigen – den Gott der Bibel – nicht? Warum lässt uns das kalt, dass jedes Jahr über 100.000 unserer christlichen Brüder und Schwestern wegen ihres Glaubens an diesen Gott brutal umgebracht werden? Die „Süddeutsche Zeitung“ (die mit dem christlichen Glauben nicht viel vorhat) schrieb einmal in ihrer Karfreitagsausgabe:

„Wenn der Satz ‚Jesus lebt‘ geglaubt würde, müssten den Christen eigentlich Flügel wachsen, die Gemeinden müssten vor Kraft strotzen, ihre begeisterten Mitglieder müssten an Ostern durch die Straße rennen und jedem ins Ohr brüllen: ‚Gott lebt! Wirklich, er lebt!‘ Stattdessen stehen sie mit allen anderen im Stau auf der Autobahn.“

Warum fasziniert Jesus nicht mehr Menschen?

Warum fasziniert dieser Jesus Christus nicht mehr Menschen?

• Ist das Unkenntnis – mangelndes Wissen? Ja – auch.
• Ist das Widerstand gegen seine Ansprüche? Ja – auch.
• Ist das mangelnde Glaubwürdigkeit der Kirche? Ja – auch.

Die Bibel hat dazu eine Antwort: Wir haben gravierende Schwierigkeiten mit dem Herrschaftsanspruch Gottes! Wir wollen immer alles infrage stellen können. Wir wollen selbst bestimmen, was falsch und was richtig ist. Wir wollen das Steuer unseres Lebens nicht loslassen. Die Bibel macht aber zweierlei Aussagen Gottes sehr klar:

1. Gottes Angebot, uns nach unserem Tod ewiges Leben zu schenken!
2. Gottes Festlegung, dass es dazu nur einen Weg gibt!

Und dieser Weg hat nichts mit Religion zu tun! Nur eine persönliche (!) Beziehung zu Christus ebnet den Weg zum ewigen Leben mit Gott. Der christliche Glaube basiert auf zwei Einzigartigkeiten: auf einem einzigartigen Buch und auf einem einzigartigen Mann.

Das einzigartige Buch

Die Bibel ist das einzige Buch, das eine Fülle wichtiger Kriterien seiner Echtheit mitbringt:
• es wurde von mehr als 40 sehr verschiedenen Verfassern geschrieben;
• es wurde an sehr verschiedenen Orten geschrieben;
• es wurde auf drei Kontinenten geschrieben;
• es wurde in drei Sprachen geschrieben;
• es behandelt Hunderte kontroverser Themen;
• alle Schreiber der Bücher bringen den Stoff der Bibel mit erstaunlicher Übereinstimmung;
• mit 24.633 überlieferten Manuskripten ist das NT der (mit Abstand!) am besten dokumentierte Text der Antike.
• der gemeinsame „rote Faden“ des Buches lenkt das Hauptaugenmerk immer wieder auf den einen, wahren, lebendigen Gott, der sich uns durch Jesus Christus bekanntgemacht hat. Die Bibel ist also ein einzigartiges Buch.

Der einzigartige Mann

Jesus Christus als Schöpfer, Erhalter, Richter und Erlöser unserer Welt ist der einzige Gott, an den global mehr Menschen glauben als an irgendjemand anders. Er ist der einzige Mensch gewordene Gott, der hohe Ansprüche stellt und Zusagen gibt, die unvergleichbar sind. Er ist der einzige Gott, der von religiösen Menschen umgebracht wurde. Und er ist der einzige Gott, der seinen Tod und seine Auferstehung selbst bestimmte. Er ist einzigartig.

Gott geht auf uns zu

Im Gegensatz zu allen anderen Religionen, bei denen Menschen sich Mühe geben müssen, mit Gott in Kontakt zu kommen, startet der Gott der Bibel alles von sich aus. Er ergreift die Initiative: „So sehr hat Gott diese Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern ewiges Leben haben!“ (Johannesevangelium 3,16). Hier wird sehr deutlich, wer die Initiative ergreift und von wem eine Re-Aktion erwartet wird! Und es ist diese Reaktion, die uns rettet, wenn wir sterben!

Für Jesus oder gegen ihn

Warum haben trotzdem so viele Menschen Schwierigkeiten, das Angebot von Jesus Christus anzunehmen? Das Neue Testament beschreibt mehrere Situationen, in denen Jesus zu einer Gruppe von Menschen spricht. Nach einiger Zeit fand immer das Gleiche statt: Er polarisierte die Gruppe. Der eine Teil war irritiert, der andere fasziniert. Warum? Jesus verlangte von den Menschen, Stellung zu beziehen, sich zu entscheiden. Für ihn oder gegen ihn.

Hin und wieder begegne ich Menschen, die mir klarmachen wollen, dass Jesus ein weiser Mann war. Wer sich jedoch mal vor Augen hält, wie Jesus öffentlich redete und handelte, dem wird sofort der herablassende Unsinn einer solchen Annahme klar. Weise Männer sind nie so herausfordernd und „unvorsichtig“ aufgetreten wie Jesus. Es gibt nur zwei Gruppen von Menschen, für die das zutrifft: solche, die man nicht ernst nehmen kann, oder solche, die man sehr ernst nehmen muss – Geistesgestörte oder Gott selbst. Und jeder von uns muss für sich selbst entscheiden, wer und was Jesus für ihn bedeutet.

Wenn es Gott gibt

Mein Interesse am christlichen Glauben begann damit, dass ich begriff: Den wichtigen Dingen des Lebens gegenüber kann man nicht neutral bleiben. Wenn es Gott gibt, kann ich nicht so tun, als gäbe es ihn nicht. Genauso wie bei einer Partnerschaft nur das Jawort zu einer Ehe führt, genauso führt auch nur ein bewusstes Ja für Jesus Christus zum Christsein. Und erst dann, wenn das Christ-Sein mit einem „Ja, Herr“ begonnen hat, erst dann kann das Christ-Tun beginnen. Nicht mein christliches Handeln macht mich zu einem Christen, sondern mein Christsein führt mich konsequenterweise zum richtigen Tun.

Von Montag bis Freitag

Besonders faszinierend ist für mich, dass die Botschaft des Neuen Testaments offensichtlich nicht für Kirchenbesucher geschrieben wurde, sondern für das Leben von Montag bis Freitag. Wussten Sie, dass …
… von den 132 öffentlichen Auftritten von Jesus im NT 122 im Zusammenhang mit der Berufswelt stehen?
… von den 52 Gleichnissen Jesu 45 mit der Berufswelt zu tun haben?
… von den 40 göttlichen Interventionen in der Apostelgeschichte 39 mit der Berufswelt zu tun haben?
… Jesus mehr als 50 % seines Lebens (bis zum 30. Lebensjahr) als Zimmermann verbrachte, bevor er seinen Predigtdienst aufnahm?
… Jesus 12 berufstätige Menschen – und nicht Geistliche – als Jünger berief, um seine Gemeinde zu bauen?
… „Arbeit“ in verschiedenen Formen über 800 Mal in der Bibel vorkommt – mehr als alle Ausdrücke für Anbetung, Musik, Lobpreis und Singen zusammen?

Warum Christen besser dran sind

Ich habe viele Jahre herausfordernde Führungsaufgaben in großen Unternehmen gehabt – und habe mir vor langer Zeit mal zusammengeschrieben, was mein Glaube an Jesus Christus für meinen Beruf bedeutet. Zunächst aber eine wichtige Klarstellung: Christen sind nicht bessere Menschen – sie sind nur besser dran –, sie haben mehr Ressourcen. Und es sind diese besonderen Ressourcen, die erfahrbar machen, dass die Botschaft des Neuen Testaments funktioniert.

1. Christen haben sich freiwillig an die höchste Autorität gebunden und können jetzt (erst dadurch) personhaft akzeptabel Autorität für andere sein, denn sie manipulieren nicht mehr.

2. Christen ist ihre persönliche Schuld vergeben worden, sie haben dadurch zu echtem Frieden gefunden. Sie können deshalb produktiver sein und brauchen sich nicht mehr so intensiv mit sich selbst zu beschäftigen.

3. Christen können sich persönlich als wertvoll akzeptieren und brauchen sich nicht mehr laufend selbst vor anderen zu beweisen. Sie können Kritik annehmen, ohne zurückzuschlagen.

4. Christen wurden befähigt zu wahrer Nächstenliebe und haben erst dadurch Zugang zur wichtigsten Befähigung zur Menschenführung gefunden. Liebe gibt immer mehr Führungsenergie.

5. Christen haben keine Zukunftsangst (mehr) und damit mehr Kraft und Energie zur kreativen Gestaltung von Gegenwart und Zukunft.

Wie man ein neuer Mensch wird

Ich möchte schließen mit Worten von zwei Männern, die das Denken vieler Menschen geprägt haben. Der atheistische Philosoph Ludwig Feuerbach (1804–1872) hat den Christen ins Stammbuch geschrieben:

„Die wahren Atheisten sind die heutigen Christen, die behaupten, an Gott zu glauben, aber genau so leben, als ob er nicht existiere; diese Christen glauben nicht mehr an die Güte, die Gerechtigkeit, die Liebe, d. h. alles, was Gott definiert, diese Christen, die nicht mehr an das Wunder, sondern an die Technologie glauben, die mehr Vertrauen in die Lebensversicherungen setzen als ins Gebet; die angesichts des Elends nicht mehr im Gebet Zuflucht suchen, sondern beim Vorsorgestaat.“

Dazu der Sprecher der ersten Kirche, der Apostel Paulus. In seinem Brief an seine Freunde in Korinth (2. Korinther 5,17) machte er ihnen Folgendes klar:

„Es ist fast unglaublich! Diejenigen, die sich entschlossen haben, Christus zu glauben und mit ihm zu leben, die sind dabei wahrnehmbar anders geworden. Ihr früheres Leben kann man in ihnen kaum noch entdecken. Sie sind sich selbst unähnlich geworden. Man müsste eigentlich sagen: Sie sind neue Menschen geworden!“

Ich habe genau das erlebt, was Paulus in seinem Brief schreibt.

– Siegfried Buchholz, erschienen in idea // Bildquelle leider unbekannt

 

Der Autor, Siegfried Buchholz aus Baden bei Wien, ist promovierter Chemiker. Er und seine Frau haben drei erwachsene Söhne. Buchholz arbeitete 33 Jahre für den Chemiekonzern BASF unter anderem in den USA und Österreich. Im Alter von 63 Jahren wurde er Vorstandsvorsitzender des österreichischen Mischkonzerns Constantia. Im Anschluss startete er eine eigene Managementberatung: die Buchholz Consulting.